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Wirtschaftsministerium setzt Sefe für Gasspeicher-Befüllung ein

Berlin (energate) - Um die Befüllung der Gasspeicher voranzubringen, setzt das Bundeswirtschaftsministerium auf den staatlichen Gasimporteur Sefe. Wie energate aus Ministeriumskreisen erfuhr, wurde Sefe ermuntert, sich schrittweise am Markt zu versorgen. Dies gelte jedoch bislang nicht für den ebenfalls in der Energiekrise 2022 verstaatlichten Energiekonzern Uniper, der sich derzeit im Verkaufsprozess befindet. Unterdessen zeigen sich Gashändler wenig erfreut mit Blick auf die ersten Preisreaktionen.

 

Den Uniper-Verkaufsprozess hatte das zuständige Bundesfinanzministerium im Mai eingeleitet. Das Finanzministerium befürchtet offenbar negative Auswirkungen auf den Prozess, sollte Uniper ebenfalls für staatliche Gaseinkäufe herangezogen werden. Diese Argumentation stößt im Wirtschaftsministerium aber offenbar auf Unverständnis. Dort hält man die Auswirkungen auf die Privatisierung für unerheblich.

 

Sefe hat nach energate-Informationen hingegen bereits mit Einkäufen begonnen - die finanziellen Belastungen seien überschaubar, ist aus Ministeriumskreisen zu hören. Auch in Handelskreisen wurden schon "ungewöhnliche Einspeicherungen" registriert, obwohl die Spreads dazu keine Anreize bieten würden. Zudem hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf anonyme Quellen bereits berichtet, das Bundeswirtschaftsministerium diskutiere mit Uniper und Sefe ein mögliches Engagement der beiden staatlichen Energieversorger bei der Einspeicherung.

 

Händler not amused

 

Händler, mit denen energate gesprochen hat, zeigten sich angesichts der Presseberichte über mögliche Einspeicherungen wenig erfreut: "Die Meldungen haben sofort dazu geführt, dass sich heute Morgen der Spread zwischen Winterprodukten und Oktober wieder um 0,80 Euro/MWh verringert hat", kommentierte ein Händler. Jede Äußerung über mögliche Interventionen sei für den Markt schädlich. Ein anderer fragte, ob Sefe überhaupt viele Möglichkeiten zu einer zusätzlichen Einspeicherung habe. Und auch wenn vereinzelt Einspeicherungen beobachtbar waren, die der Marktlogik widersprechen, insgesamt waren die Einspeicherungen in den letzten Tagen weiter niedrig.

 

Kleine Schritte gegen große Preissprünge

 

Nach energate-Informationen erfolgen die Einkäufe in kleinen Schritten, um unverhältnismäßige Preissprünge zu vermeiden. Das Ministerium hegt die Hoffnung, noch auf einen Füllstand von 70 Prozent zu kommen. Die Gasspeicher sind derzeit zu gut 56 Prozent gefüllt - ein historischer Tiefstand. Warnungen vor einem schwierigen Winter relativierte allerdings jüngst die Bundesnetzagentur. Es gebe schon jetzt etwas mehr Gas in den Speichern, als im gesamten letzten Winterhalbjahr aus den Speichern entnommen worden sei, sagte Behördenchef Klaus Müller der dpa. Und in den nächsten Wochen bleibe Zeit für weitere Einspeicherungen.

 

Auch der Speicherverband Initiative Energien Speichern (Ines) hält rein technisch betrachtet einen Füllstand von über 70 Prozent für erreichbar. Dazu müssten aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Die aktuellen Marktbedingungen setzten aber keine ausreichenden Anreize für eine stärkere Einspeicherung. Insbesondere die infolge der Sperrung der Straße von Hormus gestiegenen Gaspreise und der teilweise negative Sommer-Winter-Spread erschweren die Befüllung. Dies hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nun offenbar dazu bewogen, eine Einspeicherung durch die Sefe anzustoßen.

 

Reiche steht politisch unter Druck. Nicht nur die Opposition zeigt sich von den niedrigen Füllständen alarmiert. Auch aus Unionskreisen kamen schon Warnungen vor Versorgungsengpässen im Winter. Unterstützung bekommt die Wirtschaftsministerin hingegen vom Bundeskanzler. Und auch die energiepolitische Sprecherin der SPD‑Bundestagsfraktion, Nina Scheer, relativiert die aktuelle Lage: Die heute geltenden Gasspeicherfüllstandsvorgaben seien angesichts der Vorsorge über LNG-Terminals und Anlandungen hinreichend versorgungssichernd.

 

Mögliche Maßnahmen

 

Die Wirtschaftsministerin sieht sich grundsätzlich gut aufgestellt, um im Ernstfall reagieren zu können, und betont stets die grundsätzliche Verantwortung des Marktes für die Wintervorsorge. Deshalb wolle man nicht vorschnell eingreifen, die Preise treiben oder funktionierende Marktmechanismen verdrängen.

 

Notfalls werde aber reagiert. Neben Gaseinkäufen durch die verstaatlichten Unternehmen Sefe und Uniper könnten beispielsweise auch zusätzliche Ausschreibungen von Long-Term Options (LTOs) eine weitere Befüllung begünstigen. Dies hatte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann im Gespräch mit energate erläutert. Mit diesem Regelenergieprodukt sichert sich Trading Hub Europe (THE) in jedem Jahr Leistung in ausgewählten Speichern, um im Januar, Februar und März bei Engpässen noch reagieren zu können. Bisher geht es regelmäßig um gut 14.000 MW. Die Frage ist, wie viel mehr es werden könnte. Aus Sicht von Marktteilnehmern ist der Ansatz grundsätzlich eine gute Idee, aber auch kein Allheilmittel. Dass der Marktgebietsverantwortliche THE wie in der Energiekrise 2022 wieder zu jedem verfügbaren Marktpreis Gas einkauft, erscheint hingegen unwahrscheinlich. /ck/hl

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