Lightsource BP: Neuer Projektierer auf schwierigem Terrain
Berlin (energate) - Deutschlands Projektentwicklerbranche steht derzeit unter erhöhtem Druck. Gleichwohl schickt sich mit Lightsource BP ein neuer Player an, eben diesen Markt rund um Planung, Bau und Betrieb von Ökostromanlagen und Batteriespeichern in größerem Stil zu erschließen. Die Voraussetzungen dazu hat der deutsche Ableger der international agierenden Projektentwicklertochter des Mineralölkonzerns BP unlängst geschaffen. Das machte Jens Liebold, seines Zeichens CEO der Deutschlandsparte von Lightsource BP, im Gespräch mit energate deutlich. Dabei scheint speziell das angestammte Kerngeschäft von Lightsource BP hierzulande aktuell besonders herausfordernd. "Wir sehen sehr deutlich, dass sich der Projektentwicklermarkt in einer Konsolidierungsphase befindet", konstatierte Liebold. Sowohl Solar- als auch Windprojekte seien unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen "wirtschaftlich schwer realisierbar", stellte Liebold klar.
BNetzA-Zuschläge für Wind- und PV-Projekte um 5 Cent/kWh
Dazu passt, dass größere Solarparks - ein Schwerpunkt im Lightsource-BP-Geschäftsmodell - kaum mehr ohne Batteriespeicher geplant und errichtet werden, wie aus der Branche zu hören ist. Ein großer wirtschaftlicher Knackpunkt, der Windpark- und PV-Entwickler in diesen Tagen umtreibt, sind die zuletzt rasant gefallenen Marktwerte, zu denen die Bundesnetzagentur bei den jüngsten Ausschreibungsrunden ihre Zuschläge verteilte. Sowohl die jüngste Windkraftauktion, als auch die vergangene Freiflächen-PV-Ausschreibung waren gleichermaßen massiv überzeichnet. Dies hatte die Zuschlagswerte jeweils unter die Marke von 5 Cent pro kWh gebracht.
Die Gemengelage brachte einzelne Unternehmen sowohl im PV- als auch im Windsegment in Schieflage oder gar in die Insolvenz. Das wohl namhafteste jüngste Beispiel ist Enerparc. Bei dem Pionier unter den PV-Entwicklern war zuvor eine umfangreiche Projektfinanzierung gescheitert. Dabei war die Marktlage noch vor wenigen Jahren eine gänzlich andere. Im Jahr 2022, zu Zeiten der ersten großen Energiekrise des laufenden Jahrzehnts, hatte es in Teilen der Branche so etwas wie eine Goldgräberstimmung gegeben - getrieben von den teils exorbitant hohen Großhandelspreisen, waren damals auch die Kurse für PPAs in die Höhe geschossen. Ein "extremes Jahr", wie auch andere Branchenurgesteine unlängst zurückblickten.
Einige Bremsklötze jenseits der Marktwerte
Diese Marktphase brachte Liebold zufolge zahlreiche kleine Akteure hervor, die nun wieder vor besagter Konsolidierung stehen. Liebold zufolge sind die sinkenden Marktwerte nicht der einzige Grund dafür, dass sich der Wind für die Projektentwickler inzwischen buchstäblich gedreht hat. Dazu verweist er auf die zuletzt wachsenden Engpässe bei Netzanschlüssen, denen die Netzbetreiber mit der Abkehr vom klassischen Windhund-Prinzip begegnen. Als weitere "deutliche Bremsen" nannte Liebold gestiegene Investitions- und Entwicklungskosten und nicht zuletzt auch "regulatorische Unsicherheiten und fehlenden politischen Willen". Deshalb konzentriert sich Lightsource BP aktuell vor allem auf das Projektgeschäft rund um Stand-alone-Batteriespeicher, führte er aus.
BNetzA-Auktionen: Hoffnung auf Turnaround zum Ende des Jahrzehnts
Allerdings: "Wir glauben, dass sich die Marktwerte für Freiflächensolaranlagen wieder erholen werden", stellte er klar. Dieser Turnaround sei voraussichtlich 2028/2029 zu erwarten, so Liebolds Schätzung. Im Zuge dessen "werden Solar- sowie Windprojekte wieder rentabler werden", prognostizierte er. Gespeist wird dieser Optimismus von den Analystenerwartungen, dass speziell die Nachfrage nach Ökostrom in den kommenden Jahren weiter steigen soll, eine Einschätzung, die beispielsweise auch der RWE-Strategie "Growing Green" zugrunde liegt. "Die Preisdynamik bei Heiz- und Kraftstoffen wird diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen.", so Liebold weiter. Vor diesem Hintergrund setzte sich Lightsource BP das Ziel, perspektivisch einer der großen Independent Power Producer (IPP) zu werden, wie die großen Betreiber von Ökostrom-Portfolios inzwischen genannt werden. Die Stärken als ein Marktakteur mit einem Großkonzernhintergrund könne Lightsource am besten bei großen Projekten ausspielen, blickte Liebold voraus.
Pachtkostenexplosion bei der Flächenakquise
Zu den Kostentreibern, die derzeit ebenfalls auf die Rentabilität im Erneuerbaren-Projektgeschäft drücken, gehört auch die Akquise geeigneter Flächen. Weil diese vielerorts rar werden, gab es auch auf diesem Markt eine Kostenexplosion, weiß Liebold. Auch der Branchenverband VKU blickt mit Sorge auf die Preisentwicklung bei der Flächenpacht. "Aus Projektentwicklersicht ist dieser Markt überhitzt", so Liebold. "Das gilt insbesondere für Flächen, die eine privilegierte Projektentwicklung ermöglichen." Für Projektierer, die Batteriespeicher realisieren, oder auch Kombinationen aus Erzeugung und Speicher, sei der Druck besonders groß, berichtete er mit Blick auf die Reformpläne der Bundesnetzagentur, zu den Netzentgelten in diesem Segment. "Das birgt das Risiko für unseriöse Angebote aufseiten der Projektentwickler." Die Krux: Solche Vorhaben mit überzogenen Pachtsätzen liefen wiederum Gefahr, nicht realisiert zu werden, so Liebold weiter. Schlussendlich gehe diese Entwicklung auch zulasten der Landeigentümer, die am Ende leer ausgehen. "Dieses Verhalten entspricht nicht unserem Geschäftsmodell", konstatierte Liebold. /pa
Das vollständige Interview mit Jens Liebold lesen Sie im Add-on Strom.