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MVV: Ohne neue Förderung bleibt BECCUS schwierig

Mannheim (energate) - Der Energieversorger MVV Energie sieht das Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von CO2 aus Biomasse als technisch reif für den großtechnischen Einsatz. Doch für eine wirtschaftliche Skalierung fehlen aus Sicht des Unternehmens weiterhin die passenden Rahmenbedingungen. Zusätzliche Förderinstrumente seien notwendig, damit Projekte zur Abscheidung und Nutzung oder Speicherung von CO2 aus biogenen Abfall- und Biomasseströmen in den kommenden Jahren umgesetzt werden können, sagte MVV-Generalbevollmächtigter Christoph Helle im energate-Gasmarkt-Interview.

 

Die MVV arbeitet daran, BECCUS (Bioenergy with Carbon Capture, Utilisation or Storage) auf die eigenen Abfallverwertungs- und Biomasseanlagen zu übertragen. Eine Studie der Beratungsunternehmen Guidehouse und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) untersuchte hierzu Wege zur Skalierung von Negativemissionstechnologien.

 

Millionen Tonnen Potenzial in der Abfallwirtschaft

 

Denn besonders bei der thermischen Abfallbehandlung (TAB) sieht der Mannheimer Energieversorger ein erhebliches Potenzial. Bei der Verbrennung entstehen sowohl biogene als auch nicht biogene CO2-Emissionen. Während die Abscheidung des fossilen Anteils Emissionen vermeidet, entstehen aus dem biogenen Anteil durch Abscheidung und anschließende dauerhafte Speicherung Negativemissionen.

 

Der biogene Anteil des Abfalls in TAB-Anlagen liegt laut Helle bei etwa 50 Prozent. Bundesweit entstehen in der Abfallwirtschaft rund 26 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Das theoretische Potenzial für Negativemissionen aus der Müllverbrennung beziffert Helle auf rund 13 Mio. Tonnen CO2 jährlich. Hinzu komme die Vermeidung von etwa derselben Menge an Emissionen aus dem nicht biogenen Anteil. "Um unser Ziel Klimapositivität zu erreichen, müssen und wollen wir diese Anlagen dekarbonisieren", erklärte der Generalbevollmächtigte.

 

Förderung geht aus MVV-Sicht noch nicht weit genug

 

Politisch haben sich die Rahmenbedingungen seit Veröffentlichung der MVV-Studie aus dem Jahr 2025 weiterentwickelt. Im Klimaschutzprogramm des Bundesumweltministeriums wurden CCS und TAB explizit aufgenommen. Ziel ist laut Helle, bis 2040 bei 65 Prozent der TAB-Kapazitäten in Deutschland CO2-Abscheideanlagen einzusetzen. Auch sind im Klima- und Transformationsfonds (KTF) für Negativemissionen rund 100 Mio. Euro für 2026 sowie Verpflichtungsermächtigungen für weitere Jahre vorgesehen. Zusätzlich können CCUS-Projekte über die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) unterstützt werden, die 2026 insgesamt etwa 280 Mio. Euro umfasst.

 

Für großtechnische Anlagen seien die Förderbedingungen und Obergrenzen der BIK allerdings nicht passend ausgestaltet, kritisiert Helle. Auch die aktuelle Ausschreibung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für Klimaschutzverträge berücksichtigt BECCUS nicht. "Für BECCUS müssten die CfDs fortentwickelt werden", sagt Helle. Denn Klimaschutzverträge (CfDs) seien an industrielle Produkte gekoppelt, während MVV nur in geringem Umfang Industriedampf als Produkt erzeuge. Zudem fehle ein Index für Negativemissionen, an den CfDs gekoppelt werden könnten.

 

Staatssekretär sieht Grenzen durch Bundeshaushalt 

 

Dass die aktuellen Förderprogramme ihre Grenzen haben, erkennt auch Wirtschafts-Staatssekretär Frank Wetzel an, warnte aber vor zu großen Erwartungen mit Blick auf die Haushaltslage. "Wir brauchen Rahmenbedingungen, die den Staat ins Spiel bringen, aber eben auch Privatinvestitionen ermöglichen und attraktiv machen", sagte er beim Carbon Management Forum in Berlin. "Wir können nicht darauf setzen, dass alles durch staatliche Investitionen gelöst wird." Wetzel unterzeichnete vor Ort eine Absichtserklärung zum CO2-Export mit Dänemark und den Niederlanden und kündigte einen neuen Aktionsplan Carbon Management an. 

 

Abfallwirtschaft braucht eigene Regelung

 

Besondere regulatorische Herausforderungen ergeben sich aus Sicht von MVV bei der thermischen Abfallbehandlung, weil dort biogene und nicht biogene Stoffe gleichzeitig verarbeitet werden. "Für den nicht biogenen Teil des Abfalls vermeide ich durch eine CO2-Abscheidung Emissionen. Für den biogenen Teil produziere ich eben Negativemissionen." Diese beiden Effekte müssten in der Regulierung entsprechend berücksichtigt werden. Helle schlägt dafür unter anderem ein Doppelauktionsmodell oder spezialisierte CfDs vor.

 

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit wäre eine Umlage innerhalb der Abfallwirtschaft nach dem Verursacherprinzip. Nach Berechnungen von MVV könnten die Abfallgebühren dadurch um rund sechs Euro pro Tonne steigen. Damit ließe sich die Förderung von Anlagen mit Negativemissionen von insgesamt einer Million Tonnen CO2 finanzieren. "Damit fördert der gesamte Sektor nach dem Verursacherprinzip diese Anlagen", erläutert Helle.

 

CO2-Infrastruktur wird zum nächsten Engpass

 

Neben der Finanzierung ist die Infrastruktur für Transport und Speicherung ein weiterer entscheidender Punkt. MVV hält die Offshore-Speicherung in geeigneten geologischen CO2-Speichern der Nordsee für einen realistischen Weg. Übergangsweise könne CO2 auch per Bahn transportiert werden, "aber nur, wenn klar ist, dass in Zukunft die Pipeline kommt", sagt Helle. Entsprechende Speicherunternehmen würden Interesse an diesem Ansatz zeigen.

 

Auch die CO2-Nutzung kann eine Option sein. In der Betonrecycling-Industrie etwa wird CO2 durch Mineralisierungsprozesse dauerhaft gebunden. MVV betreibt bereits eine Anlage in Dresden, in der CO2 aus einer Biomethananlage abgeschieden und verflüssigt wird. Eine weitere Biomethananlage in Bernburg (Sachsen-Anhalt) erhält aus dem BIK-Programm rund zwei Mio. Euro. Die Investitionsentscheidung für die CO2-Abscheidung und -Verflüssigung soll 2027 fallen.

 

MVV rechnet mit langem Weg zur Klimapositivität

 

Wie schwierig die Rahmenbedingungen für die Dekarbonisierung sind, zeigt auch das Klimapositivitätsziel von MVV. Das Unternehmen hatte den Zieltermin auf 2040 verschoben. Unter anderem erwartet MVV nicht, dass der für die Umstellung des Küstenkraftwerks in Kiel benötigte Wasserstoff bis 2035 zu akzeptablen Preisen verfügbar sein wird. "Wir würden uns wünschen, dass in ein oder zwei Jahren Investitionen möglich sind. Aber wir sind Realisten", betont Helle.

 

Dabei verweist er auch auf die Entwicklung bei der grünen Fernwärme: "Die Diskussion um grüne Fernwärme haben wir vor zehn Jahren angestoßen, und jetzt investieren wir in eine der weltweit größten Flusswärmepumpen." Auch bei BECCUS könnte der Weg von der technischen Reife bis zur großtechnischen Umsetzung entsprechend länger dauern. /hp

 

Das vollständige Interview mit Christoph Helle, Generalbevollmächtigter der MVV, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des energate-Gasmarktes.

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