Total Energies prüft Rückzug aus Offshore-Projekt
Berlin (energate) - Jetzt also doch: Total Energies prüft die Rückgabe der Konzession für das Offshore-Windenergie-Projekt Nordsee Energies 2 mit 1,5 GW. Hintergrund sind nach Unternehmensangaben Verzögerungen und Unsicherheiten beim Netzanschluss. Medienberichte hatten zuletzt Zweifel am Engagement von Total Energies genährt. Das Unternehmen widersprach diesem Eindruck jedoch noch Ende Mai gegenüber energate.
Der Konzern leitete bereits im Juni 2025 eine strategische Überprüfung seiner Offshore‑Windkonzessionen ein, die zwischen 2023 und 2025 erworben worden waren. Auslöser waren nach Unternehmensangaben sowohl die veränderten Marktbedingungen als auch längere Verzögerungen bei den von Übertragungsnetzbetreibern angekündigten Zeitplänen für den Stromnetzanschluss.
Im Zuge dieser Überprüfung nahm Total Energies laut Mitteilung Gespräche mit deutschen Behörden auf, um Bedingungen für eine mögliche Rückgabe der Konzession für das Projekt Nordsee Energies 2 (NSE2) zu klären. Diese Gespräche blieben jedoch bislang ohne Ergebnis. Konkreter wollte sich eine Sprecherin auf Anfrage dazu nicht äußern.
Wind-auf-See-Gesetz schließt Rückgabe von Zuschlägen aus
Die Bundesnetzagentur erklärte gegenüber energate, Total Energies habe sich zu einer Rückgabe von Zuschlägen aus Offshore-Ausschreibungen bisher nicht geäußert. Nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz sei dies grundsätzlich ausgeschlossen. "Eine Ausnahme zur Rückgabe von Zuschlägen durch Bieter ohne Pönale ist nur möglich, wenn sich ein Projekt im Planfeststellungsverfahren oder im Genehmigungsverfahren aus Gründen verzögert oder verteuert, die der Vorhabenträger nicht zu vertreten hat", erläuterte die Behörde. Für die Ausweisung der Flächen ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie zuständig.
Total Energies will Entschädigung
Parallel verfolgt Total Energies nach eigenen Angaben weitere Schritte, um eine Entschädigung für die Auswirkungen der Verzögerungen und Unsicherheiten beim Netzanschluss zu erreichen. Diese hätten das Projekt NSE2 beeinträchtigt. Die Sprecherin wollte zu möglichen Schritten keine näheren Angaben machen, also etwa, ob das Unternehmen den Klageweg beschreiten will. Zuständig für den Netzanschluss ist der Übertragungsnetzbetreiber Tennet. Um seine Rechte zu sichern, hat Total Energies dennoch den Genehmigungsantrag für das Projekt eingereicht und zugleich die erste vertraglich vereinbarte Zahlung in Höhe von zehn Prozent geleistet.
Der zuständige Netzbetreiber Tennet erläuterte auf Anfrage, dass laut Gesetz Offshore-Windprojekte spätestens 36 Monate vor Inbetriebnahme einen verbindlichen Termin für den Netzanschluss erhalten - und damit rechtzeitig vor ihrer finalen Investitionsentscheidung. Bei NSE2 werde dies erst im vierten Quartal 2028 erreicht sein. Bis dahin müsse sich der Windpark gemäß dem Wind-See-Gesetz auf einen möglicherweise veränderten Anschlusszeitpunkt einstellen. Und auch erst nach der Erklärung des verbindlichen Fertigstellungstermins würden die im § 17e EnWG vorgesehenen Entschädigungen greifen. "Offshore-Wind bleibt wirtschaftlich und systemisch herausfordernd - das betrifft aktuell mehrere Projekte am Markt", betont Tennet.
Branchendebatte über Flächenrückgabe
Die Entwicklung steht im Kontext einer breiteren Branchendebatte über den Umgang mit wirtschaftlich unsicheren Offshore‑Projekten. Vertreter der Branche fordern derzeit gesetzliche Regelungen, um nicht realisierbare Projekte zurückgeben und Flächen neu ausschreiben zu können. Hintergrund sind wachsende Risiken durch steigende Kosten, verzögerte Netzanbindungen und unsichere Marktbedingungen. Schätzungen zufolge könnten deutschlandweit Projekte mit einer Leistung von bis zu 16 GW betroffen sein. Als treibende Kraft hinter diesen Forderungen stehen wohl auch Total Energies und BP, die für die Sicherung von Offshore-Flächen Milliardenbeträge zahlten.
Abgesehen vom Projekt Nordsee Energie 2 hält Total Energies nach eigenen Angaben an der Entwicklung seiner übrigen Offshore‑Windkonzessionen fest. Das Projekt NSE2 liegt rund 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland auf der Fläche N‑11.2 und verfügt über eine geplante Leistung von 1,5 GW. Die Fläche umfasst etwa 156 Quadratkilometer. Total Energies hatte die Entwicklungsrechte für das Projekt 2024 über ein dynamisches Gebotsverfahren bei der Bundesnetzagentur für rund 2 Mrd. Euro erhalten. Es gehört somit nicht zu den Flächen, für die das Unternehmen eine Rekordsumme hinlegte. /mh