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Koalitionsausschuss will "Smart Meter light" einführen

Berlin (energate) - 180-Grad-Wende beim Smart-Meter-Rollout: Der Koalitionsausschuss hat überraschend die Einführung von Smart Meter light angekündigt. Dieses intelligente Messsystem sei für Kunden gedacht, die nicht verpflichtend einen Smart Meter installieren müssen, heißt es im Beschlusspapier des Koalitionsausschusses. Die Ankündigung kam, nachdem der Smart-Meter-light-Ansatz im Zuge des Energiewendemonitorings monatelang politisch begraben war. Ein geleakter EU-Verordnungsentwurf hat die Debatte um den schleppenden Smart-Meter-Rollout in Deutschland allerdings wieder befeuert. Dem Entwurf nach sollen bis Ende 2030 die Hälfte, bis Ende 2033 mindestens 65 Prozent aller Endkunden mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet sein - EU-weit verbindlich. Um Tempo in den Rollout zu bekommen, hatte die Bundesnetzagentur im März 2026 Verfahren gegenüber 77 Messstellenbetreibern eingeleitet. Keiner von ihnen hatte zu dem Zeitpunkt mit dem Smart-Meter-Einbau begonnen.

 

Wie Smart Meter können Smart-Meter-light-Stromzähler 15-Minuten-scharf Daten auslesen. Sie können allerdings nicht durch Netzbetreiber nach Paragraf 14a Energiewirtschaftsgesetz gesteuert werden. Im Beschlusspapier heißt es, Stromkunden könnten damit "kostengünstig und cybersicher ihre Stromrechnung optimieren". 

 

Auch an anderer Stelle drückt der Koalitionsausschuss beim Einbau der intelligenten Steuersysteme nun auf die Tube. Nach den Plänen der Regierungsvertreter soll bis Ende 2030 der Pflichtrollout zu 90 Prozent abgeschlossen sein. Bislang muss dieses Ziel nach Paragraf 45 Messstellenbetriebsgesetz erst Ende 2032 und damit zwei Jahre später erreicht werden. Für die grundzuständigen Messstellenbetreiber dürfte vor allem die Netzstruktur darüber entscheiden, ob dieses Ziel eine große Herausforderung darstellt oder nicht. Ländliche Netzstrukturen mit vielen Pflichteinbaufällen dürften es schwerer haben, während städtische Netzstrukturen mit vielen Mehrfamilienhäusern und somit weniger Pflichteinbaufällen weniger belastet werden.

 

Smart-Meter-light-Ansatz polarisiert

 

Die Reaktionen aus der Branche auf die Einführung des abgespeckten Smart Meters fallen unterschiedlich aus. Vom Stadtwerkeverband VKU hieß es, es werde auf die Ausgestaltung ankommen. "Aktuell nimmt der Rollout intelligenter Messsysteme deutlich Fahrt auf. Neue regulatorische Eingriffe dürfen jetzt nicht dazu führen, dass das ohnehin hochkomplexe Mammutprojekt erneut ausgebremst oder verkompliziert wird", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Laut Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI, führt der Smart-Meter-light-Ansatz zu "unnötigen Doppelstrukturen".

 

Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany, nannte die Einführung dahingegen eine "großartige Nachricht". Es sei "genau der Schub, den die Energiewende braucht". Das Unternehmen hatte sich schon lange für Smart Meter light eingesetzt. Auch von Tibber, einem Anbieter dynamischer Tarife, kam Lob. "Das Smart Meter Light könnte sich als langersehnter Gamechanger erweisen: Es befreit potenziell Millionen von Haushalten aus der bürokratischen Warteschleife und öffnet das Tor zu dynamischen Tarifen", kommentierte Ralf Walther, Energy Market Lead bei Tibber Deutschland, die Ausschussergebnisse.

 

Verteilnetzpaket angekündigt

 

Der Ausschuss selbst kündigte außerdem ein Verteilnetzpaket an. Dieses werde "bis Ende des Jahres" auf den Weg gebracht, heißt es in den Ausschussergebnissen. Das Paket soll den Netzausbau beschleunigen, das Stromnetz modernisieren und digitalisieren und die Finanzierungsmöglichkeiten verbessern. Mit dem Paket solle der Zeitraum für die Realisierung von Netzprojekten halbiert werden, heißt es weiter. Auch soll das Paket Umweltverträglichkeitsprüfungen straffen und die "Möglichkeit zu klaren Stichtagsregelungen" schaffen.

 

Nach Informationen von energate hat das Bundeswirtschaftsministerium verschiedene Branchenvertreter bereits um Ideen für das Verteilnetzpaket gebeten. Der Energieverband BDEW begrüßte die Ankündigung. Der Anspruch, Genehmigungszeiten um die Hälfte zu reduzieren, sei richtig, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. "Schnellere Genehmigungsverfahren, die Straffung von Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie Bürokratieabbau sind die zentralen Schlüssel für mehr Tempo", so Andreae.

 

Anschlussgarantie für Industriebetriebe

 

Auch eine Anschlussgarantie für Industriebetriebe soll kommen. Industriebetriebe "erhalten eine klare Frist, bis wann ihr Betrieb in der benötigten Kapazität an das Stromnetz angeschlossen wird", heißt es in den Ausschussergebnissen.

 

Der Koalitionsausschuss greift damit bei der Frage ein, wer einen Anschluss ans Stromnetz zuerst bekommt. Hier stehen sich Industrieunternehmen, Speicher- und Rechenzentrenbetreiber gegenüber. Im geleakten Netzpaket war vorgesehen, dass Netzbetreiber künftig anhand gesetzlich verankerter Kriterien priorisieren dürfen - hier gibt es also noch Klärungsbedarf, wie Netzpaket und die Ausschussergebnisse zusammenpassen.

 

Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), nannte die Anschlussgarantie für Industriebetriebe auf Anfrage ein "wichtiges Signal". Die Umsetzung bleibe jedoch ungeklärt. "Weder ist ersichtlich, wie lang die Fristen sein sollen, noch wie ihre Einhaltung angesichts bereits heute stark ausgelasteter Anschlusskapazitäten sichergestellt werden kann. Offen ist zudem, wie mit bestehenden Anschlusszusagen umgegangen wird", so Seyfert. Es brauche eine klare gesetzliche Priorisierung. Dabei dürfe die Verantwortung nicht allein bei den Netzbetreibern liegen, sondern ein Gesetz müsse die Priorisierung festlegen. Auch der BDEW forderte "klare gesetzliche Regeln".

 

Datenplattform und Deutschlandfonds

 

In seinem Ergebnispapier kündigte der Ausschuss außerdem eine zentrale Datenplattform an, auf der "alle wichtigen Daten" zu Netzausbau, Netzauslastung und Netzanschlusskapazitäten standardisiert verfügbar gestellt werden sollen. Er will den Deutschlandfonds zu einem "Instrument für strategische Beteiligung" ausbauen und ihn um eine "Resilienzdimension" erweitern. "Insbesondere sollen Investitionen in den Bereichen der Rohstoffbeschaffung und der Energieinfrastruktur gestärkt werden", heißt es in den Ergebnissen der nächtlichen Unterhandlungen. Der BDEW lobte die Resilienzdimension, warnte aber vor bürokratischem Aufwand und Sicherheitsrisiken bei der Transparenzplattform. /kij

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