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Wie sich die leeren Gasspeicher füllen lassen

Berlin (energate) - Die Initiative Energien Speichern (Ines), der Verband der Speicherbetreiber, hat drei Maßnahmen zur kurzfristigen Senkung der Kosten bei der Nutzung von Speichern vorgeschlagen. Das hilft zwar noch nicht, einen Turnaround bei den historisch leeren Anlagen zu bewirken. Aber sollte sich die durchaus prekäre Preissituation im Gashandel drehen, würde dies eine schnellere Befüllung begünstigen. Im Gespräch mit energate erläuterte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann zudem, warum zusätzliche LTO-Ausschreibungen Anfang 2027 nötig sind und welche Strukturreformen der Markt mittel- und langfristig braucht.

 

Bei den drei kurzfristigen Maßnahmen schlägt der Verband vor, das Netzentgelt an Speicheranbindungspunkten komplett zu streichen. Zweitens sollte die Konvertierungsumlage von 0,11 Euro/MWh ab Oktober 2026 nicht mehr an den Einspeisepunkten von Speichern in das Netz erhoben werden. Dritter Vorschlag ist, dass der Staat über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) Händlern zinsvergünstigte Kredite zur Verfügung stellt, um das Arbeitsgas zu finanzieren. Die drei Maßnahmen summieren sich gemäß Ines-Analysen zu einer Kostenentlastung für die Speichernutzung von 1,16 Euro/MWh. Die Kosten für die Speichernutzer würden dadurch von 3,13 auf 1,97 Euro/MWh sinken, rechnet der Verband vor.

 

Bundesnetzagentur winkt zunächst ab

 

Angesichts eines negativen Spreads zwischen dem Winter 26 und dem Rest des Sommers reicht dies noch nicht, um Händler anzureizen, Speicher zu nutzen. Aber wenn sich der Spread drehen sollte, ist eine Speichernutzung schneller profitabel. Ines fordert deshalb eine kurzfristige Umsetzung. Bei Netzentgelten und Konvertierungsumlage müsste dies durch die Bundesnetzagentur erfolgen. Für die Ein- und Ausspeiseentgelte an Speichern gilt gemäß der Festlegung BEATE ein Rabatt von 75 Prozent und die Verteilung der Konvertierungsumlage ist in der Festlegung KONNI Gas geregelt. Die Bundesnetzagentur teilte energate auf Nachfrage mit, etwaige Handlungsalternativen würden fortwährend analysiert. Die Behörde befinde sich angesichts der dynamischen Entwicklung im regelmäßigen Austausch mit dem Bundeswirtschaftsministerium. Die Netzentgelte 2026 und 2027 seien aber rechtsverbindlich veröffentlicht und könnten nicht ohne ein ordentliches Verfahren angepasst werden.

 

Höhere Ausschreibungsmengen für Anfang 2027

 

Zusätzlich zu diesen Preismaßnahmen schlägt Ines kurzfristig die Ausschreibung von Long-Term Options (LTOs) vor. Mit diesem Regelenergieprodukt sichert sich THE in jedem Jahr Leistung an Speichern, um im Januar, Februar und März bei Engpässen noch reagieren zu können. THE zahlt für die Kapazitätsvorhaltung einen Leistungspreis. Ines argumentiert, in der Vergangenheit sei dadurch für Speichernutzer ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 3,50 Euro/MWh in den Regelausschreibungen entstanden. Dies sei ausreichend, um erfolgreichen Bietern eine wirtschaftliche Speicherbefüllung zu ermöglichen. Allerdings sei die Kapazität in den Regelausschreibungen zu gering, um einen umfassenden Anreiz zur Speicherbefüllung zu gewährleisten. Lediglich ein Füllstand von acht bis neun Prozent werde so abgesichert. Die ausgeschriebenen Kapazitäten müssten deutlich erhöht werden, um eine effektive Speicherbefüllung zu ermöglichen. Auch der Energieverband BDEW hatte im August die Nutzung der LTOs gefordert, um eine bessere Speicherbefüllung zu ermöglichen.

 

Ines schlägt in dem Aktionsplan aber auch Mechanismen vor, um mittel- und langfristig eine verlässliche Speicherbefüllung zu sichern. Heinermann, der Ines-Geschäftsführer, sagte energate, der Aktionsplan solle zum einen aufzeigen, was kurzfristig möglich ist, um Einspeicherungen zu unterstützen, ohne zusätzlich die Einkaufspreise durch staatliche Eingriffe nach oben zu treiben. Aber dies reiche nicht: "Es muss klar sein, dass wir mit den kurzfristigen Maßnahmen Symptome bekämpfen. Die eigentlichen Ursachen der aktuellen Probleme müssen durch tiefergreifendere strukturelle Lösungen geheilt werden. Der Speichermarkt braucht verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen", betonte er.

 

BDEW gegen komplette Abschaffung der Netzentgelte

 

Grundsätzlich seien zwei Ansätze denkbar: Entweder erfolgt ein Ausgleich zwischen den Kosten des Speicherbetriebs und dem Marktwert oder Marktakteure werden zur Nutzung der Speicher verpflichtet. EU-Mitgliedstaaten nutzen beide Ansätze, teilweise werden sie auch kombiniert. Der BDEW unterstützt grundsätzlich den Ines-Ansatz einer Differenzierung zwischen kurzfristigen Maßnahmen und einer mittelfristigen Anpassung des Designs für den Speichermarkt. Dazu seien aber verschiedene Ansätze sorgfältig zu bewerten, sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung Kerstin Andreae auf energate-Anfrage und ergänzte: "Der BDEW erarbeitet Vorschläge dazu." Bei den kurzfristigen Maßnahmen spricht sich der BDEW gegen einen vollständigen Verzicht auf Netzentgelte an den Speicherpunkten aus. Eine Erhöhung des Rabatts sei sinnvoll, aber eine vollständige Rabattierung wirke sich nachteilig auf die Effizienz von Kapazitätsbuchungen aus, argumentiert Andreae.

 

Neues Tool zu Füllständen 

 

Die Speicher in Deutschland sind aktuell zu 53,6 Prozent befüllt, so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt des Jahres. Eine neue Übersicht der Unternehmensberatung Team Consult zeigt, dass 13 Speicher die gesetzlichen Füllstandsvorgaben zum 1. November schon erreicht haben. Die meisten Speicher können die Vorgaben noch einhalten, wenn bis Oktober täglich im Durchschnitt 75 Prozent der technischen Einspeicherleistung genutzt werden. In den letzten sieben Tagen lag aber der durchschnittliche Tageswert für alle deutschen Speicher niedriger. Für die bayrischen Speicher Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg ist der gesetzlich vorgegebene Füllstand von 80 Prozent technisch nicht mehr erreichbar. /hl

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