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Hitze und Niedrigwasser: Gefahr für deutsche Kraftwerke?

Essen (energate) - Hohe Temperaturen, niedrige Wasserstände - der Sommer hat Europa derzeit fest im Griff. Nachdem die Axpo das Kernkraftwerk Beznau in der Schweiz wegen der Hitze vollständig vom Netz nehmen musste und das ungarische Kernkraftwerk Paks aufgrund historisch niedriger Wasserstände der Donau erstmals seit 44 Jahren vollständig abgeschaltet wurde, lohnt sich ein Blick nach Deutschland. Wie ist die Lage bei Steag, Uniper, EnBW und RWE? Eine energate-Umfrage unter deutschen Kraftwerksbetreibern zeigt, dass auch in Deutschland erste Auswirkungen der Hitze zu spüren sind.

 

Bei niedrigeren Wasserständen heizen sich Flüsse schneller auf, wodurch die Verfügbarkeit einzelner Kraftwerke an besonders heißen Tagen eingeschränkt sein kann. So etwa dürfen die Betreiber den Flüssen ab gewissen Temperaturen kein Kühlwasser mehr entnehmen. Gleichzeitig können niedrigere Wasserstände die Transportkapazitäten der Binnenschifffahrt einschränken und somit auch den Transport von Kohle beeinflussen. Die Transportkosten von Rotterdam nach Karlsruhe beispielsweise stiegen in der vergangenen Woche nach Angaben des Analysehauses power2market von rund 45 Euro/t Ende Juni auf 60 bis 70 Euro/t. 

 

Eingeschränkte Binnenschifffahrt erschwert den Kohletransport

 

"Im Zuge der aktuellen Niedrigwassersituation werden im Bereich Kaub derzeit Pegelstände erreicht, welche die Befahrbarkeit des Rheins für die gesamte Schifffahrt stark einschränken", erklärte eine Sprecherin der EnBW gegenüber energate. Eine Belieferung der EnBW-Standorte sei aktuell noch möglich, allerdings mit geringer Zuladung. Zusätzlich seien die Kraftwerke auch an die Gleisanlagen der Bundesbahn angeschlossen, eine Belieferung per Schiene sei dementsprechend ebenfalls möglich. "In Anbetracht der Gesamtsituation nutzen wir Phasen, in denen die Kraftwerksblöcke nicht im Einsatz sind, um Vorräte an EnBW-Kraftwerken aufzubauen beziehungsweise diese zu stabilisieren", sagte die Sprecherin. 

 

Uniper hingegen erklärte auf energate-Anfrage, dass die eingeschränkte Binnenschifffahrt auf die Kohlekraftwerke des Unternehmens derzeit keine Auswirkungen habe. "Unsere deutschen Kohlekraftwerke werden als Reservekraftwerke vorgehalten und nur in begrenztem Umfang eingesetzt. Zudem werden die Sommermonate vielfach für planmäßige Revisions- und Wartungsarbeiten genutzt. Eine Einschränkung des Kraftwerksbetriebs aufgrund von Kohleengpässen stellt sich daher aktuell nicht", sagte eine Uniper-Sprecherin gegenüber energate. Die Standorte verfügten zusätzlich über ausreichende Brennstoffvorräte sowie Vorsorgemaßnahmen. Generell ist auch hier die Lieferung per Schiene möglich, so die Sprecherin: "Am Kraftwerksstandort Scholven erfolgt die Kohleversorgung ausschließlich per Schiene und ist somit nicht von Rheintransporten abhängig. Am Standort Staudinger kann die Brennstoffversorgung bei Bedarf ebenfalls über den Schienenweg sichergestellt werden."

 

Die Wetterlage habe keine signifikanten Auswirkungen auf den Betrieb der eigenen Kraftwerke, so die Steag. "Unsere großen Marktkraftwerke in Duisburg-Walsum (Steinkohle) und Herne (Gas) sind im Sommer regelmäßig im Einsatz", sagte ein Konzernsprecher gegenüber energate. Aufgrund moderner Technik, wie etwa Kreislaufkühlung anstelle von Durchflusskühlung, hätten die Kraftwerke einen deutlich geringeren Kühlwasserbedarf. Gravierender als die Temperaturen seien die niedrigen Pegelstände. "Dadurch können Binnenschiffe nur einen Teil der normalen Frachtmengen laden. Entsprechend häufiger pendeln die Schiffe etwa zwischen Amsterdam und Duisburg."

 

Auch wenn die sechs Reservekraftwerke der Steag in NRW und im Saarland zwar immer einsatzbereit seien, laufen sie nur dann, wenn es für die Stabilisierung des Stromnetzes erforderlich ist. "Das ist im Herbst und Winter häufig der Fall, weil die Stromerzeugung aus Wind und Sonne nicht ausreicht. Im Sommer sind die Kraftwerke jedoch seltener in Betrieb. Hinzu kommt, dass unsere Kraftwerke im Saarland über die Schiene beliefert werden. Hier haben also auch die Pegelstände keinen direkten Einfluss."

 

Wasserkraft leidet stärker

 

Deutlich stärker betroffen sind Kleinwasser- und Laufwasserkraftwerke. "Die Kleinwasserkraftwerke sind aufgrund des Wassermangels bis auf wenige Ausnahmen außer Betrieb", sagte die EnBW-Sprecherin. Am Rhein und der Iller passe die EnBW den Kraftwerksbetrieb sowie die Fahrweise an die geringen Abflüsse an, alle Standorte werden durchgehend überwacht. "Dabei hat die Gewährleistung der Versorgungssicherheit für uns jederzeit höchste Priorität", so die Unternehmenssprecherin. 

 

Ähnlich äußerte sich auch der RWE-Konzern. Dass die Erzeugung der Laufwasserkraftwerke mit den saisonalen Veränderungen im natürlichen Abfluss der Flüsse korreliere, sei normal. "Daher liegen die Produktionsmengen in Laufwasserkraftwerken derzeit, wie erwartet, deutlich unter dem Niveau des Herbstes und Winters", sagte eine Konzernsprecherin gegenüber energate. Diese Phase nutze RWE für geplante Revisionsmaßnahmen, die das Unternehmen so ohne zusätzliche Erzeugungsverluste durchführen könne.

 

Hitze setzt auch Österreich und Ungarn zu

 

Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich setzt die anhaltende Trockenheit der Wasserkraft zu. So rutschte die österreichische Wasserkrafterzeugung auf einen historischen Tiefstand. Der Erzeugungskoeffizient der Wasserführung liegt seit Jahresbeginn bei rund 0,65. Besonders die niedrigen Pegelstände der Donau haben Auswirkungen auf die Wasserkraftwerke, etwa das Verbund-Wasserkraftwerk Greifenstein. Dort sind bereits mehrere Turbinen außer Betrieb.

 

Der niedrige Pegelstand der Donau hat auch in Ungarn Auswirkungen: Zum ersten Mal seit 44 Jahren wird das gesamte Kernkraftwerk Paks aufgrund von historisch niedrigen Wasserständen der Donau vollständig abgeschaltet. Dies teilte Péter Magyar, Ministerpräsident von Ungarn, auf der Social-Media-Plattform X mit. "Ab Montag könnte eine Energiekrise entstehen. Koordinierte Maßnahmen und freiwillige Zurückhaltung sind erforderlich, um schwerwiegendere Folgen zu vermeiden. Wir zählen auf alle", so Magyar. /sr

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