Kommunenbefragung: Finanzierung bedroht Wärmeplanung
Halle (energate) - Der Wärmeplanungsprozess in Deutschland ist in vollem Gange. Zu diesem Schluss kommt das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) der Deutschen Energieagentur in Halle (Saale) in der "Kommunenbefragung 2026". Erstmalig seien mit 40 Prozent der Teilnehmenden dieses Jahr deutlich mehr Kommunen in der Umsetzungsphase. Im Jahr 2025 waren es nur 17 Prozent. Insgesamt flossen Antworten von 778 Städten, Gemeinden und Landkreisen in die Auswertung ein.
Bei den bereits aktiven Kommunen unterscheidet das KWW zwischen zwei Phasen: Umsetzende haben bereits einen kommunalen Wärmeplan und arbeiten etwa an Detailplanung und Umsetzungsmaßnahmen. Durchführende führen die Wärmeplanung bereits durch und befinden sich in Bestands-, Potenzial- oder Szenarioanalyse. Ihr Anteil liegt bei 32 Prozent. 18 Prozent der Befragten befinden sich noch in der Vorbereitungsphase, während 9 Prozent noch gar nicht angefangen haben.
Herausforderung Nummer 1 - die Finanzierung
Noch im vergangenen Jahr gaben die Durchführenden an, dass die Datenbeschaffung die größte Herausforderung sei. Das hat sich in diesem Jahr geändert, so das KWW. Nun sei die Finanzierung der Umsetzungsmaßnahmen das größte Problem. Die Anzahl der Befragten, die diese Option angaben, hat sich von 26 Prozent im Jahr 2025 auf 59 Prozent in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Prinzipiell sehen über 80 Prozent der Umsetzenden die Finanzierung der Umsetzungsmaßnahmen als herausfordernd an.
Bei der Finanzierung von Wärmenetzen sei mit Abstand das größte Problem, dass den Kommunen das Eigenkapital fehlt oder die Haushaltslage schwierig ist. Auch die Unsicherheit über die Anschlussquote und des Wärmebedarfs stellt die Kommunen vor Herausforderungen. Die Mehrheit der Befragten (54 %) schätzt das Zielszenario ihrer Kommune als eher unrealistisch ein. Der häufigste Grund dafür seien die finanziellen Herausforderungen (47 %), gefolgt von Unsicherheiten aufgrund von politischen Signalen oder Rahmenbedingungen (34 %). Die knapp andere Hälfte (46 %), die zuversichtlich sind, begründen dies überwiegend mit guten Rahmenbedingungen vor Ort und einem fundiert erarbeiteten Zielszenario.
Brennstoff Holz nicht ausreichend verfügbar
Ebenfalls interessant: Beim Brennstoff Holz scheinen einige Kommunen die Verfügbarkeit falsch einzuschätzen. Laut KWW nutzen 41 Prozent der befragten Kommunen Holz oder berücksichtigen den Brennstoff im Wärmeplan. Insgesamt können aber nur 37 Prozent Holz aus eigenen Quellen beziehen. Eine ausgeprägte Mehrheit der kleineren (57 %) und größeren Kommunen (82 %) könnten hingegen keinen "Körperschaftswald" nutzen, so das KWW.
Auch bei den angenommenen Sanierungsraten gibt es Unterschiede und Fragen der Erreichbarkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten geht von jährlichen Sanierungsraten unter 1,5 Prozent aus, wobei die Spanne von unter 1 Prozent (33 %) bis über 3 Prozent (5 %) reicht. Am häufigsten werden Sanierungsraten zwischen 1 und 1,5 Prozent angenommen (32 % der Kommunen). Zur Einordnung: Derzeit liegt sie deutschlandweit unter einem Prozent. Um besser zu werden, setzen die meisten Kommunen (64 %) primär auf Beratungs- und Informationsangebote für private Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Bürgergemeinschaften. /sr
Die Ergebnisse der Kommunenbefragung finden Sie hier.