Metrify und Grid-X schließen Lücke im Prosumer-Markt
Aachen/Berlin (energate) - Die Dienstleister Metrify und Grid-X bündeln ihre Kräfte für ein White-Label-Prosumer-Produkt. Gemeinsam bieten sie ein Bündel aus Smart Meter, Steuerungsbox und Home-Energy-Management-System (HEMS) an. Mit dem vollintegrierten Angebot richten sich die Partner an Energieversorger und Installationsunternehmen, die mit dem Komplettpaket ihr eigenes Produktportfolio erweitern können. Im Rahmen der Partnerschaft übernimmt die Enpal-Tochter Metrify die Installation des intelligenten Messsystems beim Kunden, während Grid-X die HEMS-Hardware beisteuert. Das Angebot sei ab sofort bundesweit verfügbar und könne über beide Partner bezogen werden, heißt es in einer Mitteilung, die energate vorab vorliegt.
Lücke zwischen Smart Meter und HEMS
Mit der Kombination von intelligentem Messsystem, Steuerbox und HEMS schließen die Partner nach eigenem Verständnis eine zentrale Lücke im Prosumer-Markt. Denn aktuell fehle es in der Regel an einem Bindeglied zwischen Messstellenbetrieb und Energiemanagement, wie Grid-X-CEO Anne Bicking im Gespräch mit energate erklärte. "Das intelligente Messsystem und die Steuerbox sichern die Netzdienlichkeit am Netzanschlusspunkt und unser HEMS optimiert die Verbraucher im Haus. Das ist die Kette, die den Markt voranbringt", zeigte sie sich überzeugt.
Die Partner sehen gewaltiges Marktpotenzial für ihre Verbundlösung, wie Georg Gaiser, Senior Vice President von Metrify, zugleich betonte. Er verwies insbesondere auf das erwartbare Wachstum von Prosumer-Technologien, das auch eine steigende Nachfrage nach Energiemanagementsystemen im Endkundensegment nach sich ziehen werde. "Bis 2030 geht man davon aus, dass sich der HEMS-Markt in Deutschland verdreifacht", so Gaiser. "An diesem Wachstum werden wir mit unserer Partnerschaft und in Kooperation mit Installationsbetrieben unseren Anteil haben", gab er sich optimistisch.
Steuerungs-Rollout kommt nicht voran
Zugleich verwies der Metrify-Manager auf den schleppenden Rollout sogenannter CLS-Steuerboxen, mit denen ein Smart Meter Steuerungsbefehle eines Netzbetreibers empfangen und umsetzen soll. Es sei kein Geheimnis, "dass der verpflichtende Rollout von Steuerboxen, der für dieses Jahr eine Quote von 90 Prozent vorsieht, deutlich verfehlt wird", so Gaiser. Kaum ein Verteilnetzbetreiber beziehungsweise grundzuständiger Messstellenbetreiber werde das leisten können. Gemeinsam wollen die Partner aufzeigen, "wie schnell der Steuerungs-Rollout gelingen kann, wenn wichtige Marktakteure zusammenarbeiten". Das Angebot von Grid-X und Metrify erfülle die Anforderungen zur Steuerbarkeit gemäß Paragraf 14a EnWG und Paragraf 9 EEG. Mittelfristig wollen die Partner die gebündelten Haushaltsflexibilitäten - Wärmepumpen, Heimspeicher, Elektrofahrzeuge - auch im Kurzfristhandel vermarkten.
Für ihr Angebot haben Metrify und Grid-X bereits erste Interessenten gefunden. Der Installationsbetrieb Greenblocks und der Smart-Home-Dienstleister Liya Energy haben die Kombi-Lösung in ihr Portfolio bereits übernommen. Beide Unternehmen gehören ohnehin zu den Bestandspartnern von Grid-X. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung von Energiemanagementsystemen zur Vernetzung dezentraler Energiewende-Assets spezialisiert. Seit dem vergangenen Jahr vertreibt das Unternehmen ein HEMS für Haushaltskunden als White-Label-Lösung für andere Energieversorger. "Das Endkundengeschäft überlassen wir ganz bewusst den Akteuren, die nah am Markt sind", erklärte CEO Bicking.
Der Solarspezialist Enpal hat die Tochter Metrify für den wettbewerblichen Messstellenbetrieb der verbauten Smart Meter ausgegründet. Zugleich sollte sich Metrify aber auch als B2B‑Dienstleister im Messstellenbetrieb positionieren. Das Unternehmen hat etwa bereits den Ökostromanbieter Lichtblick sowie den Heizungsbauer Viessmann als Kunden gewonnen. /rb