Hochtemperatur-Supraleiter für deutsche Fusionsenergie
München/Tokio (energate) - Das Münchner Kernfusions-Start-up Proxima Fusion und Fujikura, ein japanischer Hersteller von Hochtemperatur-Supraleitern (HTS), haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Diese bildet die Basis für den Aufbau einer großindustriellen HTS-Band Produktion. HTS-Band ist eine entscheidende Komponente für leistungsstarke Magnete, wie sie auch für Fusionsanlagen vonnöten sind. Supraleiter leiten Strom unterhalb bestimmter Temperaturen ohne elektrischen Widerstand. HTS erreichen diese Eigenschaft bei höheren Temperaturen als normale Supraleiter und bleiben auch in starken Magnetfeldern effektiv, wie es sie bei der Magnetfusion gibt.
Die industrielle Ansiedlung soll in Niedersachsen erfolgen. Der nun in Tokio im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz und der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi unterzeichneten Absichtserklärung war eine Vereinbarung zwischen dem Land Niedersachsen und Proxima Fusion vorausgegangen. Für den Bau eines Werks für die HTS-Band-Produktion sollen bis 2029 Investitionen in Höhe von 140 Mio. Euro fließen. Die Landesregierung schießt 21 Mio. Euro zum geplanten Investitionsbudget zu. Aber: Die vom Land zugesagten Fördermittel sind unter anderem mit der Forderung verbunden, dass das Münchener Start-up einen Projektpartner findet, der Expertise in der Produktion von HTS-Band einbringt. Diesen Partner hat Proxima Fusion nun in Fujikura gefunden.
Proxima-Fusion wird zum Ankerkunden
Das Münchener Start-up benötigt rund 20.000 Kilometer HTS-Band für seinen Fusionsdemonstrator Alpha. Weitere 40.000 Kilometer benötigt das Unternehmen für das geplante Fusionskraftwerk Stellaris. Mit einem Bedarf von etwa 60.000 Kilometern HTS-Band ist Proxima Fusion damit Ankerkunde für den industriellen Hochlauf der deutschen HTS-Band-Produktion. Der Schritt von der Fusionsforschung hin zum Kraftwerksbetrieb wird die Nachfrage nach fusionsgeeignetem HTS-Band steigern und weltweit zusätzliche Produktionskapazitäten erfordern, so das Unternehmen.
"Europas Ambitionen in der Fusionsenergie hängen von industriellen Fähigkeiten ab, die wir heute aufbauen müssen. Dazu gehört die Lieferkette, die für ein Fusionskraftwerk bereits Jahre vor dem Kraftwerk selbst stehen muss", sagte Francesco Sciortino, Proxima-Fusion-CEO. Deshalb arbeite das Unternehmen an der Verfügbarkeit von HTS-Band. "Für den Einsatz von Fusionsenergie wird eine industrielle Basis benötigt, die leistungsfähiges HTS-Band zuverlässig und in großen Mengen bereitstellen kann", ergänzte Naoki Okada, Präsident und CEO von Fujikura. Derzeit wird HTS-Band überwiegend außerhalb von Europa hergestellt. Für den Bau des Demonstrationsprojektes "Alpha" sammelte das Start-up kürzlich erst weitere 411 Mio. Euro ein. "Alpha" soll zusammen mit dem Freistaat Bayern, dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) und dem Energiekonzern RWE entstehen.
Deutschland und Japan wollen bei kritischen Rohstoffen kooperieren
Passend dazu vermeldete das Bundeswirtschaftsministerium, dass Deutschland und Japan ihre Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen intensivieren wollen. Dies besiegelten das Bundeswirtschaftsministerium und das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie in einer gemeinsamen Absichtserklärung. Unterzeichnet wurde diese von Stefan Rouenhoff, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Japan-Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Ziel der Partnerschaft ist es "verlässliche, resiliente und diversifizierte Lieferketten für kritische Rohstoffe aufzubauen", um die Industrien beider Länder langfristig besser abzusichern. Erreicht werden soll dies unter anderem über gemeinsame Abnahmevereinbarungen, die Realisierung von Ko-Finanzierungen sowie Maßnahmen zur Stärkung der Lieferketten beider Staaten. Der deutschen und japanischen Industrie soll darüber hinaus vor allem ermöglicht werden, stärker bei der Rohstoffbeschaffung zu kooperieren und dadurch die Finanzierung von neuen Rohstoffprojekten - auch in Drittstaaten - zu ermöglichen. sr /lm