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Windindustrie fordert Tempo beim tatsächlichen Ausbau

Hamburg (energate) - Europas Windindustrie verlangt von der Politik einen stärkeren Fokus auf den tatsächlichen Zubau. Langfristige Ausbauziele reichten nicht aus, erklärten Unternehmensvertreter zum Auftakt der Messe Wind Energy Hamburg. Europa brauche genehmigte und finanzierbare Projekte, stabile Erlösmodelle sowie leistungsfähige Netze und Häfen. Andernfalls drohten Investitionen in Fertigungskapazitäten und Lieferketten ins Leere zu laufen. "Wir können nicht weiter zu diesen Konferenzen kommen und nicht über den tatsächlichen Zubau sprechen, denn er findet nicht statt", kritisierte Vestas-Chef Henrik Andersen. Einzelne Projekte könnten den wachsenden Energiebedarf nicht decken.

 

Ziele für 2030, 2040 oder 2050 seien noch keine bau- und investierbaren Vorhaben. Nach Andersens Angaben müsste Europa jede Woche eine Offshore-Leistung von 1.000 MW in Betrieb nehmen, um seine Ziele zu erreichen. Einige europäische Länder hätten bei den Genehmigungen in den vergangenen fünf Jahren keine Fortschritte erzielt. Andersen forderte daher deutlich schnellere Verfahren. In Dänemark dauere eine Genehmigung selbst im günstigsten Fall sieben Jahre. Für einen zusätzlichen Batteriespeicher an einer bestehenden Anlage sei ein separates Verfahren nötig. Dies könne erneut sieben Jahre beanspruchen.

 

Lieferkette braucht verlässliche Projekte

 

Besonderen Handlungsbedarf sieht Ørsted-Chef Rasmus Errboe in Deutschland. Dort kämen bezuschlagte Offshore-Projekte mit insgesamt 16 GW Leistung nicht voran und blockierten das System, weil eine Investitionsentscheidung fehle. Diese Vorhaben müssten umgesetzt werden, so Errboe. Marc Becker, Senior Vice President Offshore von Siemens Gamesa, forderte ebenfalls eine konkrete Umsetzungsagenda. Die Branche habe in Deutschland, Dänemark, Großbritannien und weiteren europäischen Märkten Kapazitäten und Kompetenzen aufgebaut. Unsicher sei jedoch, ob genügend Projekte zur Verfügung stünden, um diese industrielle Basis auszulasten.

 

Europa müsse "von Ambitionen und Ideen zu Handlungen und zur Umsetzung" kommen, sagte Becker. Zahlreiche Projekte hätten noch keine endgültige Investitionsentscheidung erreicht, europaweit seien es 45.000 MW. Der Markt werde das Problem nicht allein lösen. Politik, Industrie und Kunden müssten gemeinsam klären, welche Vorhaben gebaut werden sollen und welche Bedingungen dafür nötig sind.

 

Investoren verlangen planbare Einnahmen

 

Michael Hannibal, Partner bei Copenhagen Infrastructure Partners, sieht genügend langfristige Nachfrage und verfügbares Kapital. Entscheidend sei jedoch, diese Nachfrage in vorhersehbare Zahlungsströme für einzelne Projekte zu übersetzen. Nur eine tragfähige Risikoverteilung könne große institutionelle Investoren anziehen. Politische Ziele müssten deshalb mit kalkulierbaren Einnahmen auf Projektebene verbunden werden. Hinzu kämen leistungsfähige Netze und Häfen. Auch öffentlich-private Partnerschaften könnten Projekte voranbringen. Eine staatliche Beteiligung an frühen Entwicklungskosten könne helfen, während parallel der regulatorische Rahmen entstehe. "Wenn es stabile Einnahmeaussichten und einen angemessenen politischen Rahmen gibt, wird das Kapital folgen", sagte Hannibal.

 

Felipe Montero, Deutschlandchef von Iberdrola, bezeichnete stabile Regeln ebenfalls als wichtigste Investitionsvoraussetzung. Erneuerbare-Energien-Projekte liefen über Jahrzehnte. Rückwirkende Regeländerungen oder neue Belastungen für bestehende Anlagen erhöhten die Kapitalkosten und könnten weitere Investitionen verhindern. Nicht gebaute Windparks fehlten später als kritische Infrastruktur. "Helfen Sie uns, Kapital zu mobilisieren und einzusetzen, indem Sie stabile Regeln schaffen, die uns die notwendige Planungssicherheit geben", appellierte Montero an die Politik.

 

Für langfristig finanzierte Projekte brauche es zudem staatliche Absicherungsinstrumente. Differenzverträge seien keine Subventionen. Sie ermöglichten Investitionen, für die der Markt derzeit kein ausreichendes Signal setze. Eine Alternative seien langfristige Stromlieferverträge mit Laufzeiten von zehn, 15 oder 20 Jahren. Könne der PPA-Markt die Erzeugungskosten nicht tragen, brauche es einen zusätzlichen Stützungsmechanismus. Andernfalls werde das Kapital deutlich teurer.

 

Bund räumt Handlungsbedarf bei Offshore-Wind ein

 

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Stefan Rouenhoff, bekräftigte das Bekenntnis der Bundesregierung zur Windenergie. Der Ausbau müsse jedoch kosteneffizienter, systemdienlicher und marktorientierter werden. Dafür wolle die Bundesregierung den Netzausbau besser mit dem Erneuerbaren-Ausbau abstimmen und den Investitionsrahmen stärker am Markt ausrichten. Rouenhoff räumte zugleich Handlungsbedarf bei der Offshore-Windenergie ein. Eine Änderung des Windenergie-auf-See-Gesetzes solle erfolgreiche künftige Ausschreibungen ermöglichen und einen Bruch beim Ausbau verhindern.

 

Für eine wettbewerbsfähige europäische Windindustrie brauche es verlässliche Nachfrage, faire Wettbewerbsbedingungen, langfristige Planungssicherheit und Zugang zu Finanzierung. Rouenhoff nannte fairen Wettbewerb, Investitionssicherheit und Resilienz als zentrale Handlungsfelder. Dazu zählten auch Cybersicherheit und der Schutz kritischer Infrastruktur. Ziel sei nicht die Abschottung der europäischen Märkte, sondern Wettbewerb zu fairen Bedingungen und der Erhalt der industriellen Fähigkeiten, die Europa für die Energiewende benötige. /mh

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