Schnellladen trotz Netzengpass
Hamburg (energate) - Der Ökostromanabieter Lichtblick nutzt erstmals Batteriespeicher, um Schnellladen auch bei begrenzten Netzanschlusskapazitäten zu ermöglichen. Die neuen Speicher stehen an Schnellladestandorten in Stralsund und Heiligenhafen. Beide Anlagen verfügen jeweils über 330 kW Leistung und eine Speichertiefe von zwei Stunden, teilte das Unternehmen mit.
Mit den Speichern will Lichtblick hohe Ladeleistungen bereitstellen, obwohl die verfügbare Netzkapazität vor Ort begrenzt ist. Zugleich sollen die Anlagen Lastspitzen ausgleichen und den Betrieb der Ladeinfrastruktur effizienter machen. "Besonders in Regionen mit begrenzter Netzkapazität kann ein Batteriespeicher dazu beitragen, dass E-Mobilistinnen ihr Fahrzeug schnell und komfortabel laden können", sagte Simon Schröder, Leiter Projektmanagement bei Lichtblick eMobility. "Überall dort, wo Batteriespeicher den Aufbau neuer Ladeinfrastruktur sinnvoll ergänzen können, prüfen wir ihren Einsatz."
Die beiden Standorte sind Teil des Schnellladenetzes von Lichtblick. Dieses umfasse inzwischen 27 Ladeparks an Famila-, Markant- und Edeka-Märkten in Norddeutschland. Die Ladepunkte sollen schnelles Laden im Alltag ermöglichen, etwa während des Einkaufs. Lichtblick will Ladeinfrastruktur und Flexibilitätslösungen künftig stärker verbinden. Bis 2030 plant das Unternehmen im Bereich E-Mobilität Investitionen von mehr als 100 Mio. Euro.
Auch andere Schnellladebetreiber nutzen Speicher
Fehlende Netzanschlüsse gelten als ein Flaschenhals beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Auch andere Schnellladebetreiber nutzen deshalb Speicher als Baustein für den Rollout. Electra-Deutschlandchef Paul Tonini hatte im Gespräch mit energate erklärt, Speicher könnten vor allem helfen, Standorte schneller zu entwickeln. In kleineren urbanen Ladeparks mit zwei bis sechs Ladepunkten könnten sie Netzengpässe überbrücken und Zeit verschaffen, bis ein Netzausbau erfolgt. Zugleich bleibe der Nutzen stark standortabhängig, etwa wegen unterschiedlicher Anforderungen der Netzbetreiber an Steuerung, Einspeisung oder Einspeiseverträge.
Alexander Junge, Vorstandsmitglied für Elektromobilität bei Aral, sagte im energate-Interview, das Unternehmen setze an rund 100 Standorten batteriegepufferte Ladesäulen ein. Diese eigneten sich besonders für Standorte mit geringer bis mittlerer Nachfrage. Zusätzlich plant Aral Pulse ein Pilotprojekt mit einem separaten Batteriespeicher, der mehrere Ladepunkte versorgen soll. Junge verwies zugleich auf die weiterhin großen Hürden bei Genehmigungen und Netzanschlüssen sowie die wachsenden Anforderungen durch Megawatt-Laden. Perspektivisch werde bei LKW an Ladeleistungen von bis zu 3,7 MW gearbeitet. Wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden, seien Hochspannungsanschlüsse nötig. Netzbetreiber sprächen dafür von Vorlaufzeiten von acht bis zehn Jahren. Das sei für einen schnell wachsenden Markt klar zu lang. /mh