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Wie die Stadtwerke Jülich den Rollout in Rekordzeit stemmten

Jülich (energate) - Die Stadtwerke Jülich haben ihre Rolloutziele bei den Pflichteinbaufällen innerhalb von nur drei Monaten von null auf 74 Prozent gesteigert. Dies gelang durch gute Vorplanung, wie Teamleiter Mess- und Zählerwesen Michael Niedbal im Sommerinterview mit energate ausführte. So habe das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024 zunächst rund 2.000 Ferrariszähler turnusmäßig durch moderne Messeinrichtungen (mME) ersetzt."Im Rahmen dieser Einsätze haben wir gleichzeitig den Empfangspegel aller drei Mobilfunkprovider gemessen und ausgewertet", erklärte Niedbal. So habe sich das Unternehmen einen Überblick darüber verschafft, ob an den jeweiligen Einbauorten überhaupt ein Provider mit ausreichender Mobilfunkversorgung verfügbar ist. Die Empfangsqualität war in der Regel gut, sodass die Stadtwerke auf dieser Grundlage den späteren Gateway-Rollout verlässlich planen konnten. Der eigentliche Einbau der Smart-Meter-Gateways sei dann im letzten Quartal 2025 erfolgt.

 

Viele Stadtwerke - so auch die in Jülich - erkennen mittlerweile auch den Vorteil von Smart Metering für ihr Unternehmen. "Intelligente Messsysteme haben eine wichtige Funktion für die Digitalisierung des Stromnetzes", sagte Geschäftsführer Ulf Kamburg im Interview mit energate. Sein Mitarbeiter Niedbal nannte ein Beispiel. So steige die Anzahl der Wallboxen. Betreiber müssten diese zwar melden, täten dies aber häufig nicht. "Mit dem fortschreitenden Smart-Meter-Rollout erwarten wir, solche bislang nicht angemeldeten Anlagen anhand der Smart-Meter-Daten künftig besser identifizieren zu können", so Niedbal. Das ist aber anspruchsvoll, wie Geschäftsführer Kamburg aufzeigte. Denn es gehe nicht nur darum, die Daten zu sammeln. Kamburg stellte klar: "Die Kunst ist, hinterher die Daten sinnvoll zu strukturieren, zu analysieren und daraus die entsprechenden Schlüsse für den Netzausbau, die Ertüchtigung von Gebieten und für Entlastungsmaßnahmen zu finden."

 

Wenig Nachfrage nach dynamischen Tarifen

 

Über die Sinnhaftigkeit des Smart-Meter-Rollouts waren sich auch die Diskutanten des energate-Webtalks "Smart Metering im Fokus - Neue Impulse für den Rollout?" einig. Neben dem Nutzen für das Netz nannten die Diskutanten dabei auch die Bereitstellung plausibler und vollständiger Daten für den Vertrieb. Alexander Vogt, Head of Metering Services bei Lichtblick, erklärte zudem, die Zählerdaten stellten die Basis für Produkte wie dynamische Tarife dar.

 

Für Stadtwerke-Jülich-Geschäftsführer Kamburg ist dies aktuell allerdings kein attraktives Geschäftsmodell: "Wir nehmen bislang nur ein sehr verhaltenes Kundeninteresse an dynamischen Stromtarifen wahr." Er verwies zudem darauf, dass vielen dynamischen Stromtarifen, die aktuell auf dem Markt seien, die Anbindung an die Börsenstrompreise fehle. "Da wird den Kunden nur etwas vorgegaukelt", so Kamburg. Es müsse sich zudem erst zeigen, "ob die immensen Einsparungen, die manche Anbieter versprechen, sich tatsächlich realisieren lassen".

 

Steuerrollout hängt an Geräten

 

Ende 2026 droht die nächste Frist: Bis dahin müssen alle grundzuständigen Messstellenbetreiber die seit Februar 2025 ans Netz genommenen, kleineren steuerbaren Anlagen mit Smart Metern ausstatten. Diese Frist werden die Stadtwerke aber voraussichtlich reißen, wie aus den Ausführungen des Smart-Metering-Experten Niedbal klar wurde. So können die Stadtwerke die Steuerboxen erst seit ein paar Monaten bestellen. Zunächst evaluierten die Stadtwerke nun erst einmal die Software, "denn diese ist die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt die Steuerboxen bestellen und anschließend einbauen können". Die Auswahl des Lieferanten werde dann voraussichtlich noch in diesem Quartal geschehen. "Erhalten werden wir die Boxen aber voraussichtlich frühestens im Frühjahr 2027", gab Niedbal einen Einblick. Denn die großen Messstellenbetreiber hätten größere Stückzahlen bestellt. "Da stehen die kleinen Stadtwerke hintenan."

 

Stadtwerke erwarten keine Vorteile durch Smart Meter light

 

Überdies hat die Bundesregierung angekündigt, das Rolloutziel um zwei Jahre auf 2030 vorzuziehen. Bislang war vorgesehen, dass 90 Prozent der Leistung bei den Pflichteinbauten bis 2032 durch Smart Meter erfasst werden müssen. Die Stadtwerke Jülich rechnen zwar damit, den Vollrollout bei den Pflichteinbauten bis 2028 gestemmt zu haben. Trotzdem sehen sie die Fristverschärfung kritisch. Die Kosten für Geräte und Dienstleister würden in der Folge steigen, so die Befürchtung.

 

Eine weitere Verschärfung könnte zudem vonseiten der EU kommen. Diese plant aktuell eine Rolloutquote von 50 Prozent bis 2030 unter allen Anschlussnehmern sowie in einem zweiten Schritt eine Quote von 75 Prozent. Um den Messstellenbetreibern mehr Spielraum bei der Wahl der Geräte zu lassen, plant die Bundesregierung, für derzeit optionale Einbauten auch intelligente Zähler ohne Steuerungsmöglichkeit - sogenannte Smart Meter light - zuzulassen. Wie diese Geräte aussehen könnten, hat die Smart-Meter-Initiative in einem entsprechenden Papier erörtert. Klar ist aber: Auch die Einführung von Smart Metern light bräuchte Zeit, eine Soforthilfemaßnahme stellen die Geräte nicht dar.

 

Stadtwerke-Jülich-Geschäftsführer Kamburg erteilte den Smart Metern light ohnehin eine Absage. Die Stadtwerke würden höchstwahrscheinlich den eingeschlagenen Weg weitergehen. "Wir wissen jetzt aufgrund der guten Erfahrung, was technisch funktioniert", so Kamburg. Ein anderes technisches System brächte auch wieder andere technische Implikationen. Sein Fazit: "Smart Meter light würden bei uns voraussichtlich zu Doppelstrukturen führen - und damit zu Doppelkosten." /sd

 

Das komplette Interview mit den Stadtwerken Jülich lesen Sie im Add-on Strom. Weitere Interviews der energate-Sommerserie "Politik trifft Praxis" finden Sie hier.

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