Strompreise um mehr als 50 Prozent gestiegen
Bonn (energate) - In Deutschland wurde im dritten Quartal 2026 mehr Strom produziert und verbraucht als noch im Vorjahresquartal. Die hohen Gaspreise ließen den Großhandelsstrompreis im Quartalsvergleich um 51,7 Prozent auf 125,51 Euro/MWh steigen, wie die Bundesnetzagentur (BNetzA) auf ihrem Portal Smard mitteilte. Der Stromverbrauch im Q3/2026 betrug insgesamt 110,1 TWh. Das entspricht einem Anstieg von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Residuallast betrug 47,8 TWh, 15,8 Prozent weniger als in Q3/2025.
Die Einspeisung ins Netz stieg gegenüber dem Vergleichswert um elf Prozent auf 111,1 TWh. Wie bereits im Vorjahresquartal stammte der größte Anteil mit 31,5 TWh aus der Photovoltaik. Gleichzeitig war die PV-Einspeisung in bisher keinem dritten Quartal so stark. In jedem Monat des Quartals erreichte PV einen Höchstwert, der Juli 2026 stellte mit einer PV-Einspeisung von 12 TWh die bisher höchste monatliche Einspeisung aller Zeiten. Gründe waren der fortlaufende Ausbau sowie das außergewöhnlich sonnige Wetter, so die BNetzA. Auch die Winderzeugung, sowohl On- als auch Offshore, erreichte die höchsten Werte aller dritten Quartale. Die Offshore-Einspeisung stieg um 4 Prozent auf 5,9 TWh, die Onshore-Einspeisung stieg um 16,8 Prozent auf 24,9 TWh.
Die Einspeisung durch Erdgas sank um 8,1 Prozent auf 8,9 Prozent. Treiber der Entwicklung waren die um rund 91 Prozent gestiegenen Gasgroßhandelspreise gegenüber Q3/2025 als Folge des Nahostkonflikts, so die BNetzA. Die Gasgroßhandelspreise lagen im dritten Quartal 2026 durchschnittlich bei 64,10 Euro/MWh. Durch die hohen Preise fielen Gaskraftwerke in der Merit Order häufiger hinter Kohle zurück. Parallel dazu ist die Erzeugung aus Braun- und Steinkohle um 1,5 und 39,3 Prozent gestiegen.
Gaspreis beeinflusst Strompreisentwicklung
Die gestiegenen Gaspreise waren es, die auch den Strompreis steigen ließen. Der Großhandelspreis stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 51,7 Prozent auf 125,51 Euro/MWh, so die Behörde. Von den 8.832 Viertelstunden des Quartals wurden 675 negativ gehandelt. Im Q3/2025 waren es 544. Der niedrigste Preis des diesjährigen dritten Quartals lag allerdings bei -19,00 Euro/MWh und damit über den -61,08 Euro/MWh aus dem Vorjahresquartal. Die Viertelstunde von 19.45 bis 20.00 Uhr am 14. September wurde mit 740,01 Euro/MWh gehandelt. Zu dem Zeitpunkt gab es kaum Wind- und PV-Einspeisung. Die Netzlast lag bei 14,6 GWh, die Gesamterzeugung aber nur bei 10,3 MWh. Die Stromerzeugung kam deshalb aus Braunkohle und Erdgas, wodurch teurere Kraftwerke in der Merit Order preissetzend waren.
Importe gingen zurück
Deutschland hat im dritten Quartal 2026 insgesamt 15,8 TWh Strom importiert, 22,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 16,8 TWh exportiert, das entspricht einem Anstieg von 39,2 Prozent. Am meisten Strom wurde aus Dänemark importiert, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. Österreich (3 TWh) war mit weitem Abstand der größte Abnehmer deutschen Stroms. Besonders stark stieg der Export nach Frankreich: Dieser stieg um 209,2 Prozent auf 1,3 TWh. In Frankreich sind die Großhandelspreise außergewöhnlich stark gestiegen, so die BNetzA. Deshalb war es finanziell sinnvoller, deutschen Strom zu beziehen als noch im Vorjahresquartal. /sr