Windenergie: Zuschläge fallen unter die 5-Cent-Marke
Bonn (energate) - Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der jüngsten EEG-Ausschreibung für Onshore-Windkraft bekannt gegeben. Demnach hält der Trend stetig sinkender Zuschlagswerte weiter an. Die Behörde vergab insgesamt 461 Zuschläge in einer Spanne von 4,49 und 4,98 Cent/kWh. Der durchschnittliche Zuschlagswert sei "erneut deutlich gesunken", auf nunmehr 4,79 Cent/kWh, teilte die Bundesnetzagentur mit. Erstmals seit Februar 2018 sinkt der durchschnittliche Zuschlagswert damit wieder unter die Marke von fünf Cent. In der Ausschreibungsrunde aus dem Februar 2018 belief sich der Durchschnittswert auf 4,73 Cent/kWh - der zweitgeringste Wert, der jemals bei der Windenergie an Land in einer Ausschreibung erzielt wurde.
Gebotsvolumen doppelt so hoch wie Ausschreibungsmenge
"Trotz rückläufiger Gebotsmenge war auch diese Ausschreibung erneut deutlich überzeichnet", erklärte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Dies spiegele sich in den weiter sinkenden Zuschlagswerten wider. Ausgeschrieben hatte die Behörde 2.520 MW. Marktakteure reichten Gebote über insgesamt 5.250 MW ein - die Bundesnetzagentur hätte also gut das doppelte Volumen bezuschlagen können. Damit setzen sich auch die deutlichen Überzeichnungen der Ausschreibungen fort. In den beiden vorangegangenen Runden aus diesem Jahr erreichten die Gebote ebenfalls das doppelte Volumen der Ausschreibungsmenge.
Die geringen Zuschlagswerte hatten zuletzt vermehrt zu Diskussionen in der Windenergiebranche geführt, zumal in den vergangenen Jahren die Kosten für den Bau neuer Windparks und auch für die Projektfinanzierung eher gestiegen als gesunken waren. Branchenvertreter hatten zuletzt mehrfach eine Marktkonsolidierung prognostiziert, da sich die Ertragslage für neue Projekte spürbar verschlechtert hat. Zugleich sorgen EEG-Novelle und das geplante Netzpaket für unsichere Zukunftsperspektiven. Der Bundesverband Windenergie (BWE) hatte erst kürzlich gewarnt, dass EEG-Novelle und Netzpaket die "Bankability" von Windkraftprojekten gefährden könnten. Die Gewerkschaft IG Metall sprach gar von einem bevorstehenden "Reiche-Absturz" - analog zur "Altmaier-Delle" aus dem Jahr 2020. Die getrübten Aussichten hatten zuletzt zahlreiche Bieter motiviert, ihre Projekte noch zu den aktuellen Rahmenbedingungen umsetzen zu können.
Branche erinnert an geplantes Zusatzvolumen im EEG
Der Verband der Anlagenbauer VDMA verwies entsprechend auf den aktuellen EEG-Entwurf, der ein Zusatzvolumen von 12 GW für die Windenergie an Land vorsieht. "Wichtig ist, dass dieses Zusatzvolumen - ebenso wie das reguläre Ausschreibungsvolumen - tatsächlich zum Tragen kommt und nicht durch Fehlsteuerungen im Netzanschlusspaket in Gefahr gerät", mahnte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Die anhaltend hohe Zahl an Geboten verdeutliche "das bestehende Ungleichgewicht zwischen der Zahl genehmigter Projekte und deren Bezuschlagung".
Die jüngste Auktion bestätigt im Übrigen auch das regionale Ungleichgewicht beim Windenergiezubau. Auf Bayern und Baden-Württemberg entfallen nur rund 100 MW der Zuschläge. Das vorherrschende Nord-Süd-Gefälle beim Ausbau wird damit weiter verstetigt, zumal einmal mehr das Nordland Niedersachsen die Rangliste mit 81 Zuschlägen (836 MW) anführt. Bayern und Baden-Württemberg wollen das ändern und haben mehrere Anträge in den Bundesrat eingebracht, die die Perspektiven süddeutscher Standorte verbessern sollen. Der Bundesrat wird am 25. September im Plenum über die Anträge abstimmen. Aus dem üblichen Rahmen fällt indes das vergleichsweise gute Abschneiden von Rheinland-Pfalz. Das Binnenland belegt mit 17 Zuschlägen (336 MW) immerhin den dritten Rang im Ländervergleich. /rb/mh