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THE wird für nationale Speicherreserve verantwortlich

Berlin (energate) - Trading Hub Europe (THE) wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) Speicherkapazitäten für die geplante nationale Gasreserve buchen. Der Marktgebietsverantwortliche übernimmt zudem die Befüllung der Arbeitsgaskapazitäten von insgesamt 24 TWh. Dies bestätigten mit den Plänen vertraute Kreise. Das Konzept wurde am 8. Juli zunächst den Bundesländern vorgestellt. Am Nachmittag informiert das Ministerium zudem die betroffenen Branchenverbände bei einer Präsenzveranstaltung in Berlin.

 

Die nationale Reserve soll im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) kodifiziert werden und die bisherigen gesetzlichen Füllstandsvorgaben ablösen, die damit entfallen würden. Die benötigten Speicherkapazitäten sollen ausgeschrieben werden; teilnehmen können sämtliche Speicherbetreiber. Geplant ist eine gleichmäßige Verteilung der Reserve auf die drei Speicherzonen Nordwest, Nordost und Süd, die weitgehend den Regelenergiezonen von THE entsprechen. Ausgeschrieben werden unterschiedliche Speicherprodukte mit verschiedenen Laufzeiten, um Kapazitäten sowohl in Kavernen- als auch in Porenspeichern zu kontrahieren. Während die einzelnen Produkte zeitlich befristet sind, ist die Reserve selbst auf Dauer angelegt. Über die Produktgestaltung soll ihr Umfang künftig an einen sinkenden Erdgasbedarf angepasst werden können.

 

BNetzA entscheidet im Krisenfall

 

Nach Angaben aus dem Ministeriumsumfeld soll die Reserve grundsätzlich so lange vorgehalten werden, wie Erdgas in Deutschland genutzt wird. Ein Abruf der Reserve ist ausschließlich für außergewöhnliche Krisensituationen vorgesehen. Darüber entscheidet die Bundesnetzagentur (BNetzA) in ihrer Funktion als Bundeslastverteiler. Der vollständige Aufbau der Reserve soll nach derzeitigen Planungen bis Ende 2029 abgeschlossen sein. Details zur Befüllungsstrategie werden bewusst nicht veröffentlicht. Ziel sei es, Spekulationen gegen THE beziehungsweise die Bundesrepublik zu verhindern. "Der Aufbau soll möglichst marktschonend und kostengünstig erfolgen", sagte eine mit den Plänen vertraute Quelle.

 

Neue Umlage dürfte umstritten sein

 

Finanziert werden soll der Aufbau der Reserve zunächst über Kredite. Die Refinanzierung erfolgt anschließend über eine neue Umlage, die auf alle inländischen Ausspeisepunkte zu Endverbrauchern erhoben werden soll. Eine Belastung von Grenzübergangspunkten ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Als Orientierung für die Höhe der Umlage nannte eine Sprecherin des BMWE gegenüber energate in einer E-Mail einen Wert zwischen 0,29 und 0,36 Euro/MWh. Diese Größenordnung wurde nach Informationen von energate auch den Ländern und Verbänden kommuniziert. Das Ministerium rechnet damit, dass die Umlage mit fortschreitender Kreditrückführung und sinkenden Zinskosten zurückgehen wird.

 

Das Bundeskabinett soll die neuen Regelungen am 12. August beschließen. Sie sollen zum Jahresende in Kraft treten. Erste Ausschreibungen für Speicherkapazitäten könnten bereits im Winter 2026/27 erfolgen. Mit Kritik an der Umlagefinanzierung wird jedoch gerechnet. "Es wird wohl einen Shitstorm geben", kommentierte ein Vertreter eines Energieversorgers die Pläne. VIK-Hauptgeschäftsführer Christian Seyfert begrüßte zwar die Speicherreserve als möglichen Beitrag zur Versorgungssicherheit, lehnte die Finanzierung über eine Umlage jedoch ab. "Die Finanzierung sollte aus dem Bundeshaushalt getragen werden", sagte er zu energate.

 

Gaspreise reagieren auf Eskalation im Iran-Konflikt

 

Das BMWE betont, dass die Einführung der Reserve nicht durch die aktuelle Versorgungslage motiviert sei. "Die Versorgungslage mit Gas in Deutschland ist derzeit gut. Die Speicher füllen sich planmäßig und die Wintervorsorge des Marktes funktioniert", erklärte die Ministeriumssprecherin gegenüber energate. Die strategische Gasreserve diene vielmehr dazu, die Vorsorge für außergewöhnliche geopolitische Krisen zu stärken und die langfristige Resilienz Deutschlands zu erhöhen. Der Füllstand der deutschen Gasspeicher liegt derzeit bei 43,1 Prozent.

 

Gleichzeitig reagierten die Gasmärkte auf die jüngste Eskalation im Konflikt mit dem Iran. Der Day-Ahead-Preis am THE Virtual Trading Point (VHP) näherte sich am Mittwochvormittag der Marke von 50 Euro/MWh. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump in Ankara erklärt, ein Friedensabkommen mit dem Iran sei hinfällig. Auslöser der Entwicklung war ein Angriff auf einen LNG-Tanker im Umfeld der Straße von Hormus, den der Iran am Vortag verübt haben soll. Die USA reagierten darauf mit Angriffen auf Ziele im Iran. Nach Angaben Trumps sollen die Verhandlungen dennoch fortgesetzt werden. /hl

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