Total Energies sieht Übernahmechancen im Projektierermarkt
Hamburg/Berlin (energate) - Total Energies will von einer sich anbahnenden Konsolidierungswelle im Markt der deutschen Erneuerbaren-Projektentwickler profitieren. Der Konzern beobachte den Markt kontinuierlich und prüfe mögliche Zukäufe, sagte Alexandre Duret-Proux, Leiter Integrated Power Germany bei Total Energies, im Doppelinterview mit energate. Deutschland bleibe ein Schwerpunktmarkt. Total Energies hatte hierzulande den Projektentwickler VSB, den Flexibilitätsvermarkter Quadra Energy und den Speicherentwickler Kyon Energy übernommen und jüngst unter der neuen Organisationseinheit "Integrated Power Germany" zusammengefasst.
Viele Projektierer stünden aufgrund sinkender EEG-Zuschlagswerte und anspruchsvoller Finanzierungsbedingungen unter Druck, erläuterte Thomas Winkler, Deutschland-Geschäftsführer von VSB im Gespräch. Besonders die zuletzt deutlich gesunkenen Zuschlagswerte in den Onshore-Windausschreibungen verschärften die Situation. Gleichzeitig stiegen Kosten für Anlagen, Bauleistungen und Finanzierung. Viele Vorhaben könnten sich künftig nicht mehr allein über die EEG-Förderung wirtschaftlich tragen.
Branchenvertreter berichten, dass Projekte unter diesen Bedingungen teilweise nicht mehr wirtschaftlich umgesetzt werden können. Der zunehmende Preisdruck könnte zu einer Konsolidierung der Branche führen, bei der vor allem kapitalstarke Unternehmen Wettbewerbsvorteile haben. Erste Konsolidierungstendenzen im Erneuerbarenmarkt sind bereits sichtbar.
Mehrere etablierte Projektierer wie PNE, Juwi und Abo Energy haben zuletzt Spar- und Restrukturierungsprogramme aufgelegt, während mit Sowitec ein langjähriger Marktakteur Insolvenz anmelden musste. Zudem stehen vermehrt Projekte zum Verkauf, wie aus der Branche zu hören ist.
Langfristige Profitabilität entscheidend
Total Energies will von dieser Entwicklung profitieren und gegebenenfalls weitere Projektentwicklungsunternehmen zukaufen. Der Konzern werde weiter investieren und wachsen, so Duret-Proux. Dafür beobachte das Unternehmen den Markt kontinuierlich und prüfe mögliche Chancen. Entscheidend sei jedoch nicht reines Wachstum, sondern langfristige Profitabilität. Daher setze Total Energies auf ein integriertes Geschäftsmodell. Erneuerbare Energien, Batteriespeicher, Stromhandel, Aggregation und PPAs sollen enger miteinander verzahnt werden. Die Kombination verschiedener Geschäftsfelder erhöhe die Widerstandsfähigkeit des Geschäfts und verbessere die Ertragschancen.
Bedeutung von PPAs wächst
Winkler erwartet zudem, dass die Bedeutung von Stromabnahmeverträgen, sogenannten PPAs, außerhalb des EEG-Fördersystems weiter zunimmt. Die niedrigen Ausschreibungspreise machten alternative Vermarktungswege immer wichtiger. Dafür seien Marktkenntnisse und starke Vermarktungspartner erforderlich. Kritiker fürchten hingegen dass die vorgesehene Umstellung der EEG-Förderung auf Differenzverträge (CfDs) den marktlichen Erneuerbarenausbau über PPAs spürbar ausbremsen wird. Auch Energiepolitiker wähnen den PPA-Markt vor hohen Hürden.
Keine Aussage zur Teilnahme an Offshore-Auktionen
Einen Schwerpunkt sieht Total Energies weiterhin im Offshore-Windmarkt. Die Frage nach dem künftigen Engagement des Konzerns stellt sich auch vor dem Hintergrund der Debatte über eine mögliche Rückgabe deutscher Offshore-Projekte. Duret-Proux wies Zweifel an den Ausbauambitionen des Unternehmens jedoch zurück. "Deutschland ist für uns ein Kernmarkt und der größte Strommarkt Europas", sagte er. Offshore-Wind bleibe ein wichtiger Bestandteil der Energiewende, auch wenn das Segment derzeit vor Herausforderungen stehe. Ob sich Total Energies an künftigen Offshore-Ausschreibungen in Deutschland beteiligen wird, ließ Duret-Proux allerdings offen.
Den Ausbau seines Onshore-Geschäfts treibt das Unternehmen hingegen voran. Bis 2030 will es nach Angaben von Duret-Proux drei GW neue Projekte entwickeln. Langfristig setze Total Energies auf ein integriertes Modell aus Erneuerbaren, Batteriespeichern, Flexibilität und Stromvermarktung.
Gegen Redispatch und Pachtobergrenze
Kritisch bewerten die Gesprächspartner mehrere aktuelle energiepolitische Vorhaben. Winkler warnte insbesondere vor zusätzlichen Risiken durch den geplanten Redispatch-Vorbehalt im Netzanschlusspaket. Die vorgesehenen Regelungen könnten die Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit neuer Projekte beeinträchtigen, Unsicherheiten erhöhen und den Ausbau der Erneuerbaren verlangsamen. Auch die Pachtobergrenze sieht das Unternehmen kritisch. Duret-Proux forderte stabile regulatorische Rahmenbedingungen. Häufige Regeländerungen könnten Investitionen gefährden und den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen. "Deutschland war beim Ausbau von Onshore-Erneuerbaren und Batteriespeichern bislang erfolgreich", sagte Duret-Proux. Und weiter: "Anpassungen sind möglich, sollten aber mit Augenmaß erfolgen."
Das vollständige Interview mit Alexandre Duret-Proux und Thomas Winkler lesen Sie im Add-on Strom.