Unterschiedliche Erfahrungen mit dynamischen Ladesäulen-Preisen
Hamburg/München (energate) - Vor einem Jahr kündigten die Anbieter Mer und Shell erstmals dynamische Ladesäulenpreise an. energate hat nachgefragt, was aus den beiden Pilotprojekten geworden ist. Bei Mer läuft der Test derzeit in Deutschland und Österreich noch. Um die dynamischen, nachfrageorientierten Ladetarife zu nutzen, benötigen die Kunden eine App des Dienstleisters für Zahlungslösungen, Cariga. Anders als viele andere dynamische Tarife ist der Tarif von Mer nicht abhängig von den Börsenstrompreisen, sondern variiert in Abhängigkeit von der Nachfrage.
"Ziel ist es, die Auslastung insbesondere an weniger frequentierten Ladepunkten durch eine bedarfsgerechte Preisgestaltung zu erhöhen", erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage. Erste Auswertungen zeigten positive Effekte: So stieg die Anzahl der Ladevorgänge innerhalb von zwei Wochen nach Start an den einbezogenen Standorten um das 3,1-Fache. Über einen Zeitraum von drei Monaten lag die Zahl der Ladevorgänge sogar beim 5,3-Fachen des ursprünglichen Niveaus. Parallel dazu erhöhten sich die abgegebene Energiemenge um das 5,7-Fache und die Umsätze um das 4,7-Fache.
Shell hat Projekt abgeschlossen und beobachtet den Markt
Ebenso wie Mer erklärte auch Shell, die Tarife würden von den Kunden gut angenommen. Das Projekt des Unternehmens ist aber mittlerweile abgeschlossen - es lief über die zweite Jahreshälfte 2025. Bei der Dynamik der Preise nahm Shell die Schwankungen an der Börse als Grundlage. Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben mit zunehmender Marktentwicklung grundsätzlich Potenzial für dynamische Ladestromtarife, setzte das Projekt jedoch zunächst nicht fort. Der Markt für solche Modelle befinde sich derzeit noch in einer frühen Entwicklungsphase, hieß es zur Begründung.
Das Kundenfeedback sei zwar positiv gewesen, ordnete eine Sprecherin ein, aber: "Heute laden die meisten Kundinnen und Kunden dann, wenn sie Energie benötigen, und nicht primär in Abhängigkeit vom Preis." Shell werde die Entwicklung dynamischer Fahrstromtarife daher zunächst aufmerksam beobachten. Für eine breite Akzeptanz und Wirkung sei es aus Sicht des Unternehmens zudem entscheidend, dass entsprechende Angebote über das gesamte E-Mobilitätsökosystem hinweg nutzbar seien und von verschiedenen Mobility Service Providern unterstützt würden. /sd