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Stadtwerke: Der Wettbewerb um Kapital wird härter

Hannover (energate) - Der milliardenschwere Kapitalbedarf für die Infrastrukturtransformation beschert Deutschlands Kommunalwirtschaft eine neue Konkurrenzsituation. Im ohnehin herausfordernden Ringen um die passende Finanzierung des Ausbaus der Verteilnetze und der kommunalen Wärmewende finden sich Stadtwerke in einem Wettbewerb, der absehbar härter werden wird. Das prognostizierte Thomas Kind, Key Account Manager für Sparkassenkonsortialgeschäft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei der jüngsten Finanzierungskonferenz des Branchenverbands VKU in Hannover. Der "fundamentale Kulturwandel" der Stadtwerke und ihrer Gesellschafter an der Schnittstelle zu den Kapital- und Kreditgebern sei bereits "mitten im Gang", so Kind.

 

In diesem neuen Konkurrenzkampf gehe es auch um Geschwindigkeit und Größe, gab er zu bedenken. Daher gelte es, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen, um Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Die richtige - und vor allem ganzheitliche - Transformations- und Finanzierungsplanung "ist das A und O", konstatierte der Experte. Damit könne es gelingen, dem neuen Konkurrenzkampf zu entgehen und dafür wieder für "einen Bankenwettbewerb" um die Finanzierung zu sorgen, "der Spaß macht", sagte der Bänker. Kinds Appell dazu: "Stellen Sie Transparenz über die Finanzierbarkeit Ihres Unternehmens her." Diese müsse möglichst stringent und angepasst auf die anvisierten Finanzinstrumente, die das Unternehmen nutzen will, dokumentiert werden, riet er: "Wenn sie intransparent sind oder wenn sie Lücken haben, dann wird es zäh." Passend dazu zeigte er auf, dass Geldhäuser wie die LBBW bei Finanzierungsanliegen durchaus anspruchsvolle Kriterien anlegen, etwa beim Verschuldungsgrad der Unternehmen. 

 

Eigenkapitalmodell aus Niedersachsen soll "Schule machen"

 

Die VKU-Konferenz am Stammsitz der Norddeutschen Landesbank (Nord LB) zeigte auch innovative Best-Practice-Beispiele, wie die 700 Mio. Euro schwere Eigenkapitalerhöhung der heimischen Enercity. Bei der Kapitalmaßnahme profitierte der Versorger der niedersächsischen Landeshauptstadt von einer Landesgesetzgebung, die in den Augen der KFW-Bank und des Bundeswirtschaftsministeriums bundesweit Schule machen sollte. Sowohl KFW-Bänkerin Eva Witt, die bei der Förderbank des Bundes den Bereich Individualfinanzierung und Öffentliche Kunden leitet, als auch BMWE-Referent Jan-Peter Klatt konstatierten dies einträchtig in ihren Redebeiträgen. Beide verwiesen auf die absehbar milliardenschwere Finanzierungslücke, mit der sich die Branche laut aktueller Studien konfrontiert sieht. 

 

Klatt umschrieb, die Kapitalmaßnahme bei Enercity in diesem Zusammenhang als Win-Win-Win-Konstellation: Zum einen bekomme das Stadtwerk kostengünstige Finanzierungskonditionen. Des Weiteren könne die Kommune einen positiven Beitrag zu den Kommunalfinanzen erwirtschaften. Schlussendlich könne dieses kostengünstige Modell auch die Energiepreise der Endverbraucher begrenzen, führte der Ministeriumsvertreter aus. Gleichwohl sei dies lediglich ein Finanzierungsbaustein von vielen. "Wir brauchen alle", betonte auch Enercity-CFO Marc Hansmann.

 

Überzeugungsarbeit bei Ministerien und der Kommunalaufsicht

 

Der Enercity-Vorstand wiederum machte deutlich, dass sein Unternehmen auf dem Weg zu der Eigenkapitalspritze durchaus mit Widerständen der Landespolitik und vonseiten der Kommunalaufsicht zu kämpfen hatte. "Die fanden es nicht so lustig, dass wir gleich 700 Mio. Euro wollten", berichtete er von langen und intensiven Gesprächen mit den Juristen der Aufsichtsbehörde. Überzeugungsarbeit musste der Enercity-Vorstand auch beim Landesinnenministerium leisten, wo es juristische Bedenken wegen Haftungsrisiken für den Fall einer Insolvenz von Enercity gab. Diese "sehr formal-juristischen" Einwände zeugten von "wenig kaufmännisch geprägtem Denken", wie es häufiger in Landesinnenministerien und bei Kommunalaufsichtsbehörden anzutreffen sei, kritisierte Hansmann.

 

Zahlreiche große wie kleine Stadtwerke behalten ihre Gewinne für ihre oftmals klammen Kommunen ein, sprich sie thesaurieren. Dies soll die Investitionsspielräume für die Infrastrukturtransformation erweitern. Dennoch reicht die Eigenkapitaldecke in aller Regel bei Weitem nicht aus. Die Rufe der Branche, hier mit neuen Finanzierungsprodukten und Förderprogrammen gegenzusteuern, sind inzwischen durchaus erhört worden, wie sich auf der Konferenz zeigte. Mehrere Banken stellten entsprechende Produkte vor.

 

Deutschland-Fonds vor wichtigem Weiterentwicklungsschritt

 

KFW‑Bereichsleiterin Eva Witt berichtete indes von der branchenweit mit Spannung erwarteten Weiterentwicklung des Deutschland-Fonds: Im Anschluss an ein jüngst veröffentlichtes Eckpunktepapier von Bund und Ländern, werde der Fonds voraussichtlich ab dem kommenden Jahr auch Mezzanine-Kapital für Energieinfrastrukturvorhaben bereitstellen, so Witt: "Wir hoffen, dass wir bis Ende des Jahres so weit sind, dass wir zusammen mit dem Bund in die Kommunikation gehen können, wie das Programm aussehen wird." Rückblickend auf das erste Jahr des Deutschland-Fonds berichtete sie von großem Interesse an der Förderung. Durchaus groß sei auch das Interesse privater Investoren, an Investments bei Stadtwerken, betonte sie. "Wir sehen allerdings, dass hier die Projekte fehlen", spielte sie den Ball der Branche zu.

 

VKU in Sorge um "innere Verfasstheit" Deutschlands

 

VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing räumte in seiner Keynote ein, dass an den Schnittstellen zwischen der Kommunalwirtschaft und dem Finanzmarkt mitunter Zurückhaltung und Verunsicherung vorherrschten. Dies hänge besonders an den großen laufenden politischen Reformen: Zentrale Entscheidungen zum EEG, zum EnWG oder auch zum KWKG seien überfällig, mahnte er. Generell sei die Verlässlichkeit, die sehr lange für Investitionen in die regulierten Bereiche der Energiewirtschaft gegolten habe, sowohl politisch als auch regulatorisch "in Rutschen geraten", befand der VKU‑Chef.

 

Ohnehin zeigte sich Liebing. In "großer Sorge über die innere Verfasstheit unseres Landes", wie er mit Blick auf das Abschneiden der politisch extremen Parteien bei den jüngsten Landtagswahlen im Osten und der Kommunalwahl in Berlin, sagte. "Welche Auswirkungen hat das auf Handlungsfähigkeit, auf Kompromissfähigkeit der Bundesregierung, die wir dringend brauchen bei den großen Themen?", fragte Liebing auch mit Blick auf die Transformationsagenda, die Deutschlands Energieversorger aktuell vor sich haben. /pa

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