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MVV Regioplan mit Massenansatz bei der Thermografie

Mannheim (energate) - Mit Wärmebildtechnik, automatisierten Energieberichten und neuen Bündelungsaktionen für Sanierungen will MVV Regioplan die energetische Modernisierung von Gebäuden beschleunigen. Das Unternehmen ist überzeugt: Höhere Sanierungsquoten von bis zu drei Prozent sind erreichbar.

 

Viele Wärmepläne sind inzwischen beschlossen, und zwar nicht nur in den Großstädten mit frühem Abgabetermin. Neben der großen Frage, wie die Wärme künftig klimaneutral erzeugt wird, stellt sich die zweite, wie viel davon künftig gebraucht wird. Deutschland glänzt nicht gerade mit hohen Sanierungsraten, ganz im Gegenteil. Die Mannheimer MVV Regioplan, die bundesweit schon 60 Wärmeplanungen im Auftrag durchgeführt hat, will dies ändern. Seit mehreren Jahren setzt sie auf einen Massenansatz in puncto Thermografieaufnahmen. 2027 sollen neue Bündelungsaktionen für Sanierungen hinzukommen, die das Unternehmen bereits für Solaranlagen und seit Kurzem für Wärmepumpen durchführt. "Das ist sozusagen die Kür, da die Komplexität nochmals deutlich höher ist, aber damit auch der Mehrwert, den wir erbringen können", erläuterte Daniel Jung, Geschäftsführer der MVV Regioplan GmbH, im Gespräch mit energate.

 

Laut dem Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle lag die Sanierungsquote im Wohnungsbestand im Jahr 2025 bei 0,67 Prozent, im Bereich der Nichtwohngebäude nur wenig besser bei 0,92 Prozent. Die Wärmeplanungen setzen im Durchschnitt aber mehr als das Doppelte voraus. Die Kommunen seien hier also oft viel zu optimistisch, kritisiert unter anderem das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Schwarze Schafe kalkulierten mit bis zu vier Prozent.

 

Sanierungsquote über zwei Prozent machbar 

 

Der MVV-Regioplan-Geschäftsführer plädiert durchaus für etwas Aufbruchstimmung und Mut in puncto Effizienz. "Mit der bisherigen Quote von einem Prozent werden wir die Wärmewende bis 2045 nicht hinbekommen. Wir müssen schneller werden. Gemeinden können sich auch höhere Ziele stecken - wenn sie das mit entsprechenden Maßnahmen unterstützen."Erster Schritt sind für ihn die standardisierten und gleichzeitig individuell auf das betroffene Gebäude abgestimmten Energieberichte, die die MVV-Tochter per Knopfdruck unter dem Label "Climap" beispielsweise für Kommunen wie Hamburg, Ludwigsburg oder auch Schwetzingen automatisch erstellt hat.

 

Möglich wird dies durch einen Massenansatz, der Google Street View ähnelt. PKWs mit einem speziellen Dachaufbau für Thermografiekameras fahren Straßenzug für Straßenzug das Stadtgebiet ab. Voraussetzung für die Wärmebildaufnahmen ist, dass es kalt genug ist. Es darf auch nicht nass sein. Ergänzt wird mit Aufnahmen aus der Luft, die MVV Regioplan bei Dienstleistern in Auftrag gibt. Aus rechtlichen Gründen ist der Drohneneinsatz noch nicht möglich, den der Geschäftsführer aber im Auge behalten will, sollte sich die Lage ändern.

 

"Menschen orientieren sich stark visuell"

 

Die aufbereiteten Daten sollen visuelle Anreize liefern. "Wenn sie eine Thermografieaufnahme ihres Gebäudes sehen, ist die Wirkung viel größer, als wenn sie sich durch Zahlenkolonnen wühlen müssen", schilderte Jung die Vorteile des Verfahrens. "Fassaden sind das Spannende, mehr noch als beim Dach gibt es hier viele verschiedene Verbesserungsoptionen, kleine wie große", erläuterte er. MVV Regioplan möchte mit dem Service vor allem die Arbeit von Energieberatern ergänzen. Für eine kostenlose Erstberatung vor Ort fördern viele Kommunen Energieberater mit 100 Euro und mehr. Durch den Massenansatz liegt der Standardpreis bei Climap bei nur 59,50 Euro.

 

Der Energiebericht enthält neben den Aufnahmen auch eine Auswertung. Mit ein paar Zusatzfragen an die Gebäudebesitzer, etwa zum Baujahr des Gebäudes oder der Dachraumnutzung, werden die Handlungsempfehlungen für die Sanierung nochmals genauer. Kommunen und Stadtwerke stellen den Service oft auch kostenfrei zur Verfügung, weil sie Effizienz vorantreiben wollen oder auf eine Kundenbindung im Energievertrieb oder Ähnliches setzen. "Wir empfehlen die kostenlose Variante für eine größere Hebelwirkung", so Jung. Mit solch einem Ansatz wird eine Sanierungsquote von 2,5 bis 3 Prozent durchaus realistischer, machte er am Beispiel von Ludwigsburg deutlich. Hier wurden innerhalb eines Jahres rund 1.800 Energieberatungen von Climap durchgeführt, was etwa zehn Prozent der Gebäudeeigentümer in Ludwigsburg entspricht. Aus Statistiken lässt sich ableiten: Etwa ein Drittel der Personen, die sich beraten lassen, geht dann auch Sanierungsmaßnahmen an.

 

Bündelungsaktionen für Wärmepumpe und Sanierung

 

Da, wo die zentrale Fernwärmeversorgung in den Wärmeplänen keine Option ist, sind in vielen Fällen Wärmepumpen das Mittel der Wahl. Dort sammelt MVV Regioplan inzwischen erste Erfahrungen mit sogenannten Bündelungsaktionen, die für Solaranlagen schon verbreitet sind. Gemeinsam mit der Kommune und dem Stadtwerk sucht das Unternehmen geeignete Installateure aus, die ein hohes Auftragsvolumen qualitativ gut abdecken können. In Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) beispielsweise gab es einen Auswahlprozess unter 20 Anbietern. Dort setzten sich mit Walz Haustechnik ein lokaler Handwerksbetrieb und der bundesweite Dienstleister Thermondo durch.

 

"Der Vorteil ist, dass die Kunden spürbare Rabatte bekommen", so Jung. Auch sei in den Gesprächen mit Kunden ein gewisses Aufatmen zu spüren. "Der eine Anbieter erzählt ihnen dies, der andere jenes und dann sollen sie über eine Investition in Kleinwagengröße entscheiden - und genau hier bringen wir unabhängige Fachkompetenz mit ein", machte Jung die Schwierigkeiten und Lösungsansätze deutlich. Zudem erfolge die Bündelungsaktion über die Plattform von MVV Regioplan in Abstimmung mit Eignungsgebieten für einen Wärmenetzausbau, was vor allem für Stadtwerke eine sehr interessante Option sei. /mt

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