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Umstrittenes Gesetz zur Grüngasquote wirft Praxisfragen auf

Essen (energate) - Die Branche wartet mit Spannung auf die Ausgestaltung der Grüngasquote in einem eigenen Gesetz. Die Bundesregierung muss dieses bis zum 1. Dezember vorlegen, so sieht es das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vor. Mit entsprechendem Hochdruck feilt das Bundeswirtschaftsministerium derzeit hinter verschlossenen Türen an den Formulierungen. Bisweilen seien noch keine Details nach außen gedrungen, vermutlich auch, weil das GModG eine so emotionale Diskussion ausgelöst hatte. Dies berichteten die drei Panelisten des energate-Talks "Die Grüngasquote kommt - das Design entscheidet?".

 

Dabei hoffen die Marktteilnehmer auf eine einfache, klare Ausgestaltung der Quote. Gewisse offene Punkte müsse das Gesetz aber dennoch ausdefinieren. "Wer oder was ist überhaupt ein Inverkehrbringer", fragte beispielsweise Christoph Reißfelder, Vice President Political Affairs beim Essener Energiekonzern Eon. Auch die entsprechenden Konsequenzen bei Nichterbringung sind für ihn ein wichtiges Thema, das zu klären ist. "Ich darf nicht pönalisiert werden, wenn einfach die physische Verfügbarkeit der Moleküle nicht gegeben sein sollte", forderte der Eon-Vertreter.

 

Konzept stammt aus SPD-Kreisen

 

Die sogenannte Grüngasquote geistert als Idee schon seit 2023 durch die Branche, das Konzept kommt ursprünglich aus SPD‑Kreisen. Konkret lässt sich die Idee zurückführen auf Andreas Rimkus, damals Wasserstoffbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion und mittlerweile Präsident des BKWK, und Bengt Bergt, damals energiepolitischer Sprecher der SPD und heute in den Diensten des Branchenverbands die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. Diese Quote kommt im Zuge des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das seinerseits eine Biotreppe für Heizungsbesitzer vorschreibt.  

 

Die Pflicht spaltet die Branche aktuell in zwei Teile. Die einen hoffen auf den langersehnten Durchbruch für Biomethan, weil die Quote für eine verlässliche Nachfrage sorgen und damit Investitionen in Produktion und Infrastruktur anreizen könnte. Die anderen befürchten hohe Kosten und Fehlanreize im Markt - vor allem, wenn grüne Gase weiterhin ein knappes Gut bleiben. Zu der zweiten Gruppe gehört auch Eon. Der Energiekonzern warnt einerseits vor explodierenden Netzkosten durch die Vielzahl neuer Biomethananlagen, die ans Gasnetz drängen könnten. Andererseits befürchtet das Unternehmen ein Ausbremsen der Wärmepumpen und Fernwärme. Gemeinsam mit dem Regionalversorger EWE und Umweltschützern hat der Konzern im Sommer ein Positionspapier unterzeichnet, das sich klar gegen die Grüngasquote positioniert und in der Energiebranche für Aufsehen gesorgt hat. 

 

Es braucht Lösungen für das Netzanschlussproblem

 

Die Problematik der Netzkosten sei den Erzeugern durchaus bewusst, erläuterte Jörg Selbach-Röntgen, Geschäftsführer des  Münsteraner Biomethanproduzenten Biogeen. "Es geht uns nicht darum, x kleine Anlagen ans Netz zu bringen, sondern diejenigen, die sich wirklich lohnen, auf eine entsprechende Größe für Skalierbarkeit zu bringen", sagte er. Auch beim Thema Netzanschluss arbeite das Unternehmen an neuen Konzepten. Denkbar sei etwa, die Kosten für den Netzanschluss als Betreiber zu übernehmen und den Bau "unter Anleitung" selbst durchzuführen. Eine weitere Idee könnten sogenannte FCAs, also flexible Netzanschlussvereinbarungen - bekannt vor allem im Zusammenhang mit Batteriespeichern - für Biogasanlagen sein. Eon prüfe derzeit entsprechende Optionen für solche innovativen Konzepte, verriet Reißfelder.

 

Hilfreich sei eine strukturiertere Planung, wo künftig Biomethan-Eignungsgebiete entstehen könnten, forderte Grüngasquoten-Gründungsvater Bengt Bergt beim energate-Talk. Denn der regionale Bezug sei beim Biomethan wichtig, Substrate ließen sich eben nicht "ewig transportieren". Ein gutes Beispiel, wie dies gelingen könnte, zeige der Blick nach Frankreich. Das Nachbarland hat in einem Top-down-Ansatz eine Art Biomethan-Kataster aufgestellt.

 

"Mengen können uns nicht schocken oder stressen"

 

Bisweilen ist lediglich bekannt, dass der Startwert der Quote im Jahr 2028 bei 1 Prozent liegen soll. Kolportiert ist zudem ein Wert von 10 Prozent für Mitte der 2030er Jahre. Die drei Panelisten des Webtalks waren sich einig, dass eine solche Größenordnung kein Problem darstellen sollte. Aktuell benötige der Gebäudesektor 240 TWh Erdgas. "Ein Prozent kann man sich dann ausrechnen, das sind überschaubare Mengen", führte Gaslobbyist Bergt hierzu aus. Biogeen-Chef Selbach-Röntgen sah das ähnlich: "Das kann uns nicht schocken, geschweige denn stressen", sagte er. Er halte dies ganz im Gegenteil für mehr als realistisch und machbar, ähnlich hatte sich Selbach-Röntgen auch zuvor schon im energate-Interview geäußert. Allerdings brauche es dafür nun möglichst schnell "einen klaren Fahrplan, über welchen Hochlauf wir sprechen". Das gelte für Produzenten, denn Anlagen sind nicht über Nacht gebaut, aber eben auch für die Abnehmerseite.

 

Wie entsteht ein liquider Markt?

 

Zu denen gehören etwa Stadtwerke und Lieferanten, die schon begonnen haben, sich mit dem Thema Biomethanbeschaffung zu beschäftigen. Aber eben auch der Energiekonzern Eon, der für seine Kunden Festpreise anbietet und das Risiko einkalkulieren muss. Wichtig sei daher, in einem ersten Schritt abschätzen zu können, wie groß der Markt überhaupt ist, in dem das Unternehmen beschaffen kann. "Ich brauche schnell einen liquiden Markt, in dem ich auch das Beschaffungs- und Kostenrisiko hedgen kann", sagte Reißfelder dazu. Dies sei jetzt schon möglich, betonte Selbach-Röntgen, etwa über ein BPA, ein sogenanntes "Buy Methane Purchase Agreement", könnten Unternehmen einen festen Preis für das grüne Gas einloggen. Den Kunden rät er auch, sich "frühzeitig anteilig Scheiben ins Portfolio zu legen" und über langfristige Fixpreisverträge abzusichern, anstatt bis zum Erfüllungszeitraum zu warten.

 

Einig waren sich die Panelisten auch darin, dass ein liquider Biomethanmarkt nicht über Nacht entstehe. Um dies zu erreichen, gelte es vor allem noch, bürokratische Hürden abzubauen, etwa bei Herkunftsnachweisen und Registersystemen. Ein Beispiel, das die Komplexität des Systems verdeutlicht: In Deutschland gibt es 58 Arten von Biomethan. "In Dänemark sind es drei", so Bergt. Hier wünschten sich alle drei Panelisten einen pragmatischen Ansatz - und kein "Totregulieren". /ml

 

Den gesamten energate-Talk "Die Grüngasquote kommt - das Design entscheidet?" können Sie sich hier nachträglich anschauen. 

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