Sefe soll auf Anweisung 8 TWh Erdgas einspeichern
Berlin (energate) - Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das staatseigene Unternehmen Sefe nun ausdrücklich angewiesen, vermehrt Erdgas einzuspeichern. Dies bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums gegenüber energate. Reiche habe in Absprache mit Bundeskanzler Merz (CDU) entschieden, dass die bundeseigene Sefe angewiesen wird, 8 TWh Erdgas einzuspeichern. Der zentrale Grund für diesen Schritt liege in den weiter andauernden geopolitischen Risiken.
Gerade mit Blick auf die geopolitische Lage seien für unterschiedliche Szenarien Instrumente vorbereitet worden, die bei Bedarf eingesetzt werden könnten. "Dieser Bedarf ist nun eingetreten", so die Sprecherin. Sefe werde selber entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert würden und die Mengen durch zusätzliche Lieferungen beschaffen, um die Einspeicherungen der anderen Marktteilnehmer nicht zu beeinträchtigen. Die Erwartung an alle anderen Marktakteure, ihrer Verpflichtung nachzukommen und Gas für den Winter einzuspeichern, bleibe bestehen.
Hamead Ahrary, Chief Sales Officer von Sefe, bestätigte auf der Handelsblatt Jahrestagung Gas in Berlin einen entsprechenden Vorab-Bericht des Handelsblatts. "Wir speichern jetzt mehr ein und beschaffen zusätzliche Speicherkapazitäten, um die 8 TWh bis Mitte Dezember unterzubringen", sagte Ahrary. Das werde "marktschonend" geschehen.
Die Vorgabe ist nun verbindlich
Bereits vor zwei Wochen war bekanntgeworden, dass das Bundeswirtschaftsministerium den staatlichen Gasimporteur Sefe ermuntert hatte, die Befüllung der Gasspeicher voranzubringen. Das Engagement von Sefe bei der Gasspeicherbefüllung hielt sich bislang aber in Grenzen, wie beispielsweise aus dem Energiemarktradar der Beratungsgesellschaft Team Consult hervorgeht. Der durchschnittliche Füllstand beträgt derzeit nur rund 58 Prozent.
"Wir hatten vor zwei Wochen keine Anweisung, jetzt ist es in der Tat eine Anweisung", sagte Ahrary. Die Vorgabe sei nun verbindlich und der werde nachgekommen. "Die Speicher, die wir gebucht haben, füllen wir auch", sagte er. Dies betreffe nicht nur die eigenen Speicher: "Wir buchen auch woanders, so wie andere Sefe Storage buchen." Wichtig sei aber, dass auch alle anderen Marktteilnehmer ihrer Verantwortung gerecht würden, dann würden sich auch die Füllstände verändern.
Ines-Chef kritisiert Fehleinschätzung
Dies war bislang auf Grund der fehlenden Spreads nicht der Fall. Wirtschaftsministerin Reiche hatte staatliche Markteingriffe lange abgelehnt und unter anderem auf die veränderte Importstruktur und den ausgeweiteten Zugang zu Flüssigerdgas (LNG) verwiesen. Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (Ines), sprach in diesem Zusammenhang auf der Gastagung von einer Fehleinschätzung. "Im Winter sind wir schon auf die Ausspeicherung aus den Speichern angewiesen", sagte er. Die fehlenden Mengen aus den Pipelines aus Russland könnten mit den LNG-Terminals nicht ausgeglichen werden.
"Gut vorbereitet auf den Winter sind wir eher nicht", attestierte der Ines-Chef. "Die Annahme, dass die Buchungen auch gefüllt werden, war falsch." Das Zeitfenster zur Befüllung würde sich nun schließen. Technisch sei zwar ein Füllstand von 75 Prozent noch erreichbar, faktisch zeigten die Projektionen in Richtung 63 Prozent. "Dazwischen werden wir uns bewegen", so Heinermann. Der jetzige Eingriff zeige einen strukturellen Reformbedarf beim Thema Einspeicherung, um die wirtschaftlichen Anreize zu stärken. "Da hätten wir uns im Vorfeld mehr Bewegung gewünscht", sagte er.
"Man muss in Sorge sein"
Kritik an der derzeitigen Situation kam auf der Tagung auch von Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. "Man muss in Sorge sein", sagte er. Die Gasversorgungslage sei vielleicht nicht schwierig in Hinblick auf die Mengen, aber in Hinblick auf die Preise. "Steigende Preisvolatilitäten und Kosten sind nicht gut für unsere Wettbewerbsfähigkeit." Flasbarth machte zudem erneut klar, dass der Einsatz von Gas kein offenes Zukunftsprojekt mehr sei: "Es geht auf das Ende der fossilen Gasnutzung zu - spätestens 2045." Es gebe aber nicht nur den klimapolitischen Blickwinkel, sondern auch die Themen Versorgungssicherheit und Resilienz, gestand er zu.
Die LNG-Abhängigkeit von den USA sieht er daher ebenfalls mit Sorge - dies sei keine Diversifizierung. Auch die Pläne der EU-Kommission, die Verschärfung der EU-Methanverordnung um ein Jahr zu verschieben, sieht Flasbarth nach wie vor kritisch. Der Empfehlung, Sanktionen bei Nichteinhaltung für drei Jahre auszusetzen, stimme er aber zu, da die Erfüllung in weiten Teilen derzeit nicht möglich sei. "Wir haben ein Interesse, dass das Gas in der Brücke zur Verfügung steht", sagte der Staatssekretär.
Gasspeicherbefüllung weder reine Markt- noch Staatsaufgabe
Für Johanna Reichenbach, Senior Principal bei der Wirtschaftsberatung Frontier Economics, ist die Gasspeicherbefüllung weder reine Marktaufgabe, noch reine Staatsaufgabe. "Die Füllstands-Vorgaben waren kurzfristig ein gutes Instrument, um Versorgungssicherheit sicherzustellen", sagte sie. Heute gebe es aber ein anderes Umfeld, der Markt zeige nicht die Preissignale für Einspeicherung. Zudem sei die Vorbereitung auf extreme Risiken Aufgabe des Staates. Dem versucht die Bundesregierung für die Zukunft mit einer strategischen Gasreserve zu begegnen. Ab 2027 sollen 24 TWh dafür aufgebaut werden - ein Geschäft, an dem auch die Sefe interessiert ist. Wenn es nach Ahrary geht, dürften es sogar 50 TWh sein. Das würde den Markt beruhigen, sagte er. Da die strategische Gasreserve jedoch bislang noch fehlt, hält beispielsweise auch der BDEW die durch die Bundesregierung angewiesene Einspeicherung durch Sefe für sinnvoll, wie der Energieverband mitteilte. /ck