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Kommt die Delle beim Solarausbau?

München (energate) - Im laufenden Jahr könnte die Solarbranche zwar nochmal einen Schub bekommen. Viele Marktteilnehmer rechnen aber mit einer Delle in ein bis zwei Jahren, erfuhr energate in verschiedenen Gesprächen auf der Münchner Messe Intersolar. Beim Speicherbau könnte es durch die von der Bundesnetzagentur geplante Netzentgeltreform namens AgNes zu Vorzieheffekten kommen.

 

Bei der Belectric, der deutschen Tochtergesellschaft der Elevion, ist diese Delle jedoch schon jetzt angekommen. Momentan setze das Unternehmen kein einziges Projekt in Deutschland um, sagte CTO Peter Walch auf der Intersolar im Gespräch mit energate. Sein Urteil: "Technisch möglich, wirtschaftlich unmöglich." Der Grund liege in den negativen Preisen zur Mittagszeit. Batteriespeicher seien die Lösung. Sie scheiterten aber an hohen regulatorischen Hürden und an den fehlenden Netzanschlüssen.

 

Projektrechte verlieren an Wert

 

Andere Unternehmen projektieren zwar noch Anlagen, erklärten aber ebenfalls, es werde wirtschaftlich schwieriger. "Die Luft wird dünner", sagte etwa Hartwig Dieterich, Produktentwickler bei der EnBW Energie Baden-Württemberg. Die Erlösseite etwa durch langfristige Lieferverträge (PPA) sei schwieriger geworden. Zudem gebe es viele regulatorische Unsicherheiten, etwa durch den Referentenentwurf zum Netzpaket. Das spiegele sich auch in den Preisen für Projektrechte wider. Vor zwei Jahren habe der Markt noch dreistellige Summen gesehen, heute würden etwa 25 Euro/kW bezahlt. Auch Anke Dissel vom Solarprojektierer Enerparc forderte dringend politische Weichenstellungen, "sonst kommt eine Delle". Allgemein stehen weite Teile der Solarbranche der aktuellen Energiepolitik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kritisch gegenüber: So verteilte ein Unternehmen sogar Anti-Reiche-Tattoos auf der Messe.

 

Weiterer Knackpunkt: die Netzanschlüsse. Diese seien immer schwieriger zu bekommen. Verteilnetzbetreiber schöben zum Teil Projekte, die von der Größe eigentlich in der Mittelspannung anzusiedeln seien, in das Übertragungsnetz, hieß es aus der Branche. Der Hamburger Solarspezialist Enerparc begegnet dem Problem der knappen Netzanschlüsse schon seit Längerem, indem er sich mit Windkraftprojektierern zusammenschließt. Unternehmenseigene Umspannwerke werden geteilt. Diese Überbauung funktioniere mit einer Kombination aus Solar und Wind gut, da diese Technologien sich ergänzten, sagte Geschäftsführer Stefan Müller schon vor einem Jahr im Interview mit energate. Auch EnBW schließt sich mit anderen Marktteilnehmern zusammen, um gemeinsam Netzanschlüsse zu nutzen.

 

Netzanschlüsse scheitern in letzter Sekunde

 

Die Netzbetreiber selbst versuchen indes unter anderem, das Problem mit flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (FCA) zu adressieren. Arne Weinig, Geschäftsführer von Tauber Solar, kritisierte - wie viele andere Marktteilnehmer auch - die als Standard deklarierten FCAs von Eon. Ein Standard könne nicht durch eine bilaterale Vereinbarung zweier Unternehmen gesetzt werden, sagte er zu energate. Er sieht hier die Verbände am Zug. Das derzeitige Netzanschlussverfahren sei zu kompliziert und zu langwierig, kritisierte er zudem. Oft scheitere der Netzanschluss in letzter Sekunde - nachdem der Projektierer die Reservierung erhalten, die umfangreichen Antragsbögen ("E9-Bögen") ausgefüllt, den Baukostenzuschuss bezahlt und Investitionen für die Anlage selbst getätigt habe. Auch andere Branchenteilnehmer kritisierten die Netzbetreiber. Sie hätten die Digitalisierung verschlafen, so der Vorwurf. 

 

Noch werden aber Batteriespeicher gebaut - und sie könnten nochmal einen Schub erhalten. "In Deutschland ist wirklich Druck im Markt", sagte Julian Jansen, Managing Director Germany beim Speicheranbieter Fluence, zu energate. Alle Projektierer, die gute Speichervorhaben hätten, versuchten jetzt schnell noch eine Investitionsentscheidung bis Ende des Jahres zu fällen und die Batterien bis 4. August 2029 ans Netz zu bringen. Dies ist nach dem Einlenken der Bundesnetzagentur die alte und auch neue Deadline, um den geplanten Netzentgelten für Speicher zu entgehen.

 

Und auch für die Solarbranche im Heim- und Gewerbesegment könnte es kurzfristig nochmal zu einer Erholung kommen. Die Nachfrage aus diesen Bereichen steige, erklärten Carsten Wendt und Eva Röbbel vom Wechselrichteranbieter SMA. Und auch nach einer branchenweiten Umfrage sehen viele Unternehmen einen kurzfristigen Anstieg zumindest im Homesegment, insbesondere durch die gestiegenen Energiepreise im Zuge des Iran-Krieges. Im Gewerbekundensegment sind die Zubauzahlen hingegen derzeit rückläufig. /sd

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