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Staatlicher Uniper-Exit: Wird der Preis zum Knackpunkt?

Düsseldorf (energate) - Die Reprivatisierung von Uniper nähert sich ihrer heißen Phase. Dem Vernehmen nach sind noch eine Handvoll Interessenten im Rennen um den möglichen Einstieg als künftiger Mehrheitseigner von Deutschlands größtem Gasimporteur. Sollte sich der Bund im zweigleisigen Verfahren rund um den Uniper-Exit für die Investorenlösung entscheiden, tritt er damit unter Umständen eine zusätzliche große öffentliche Debatte los. Davon geht Tibor Fedke aus. Der Rechtsanwalt und Partner der Wirtschaftskanzlei Noerr ist Experte für Übernahmen und Beteiligungen im Energiesektor. Knackpunkt dafür, ob diese besagte öffentliche Debatte ins Rollen kommt, wird der Preis sein, zu dem sich der Bund aus dem Konzern zurückzieht, prognostizierte Fedke im Gespräch mit energate. Dabei will der Staat eine Minderheit von 25 Prozent behalten.

 

Nimmt man den gegenwärtigen Kurs der Uniper-Aktie als Maßstab - die Aktie notierte zuletzt bei rund 44 Euro -, kommt der Düsseldorfer Konzern auf knapp 19 Mrd. Euro Marktkapitalisierung. Rein rechnerisch ergäbe sich daraus für die 75 Prozent aller Anteile, von denen sich der Bund bis 2028 auf Geheiß der EU-Kommission zu trennen hat, ein Preis von rund 14 Mrd. Euro. In die Kapitalmaßnahmen zur Rettung von Uniper flossen wiederum 13,5 Mrd. Euro, wobei Uniper zwischenzeitlich knapp 3 Mrd. Euro zurückerstattet hatte.

 

Uniper als milliardenschweres "Schnäppchen"?

 

Allerdings erscheint ein Preis, der sich an der aktuellen Marktkapitalisierung orientiert, in den Augen des Experten unrealistisch: "Nach allem, was man hört, spiegelt der derzeitige Aktienkurs nicht den Marktwert des Unternehmens wider", sagte Fedke. Die Uniper-Aktie wird nach der Verstaatlichung im Zuge der Energiekrise von 2022 gegenwärtig noch zum verschwindend geringen Anteil von knapp 1 Prozent gehandelt. Ihr gegenwärtiger Kurs, so Fedke weiter, sei "durch Spekulationen inflationiert". Zudem sorge die Aktionärsstruktur mit dem Bund als faktischem Alleineigner ohnehin für eine Verzerrung des Marktwertes.

 

Dass eine größere öffentliche Debatte über einen angemessenen Kaufpreis nahezu "absehbar" erscheint, hat weitere triftige Gründe, argumentierte Fedke: Wesentlich sind zwei Bedingungen, mit denen die Bundesregierung in das Bieterverfahren gegangen ist. Weil Uniper einen wichtigen Baustein der Versorgungssicherheit Deutschlands darstellt, soll eine Minderheitsbeteiligung beim Staat verbleiben. Ferner hatte der Bund beim Start des Verfahrens deutlich gemacht, das Unternehmen nach Möglichkeit in seiner aktuellen Form erhalten zu wollen. "Das macht das Asset unattraktiver", stellte der Jurist klar. Diese Gesamtgemengelage führe dazu, dass potenzielle Bieter auf einen "durchaus hohen Kaufpreisabschlag" bestehen dürften, der "aus Steuerzahlersicht schwer vermittelbar" sein könnte, blickte Fedke voraus: "Die Aussicht darauf, diese Struktur als künftiger Mehrheitsgesellschafter von Uniper nicht verändern zu dürfen, ist für die Zahlungsbereitschaft auf der Bieterseite nicht förderlich, zumal im Falle einer weiteren Energiekrise eine erneute Verstaatlichung und ein Bailout als mögliches Szenario drohen."

 

Mehrere namhafte Bieter als Interessenten gehandelt

 

Gleichwohl ist der Verkaufsprozess dem Vernehmen nach auf großes Interesse gestoßen. Einige prominente Namen, die zum Teil unverbindliche Angebote vorgelegt haben sollen, halten sich hartnäckig: Neben der tschechischen EPH-Gruppe des Milliardärs Daniel Křetínský wird unter anderem auch den Konzernen Equinor aus Norwegen und Total Energies aus Frankreich Interesse nachgesagt. Zudem soll sich auch eine Bietergemeinschaft aus RWE und dem US-Vermögensverwalter KKR mit einem Angebot positioniert haben. Finanzinformationsdienste wie die "Börsenzeitung" und "Stockworld" berichten außerdem von einer Bewerbung aus Kanada von einem Vermögensverwalterkonsortium aus dem staatlichen kanadischen Pensionsfonds CPPIB und dem Private-Equity-Investor Brookfield. Auch der Name des Finanzinvestors Apollo Global Management war zuletzt in Medienberichten gefallen.

 

Schwedische Kraftwerke wecken Begehrlichkeiten

 

Aus der Energiewirtschaft soll es zudem Interessenten geben, die gerne einzelne Teile von Uniper übernehmen würden. Obgleich der Staat Uniper zusammenhalten will, werden solche Optionen aller Wahrscheinlichkeit nach auch erörtert. Fedke: "Das gehört bei solchen Bieterverfahren zur gängigen Kommunikation." Im Kontext eines möglichen Interesses an einzelnen Uniper-Assets kam etwa der Name des ehemaligen Mehrheitseigners Fortum auf die kolportierte Kandidatenliste. Bei ihrem Ausstieg im Rahmen der Uniper-Rettung von 2022 hatten die Finnen sich ein Vorkaufsrecht auf die Skandinaviensparte von Uniper gesichert. Allerdings hatte Fortum selbst erklärt, diese Option laufe 2026 aus.

 

Auch Vattenfall wurde Interesse an der Skandinaviensparte Unipers nachgesagt. Als Miteigentümer mehrerer Atom- und Wasserkraftwerke in Schweden ist der Düsseldorfer Konzern einer der größten Stromerzeuger des Landes. "Abstrakt betrachtet" schätzt M&A-Experte Fedke das kolportierte Bieterinteresse als "realistisch" ein. Dies gelte sowohl für die genannten "strategischen Investoren, die bereits in fossile Energien investiert sind", als auch für die Private-Equity-Fonds und Bieterzusammenschlüsse.

 

Bund hält sich Option auf Re-IPO von Uniper offen

 

Die Uniper-Führung und auch der Betriebsrat hatten stets für ein anderes Exit-Szenario geworben: die vollständige Rückkehr an die Börse. Diese Option hatte auch die Bundesregierung bislang wiederholt als eine bevorzugte Variante bezeichnet. Obwohl sich das Bieterverfahren seiner entscheidenden Phase nähert, bleibt auch ein Re-IPO ein Thema: "Der Bund plant, dass bis Jahresende darüber entschieden wird, ob es zum Börsengang oder zum Verkauf an einen der verbliebenen Bieter kommen soll", blickte Fedke voraus. Dieser Zeitplan sei "realistisch", ordnete der Rechtsanwalt ein. Unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfällt, ist im Uniper-Vorstand für die kommenden Jahre für Kontinuität gesorgt. CEO Michael Lewis verlängerte kürzlich seinen Vertrag vorzeitig um fünf Jahre bis 2031. /pa

 

Das Wortlaut-Interview mit Tibor Fedke, Partner der Wirtschaftskanzlei Noerr, lesen Sie im Add-on Markt & Industrie.

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