N-Ergie errichtet intelligentes Heizkraftwerk
Nürnberg (energate) - Der Nürnberger Versorger N-Ergie hat mit dem Bau eines Heizkraftwerks im Nürnberger Südwesten begonnen. Die Anlage ist als innovative Kraft-Wärme-Kopplungssystem (iKWK) konzipiert und soll ab Mitte 2028 den neuen Stadtteil "Tiefes Feld" sowie Teile des bestehenden Fernwärmenetzes versorgen. Das Investitionsvolumen belaufe sich auf rund 52 Mio. Euro, teilte das Unternehmen mit. Das Vorhaben erhielt bereits 2024 einen Zuschlag im Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur. Die Förderung intelligenter KWK-Systeme ist an anspruchsvolle Vorgaben geknüpft. So muss jährlich ein Anteil von mindestens 35 Prozent erneuerbarer Wärme erreicht werden. Zudem ist die Nutzung von Power-to-Heat-Technologien zur Integration von Stromüberschüssen verpflichtend.
Das Nürnberger Konzept erfüllt diese Anforderungen durch die Kombination verschiedener Erzeugungs- und Speichertechnologien. "Dieses Projekt zeigt, wie moderne Kraft-Wärme-Kopplung heute gedacht wird: flexibel, effizient und wasserstofffähig", sagte Florian Stöger, Vorstand des Ingenieursdienstleisters Kraftanlagen Energies & Services, der das System gemeinsam mit dem Energieversorger realisiert.
Hybridkraftwerk für Strom und Wärme
Das iKWK-System der N-Ergie ist als Hybridkraftwerk angelegt und liefert sowohl Strom als auch Wärme. Kernbestandteile des neuen Heizkraftwerks im Nürnberger Südwesten sind unter anderem zwei Blockheizkraftwerke. Diese haben jeweils 4,5 MW elektrischer und 4,7 MW thermischer Leistung und sind perspektivisch auf den Betrieb mit 100 Prozent Wasserstoff umstellbar. Dazu kommt eine Luft-Großwärmepumpe mit rund 4,6 MW thermischer Leistung, ein Pufferspeicher mit etwa 360 Kubikmetern Volumen sowie die Einbindung der bereits am Standort Sandreuth vorhandenen Power-to-Heat-Anlage mit zwei Elektroheizern zu je 25 MW.
Im Regelbetrieb soll die Großwärmepumpe die Grundlastversorgung übernehmen und erneuerbare Umweltwärme nutzen. Perspektivisch sollen zudem weitere grüne Wärmequellen aus dem Nürnberger Verbundnetz, etwa aus einer Großwärmepumpe am Klärwerk oder aus Geothermie, eingebunden werden. Bei hoher Wärmenachfrage sollen zusätzlich Blockheizkraftwerke flexibel zum Einsatz kommen und neben Fernwärme gleichzeitig Strom erzeugen. Der Pufferspeicher sorgt derweil für zusätzliche Betriebsflexibilität.
Ausbau des Fernwärmenetzes
"Dieses Heizkraftwerk ist ein weiterer wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Dekarbonisierung der Fernwärme", sagte Maik Render, Vorstandssprecher der N-Ergie. Das Projekt ist eng verknüpft mit der Entwicklung des neuen Stadtquartiers "Tiefes Feld", in dem bis 2030 rund 2.000 Wohnungen für etwa 4.000 Menschen entstehen sollen. Bereits seit 2023 erweitert die N-Ergie dafür das Fernwärmenetz um rund 2,4 Kilometer. Von der neuen Trasse profitieren jedoch nicht nur das neu erschlossene Stadtviertel, da entlang der Leitung zusätzliche Anschlussmöglichkeiten für bestehende Gebäude entstehen. Das Unternehmen hatte bereits im Zuge der Projektplanung ein neues Ausbaugebiet mit rund 450 Wohneinheiten identifiziert und den Fernwärmeanschluss als Hebel für eine breitere Dekarbonisierung der Wärmeversorgung im Nürnberger Südwesten bezeichnet. /hp