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Windprojektierer bei Neueinstellungen vorsichtig

Aachen (energate) - Dem Projektierer Abo Energy geht es schlecht. Die Insolvenz droht. Um wieder auf die Beine zu kommen, hat das Unternehmen auch einen Stellenabbau angekündigt. Den soll es auch bei der MVV-Tocher Juwi geben. Etwa jede 5. der insgesamt 1.350 Stellen fällt weg. Und auch PNE stellt sich schlanker auf und hat Mitarbeitende entlassen. energate hat sich bei weiteren Projektierern umgehört.

 

Dabei wurde deutlich: Die Unternehmen Alterric, Prokon, Hellweg Wind, RWE und WPD planen derzeit zwar nicht mit Stellenstreichungen. Die Schaffung neuer Stellen ist aber ebenfalls nicht vorgesehen, vielmehr wollen die Befragten die Anzahl ihrer Beschäftigten stabil halten. Aber selbst Neueinstellungen auf vakant werdenden Positionen prüfen die Unternehmen zum Teil sehr genau. Prokon erklärte beispielsweise "angesichts der allgemeinen Marktlage" insgesamt vorsichtig zu agieren. Im Bereich Service und Wartung stelle das Unternehmen aber weiterhin aktiv ein. Und Branchenriese RWE erklärte auf Nachfrage: "Wir halten unseren Mitarbeitenden-Stamm konstant auf dem bestehenden Niveau." Offene Stellen würden aber entlang der gesamten Wertschöpfungskette neu besetzt.

 

Ausschreibungsergebnisse kaum auskömmlich

 

Die Windbranche leidet schon länger darunter, dass die Materialkosten für ihre Parks steigen. Gleichzeitig sinken die Ergebnisse in den Ausschreibungen. Zuletzt fiel der durchschnittliche Zuschlagswert auf gerade einmal 5,06 Cent kWh. Die PNE AG, die ebenfalls Stellen abgebaut hat, sicherte sich 108 MW an Leistung. Sie räumte aber ein, sich mit den Projekten aus der Mai-Ausschreibung am Rande der Wirtschaftlichkeit zu bewegen. Einige Projekte habe das Unternehmen trotz BImSchG-Genehmigung nicht eingereicht, "womit wir in der Branche nicht allein dastehen". 

 

"Als Mittelständler können wir zu den aktuellen Zuschlägen der Bundesnetzagentur nicht bauen", heißt es vom Projektierer Hellweg Wind. Die Zuschläge gingen in erster Linie an große Konzerne. "Wir merken, dass sich der Markt immer mehr konsolidiert." Auch RWE und WPD wiesen darauf hin, dass durch die gesunkenen Zuschlagswerte nur die wirtschaftlichsten Projekte zum Zuge kommen. Das heißt nach Ansicht der beiden Unternehmen aber auch: Die Systematik der Ausschreibung funktioniere.

 

Die Windausschreibungen seien derzeit stark überzeichnet, erklärte Prokon die geringen Zuschlagswerte. Sprich: Projektierer bieten zu sehr geringen Preisen an, damit sie überhaupt zum Zuge kommen. Damit stoße das derzeitige Ausschreibungsvolumen an seine Grenzen. Die Vergangenheit etwa im Jahr 2017 habe gezeigt, dass zu niedrige Zuschlagswerte dazu führen könnten, dass Projekte wirtschaftlich nicht mehr realisierbar seien und der Zubau ins Stocken gerate. Sollten die Ausschreibungsergebnisse über mehrere Runden hinweg deutlich unter einem wirtschaftlich tragfähigen Niveau bleiben, sei damit zu rechnen, dass der Ausbau in den kommenden zwei bis fünf Jahren nicht in dem von der Bundesregierung vorgesehenen Umfang erfolgt, mahnt Prokon. Besonders kritisch sind dabei aus Sicht des Unternehmens Zuschlagswerte von unter 5 Cent/kWh. Aber auch Werte unterhalb von 5,5 oder 6 Cent könnten bereits dazu führen, dass Projekte nicht mehr wirtschaftlich sind. 

 

"Pachthöhenbegrenzung obsolet"

 

Zumal auf der anderen Seite die Kosten stagnieren oder sogar steigen. Das gelte für Anlagenbeschaffung, Infrastruktur, Tiefbauleistungen und Genehmigungen, hieß es von den Projektierern. Gleichzeitig seien die Zinsen für die Finanzierung gestiegen. Vor diesem Hintergrund sei es auch unverständlich, dass eine Pachthöhenbegrenzung eingeführt werden soll, hieß es von WPD. Die hohen Pachten habe der Markt längst schon selbst bereinigt. Das Thema sei somit in den allermeisten Fällen obsolet.

 

Alterric sieht den geplanten Eingriff in private Pachtverträge ebenfalls als "kritisch und vor allem auch unnötig" an. Die vorgesehene Deckelung der Pachtzahlungen auf 3,5 Prozent der Anlagenerlöse sei marktfern und ordnungspolitisch verfehlt. Der Wettbewerb habe die Pachtpreise zuletzt bereits wirksam reguliert. Ein staatlicher Preiseingriff drohe stattdessen die Flächenbereitstellung zu erschweren und den Zubau weiter zu verlangsamen, so der Projektierer.

 

Fehlende Netzkapazitäten und Investitionsunsicherheit

 

Weiterhin bereiten den Projektierern die fehlenden Netzkapazitäten Sorge. "Die größten Hürden bestehen in mangelnden Netzkapazitäten, dem schleppenden Ausbau der Netze sowie der fehlenden Digitalisierung und mangelnden Kommunikation der Netzbetreiber", heißt es stellvertretend von Alterric. Wobei Prokon das Problem vor allem auf der Verteilnetzebene sieht.

 

Für Bauchschmerzen sorgen zudem die politischen Signale aus Berlin. "Die bisher verschleppte Umsetzung der EEG-Novelle als auch des Netzpakets haben dazu geführt, dass Investitionsunsicherheit herrscht, was Gift für jede wirtschaftliche Entwicklung ist", heißt es dazu von PNE. Die aktuellen Pläne zu Netzpaket und EEG könnten dazu führen, dass sich die Wirtschaftlichkeit und dadurch die Finanzierbarkeit von Projekten so verschiebe, dass sich nicht mehr umgesetzt werden. Was die Branche jetzt stattdessen brauche, sei der Marktzugang der Erneuerbaren zur Industrie und der Anreiz von Flexibilitäten. In den Gesetzesentwürfen fehlten aber Regelungen zur physikalischen Direktlieferung, kritisiert PNE, ebenso wie solche zum Zubau von Speichern und zur Vereinfachung und Beschleunigung des Netzausbaus. Auch Prokon mahnt: Sollten die aktuellen Entwürfe ohne wesentliche Anpassungen umgesetzt werden, könnte sich die Lage deutlich verschärfen. Das sieht auch WPD so. Würden die aktuellen Kabinettsbeschlüsse auch vom Parlament bestätigt, würden damit viele Projekte verhindert und der Ausbau der Erneuerbaren massiv eingeschränkt. /sd

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