Thüga-Ausstieg: Enercity bricht Verhandlungen ab
Hannover (energate) - Der Ausstieg des Energieversorgers Enercity aus dem Stadtwerkeverbund Thüga kommt nicht wie geplant zustande. Der Hannoveraner Versorger hat die laufenden Verhandlungen abgebrochen. Trotz langer Gespräche seien "wesentliche Voraussetzungen für den Vollzug der gemeinsam angekündigten Transaktion gegenwärtig nicht gegeben", teilte das Unternehmen mit. Zwar hätten inzwischen zahlreiche Gremien dem Vorhaben zugestimmt, dennoch lägen nicht alle für die Umsetzung erforderlichen Voraussetzungen vor. Eine solche Transaktion könne nur gelingen, "wenn alle Beteiligten die notwendigen Schritte verbindlich und verlässlich mittragen. Das ist derzeit nicht gegeben", erklärte Enercity-Vorstandsvorsitzende Aurelie Alemany. Daher müsse die geplante Entflechtung "in der geplanten Struktur als gescheitert bezeichnet werden", so Alemany.
Frust und Unverständnis in Hannover
Detaillierter ging Enercity nicht auf die Gründe ein. Eine Stellungnahme, die über die Pressemitteilung hinausgeht, lehnte das Unternehmen ab. Nach energate-Informationen war aber zuletzt der Frust und das Unverständnis auf Hannoveraner Seite über die schleppenden Verhandlungen gewachsen, von einer "Hinhaltetaktik" war die Rede. Dem Vernehmen nach sind insbesondere dem Kreise der Kom9, einem der wesentlichen kommunalen Anteilseigner von Thüga, die Widerstände zuzuordnen. Kom9 ist als Beteiligungskonsortium von mittlerweile mehr als 40 kommunalen Energieversorgern der größte Einzelaktionär (38 %) der Thüga. Die Thüga wollte sich auf Anfrage von energate nicht zu dem Sachverhalt äußern. Dies sei ein Thema der Gesellschafter, erläuterte ein Unternehmenssprecher.
Mainova: Vertrauen in die Stärke der Thüga ungebrochen
Ein solcher Gesellschafter ist die Mainova. Der Frankfurter Regionalversorger war zwischenzeitlich auch als ein möglicher alleiniger Abnehmer der Enercity-Anteile an der Thüga gehandelt worden. Die Hannoveraner gehören mit 21 Prozent aller Thüga-Anteile zu den größten Anteilseignern der Stadtwerkekooperation. Die jetzt beerdigten Entflechtungspläne sahen allerdings eine Aufteilung dieses Aktienpakets zwischen den Gesellschaftern vor. Zugleich sollte die Stadt Hannover den von der Thüga gehaltenen Enercity-Anteil übernehmen und damit alleiniger Gesellschafter werden. Dass das Scheitern das langjährige Bündnis hinter der Thüga beschädigen könnte, hält das Mainova-Management für unwahrscheinlich: "Dass der Prozess nicht weiterverfolgt wird, ändert nichts an unserem Vertrauen in die Stärke und Zukunftsfähigkeit der Thüga", erklärte das Unternehmen auf Nachfrage. Auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gesellschafterkreis bleibe unverändert.
Der Umsetzung des Thüga-Exits von Enercity stand die Mainova nach eigenem Bekunden nicht im Wege, betonte ein Unternehmenssprecher. Der Regionalversorger habe den Prozess "konstruktiv, verantwortungsvoll und lösungsorientiert begleitet". Dass letztlich nicht alle Gesellschafter zustimmten, gelte es zu respektieren.
Enercity: "Strategische Optionen neu bewerten"
Seit gut 14 Jahren ist die Enercity einer der prägenden Akteure im Thüga-Umfeld. Das Unternehmen hatte zuletzt aber eine Loslösung aus der Allianz angestrebt, da der Versorger in der Thüga-Beteiligung keinen strategischen Mehrwert mehr sieht. Zugleich fallen die Entflechtungsgedanken in eine Zeit, da Enercity einen Fokus auf den Kohleausstieg und die Wärmewende Hannovers legt - milliardenschwere Transformationsaufgaben. Nachdem sich die Verhandlungen zum Thüga-Ausstieg zuletzt gezogen hatten, zieht Enercity nun die Reißleine und stoppt die Gespräche. Das Ziel einer vollständigen Entflechtung sei damit jedoch nicht ad acta gelegt, betonte das Unternehmen. "Mit Blick auf 2030 werden wir die strategischen Optionen neu bewerten", sagte Enercity-Chefin Alemany. /rb/pa