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KI ist kein Selbstläufer für unternehmerischen Erfolg

Essen (energate) - Die Energieinfrastruktur muss auf die Dezentralisierung der Stromerzeugung vorbereitet werden. Dafür schauen Netzbetreiber über den Tellerrand hinaus. "Künstliche Intelligenz kann hier ein Beschleuniger sein, muss aber sehr gezielt und wohlüberlegt eingesetzt werden", erklärte Uwe Gehrmann, Partner und Leiter der Solution Group IT, Digitalisierung, Data bei der Managementberatung Atreus, im energate-Interview. Dennoch sei KI kein Allheilmittel.

 

Denn die Aufgabe ist komplex. Tausende Erzeugungspunkte auf Dächern und in Offshore-Bereich erhöhen die Komplexität massiv. Stromerzeugung und Stromverbrauch müssen künftig deutlich dynamischer aufeinander abgestimmt werden. KI könnte Lastflüsse prognostizieren und Netzengpässe frühzeitig erkennen. Sie muss jedoch gezielt und wohlüberlegt eingesetzt werden, um den Netzbetrieb effizienter und resilienter zu gestalten, so Gehrmann. Dafür braucht es eine grundlegende Voraussetzung: Datenqualität.

 

Daten und Cybersicherheit als Schlüssel zum Erfolg

 

"Wenn ich KI einsetze, brauche ich zwingend gute Datenqualität. Sonst habe ich kein Vertrauen in die Ergebnisse", machte Uwe Gehrmann deutlich. Gerade in der Energiewirtschaft, wo Netzwerkingenieurinnen und -ingenieure auf verlässliche Ergebnisse angewiesen sind, ist schlechte Datenqualität "ein Riesenproblem". Das zeigt sich auch in der Praxis. Gehrmann kennt Unternehmen, die KI falsch eingesetzt haben. "Eines davon ist dadurch fast in Insolvenz geraten. Schlechte Datenqualität, falsch ausgerichtete Prozesse, fehlerhafte Entscheidungen bis zur Investitionsentscheidung", beschrieb er die Folgen.

 

Neben strukturierten Daten ist aber auch die Sicherheit existenziell. "Cybersicherheit muss von Anfang an Bestandteil jeder KI-Lösung sein - nach dem Prinzip 'Security by Design'", forderte Uwe Gehrmann. Besonders in kritischen Infrastrukturen wie bei Übertragungsnetzbetreibern müssen KI-Systeme kontinuierlich überwacht und gegen Manipulation geschützt werden. Ein Beispiel verdeutlicht die Risiken: "Vor einigen Monaten wurde in Berlin durch Sabotage ein großer Teil vom Stromnetz abgeklemmt. Wenn man dann mit KI nicht sorgfältig und gezielt arbeitet, kann einiges passieren."

 

Übertragungsnetzbetreiber führen daher umfangreiche Integrations-, Validierungs- und Regressionstests durch, um KI schrittweise einzuführen. "Entscheidend ist dabei nicht der Einsatz von KI an sich, sondern dass sie den Netzbetrieb messbar verbessert - etwa durch schnellere Analysen, präzisere Prognosen und eine höhere Betriebssicherheit", beschrieb Gehrmann. Dabei investieren alle vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber - Amprion, 50 Hertz, Tennet und Transnet BW - intensiv in den Einsatz von KI und digitalen Technologien. Besonders sichtbar seien dabei aber vor allem die Aktivitäten von Tennet und Amprion. Beide Netzbetreiber haben demnach zahlreiche Projekte rund um KI, Digitalisierung und den intelligenten Netzbetrieb.

 

Klare Zielbilder für Unternehmensleitung

 

Die technische Einführung von KI ist aber nur ein Teil einer größeren Transformation in Energieunternehmen. Denn auch in der Mitarbeiterschaft kommt es zu Veränderungen. Dabei müssen Manager klare Zielbilder definieren. "Der kritische Erfolgsfaktor ist nicht die Technologie. Es ist Unternehmenskultur und Führung", ist Gehrmann überzeugt. Dies sei der Kitt, der alles zusammenhalte und Top-Talente anziehe.

 

Die Übertragungsnetzbetreiber haben sich hier in den letzten Jahren gut positioniert, findet der Atreus-Partner. Insgesamt gehen sie mit KI "sehr verantwortungsvoll und pragmatisch" um. Im Fokus stehe nicht der Einsatz von KI, sondern der messbare Beitrag zu mehr Netzstabilität, Effizienz und Versorgungssicherheit. /hp

 

Das vollständige Interview mit Uwe Gehrmann, Partner und Leiter der Solution Group IT, Digitalisierung, Data bei Managementberatung Atreus lesen Sie im Add-on Markt & Industrie.

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