Heizungsbranche warnt vor Folgen der Förderkürzungen
Berlin (energate) - Die Förderung von Wärmepumpen und anderen klimafreundlichen Heizungen soll nach Plänen der Bundesregierung in den nächsten Jahren deutlich sinken. Die Heizungsindustrie warnt davor, dass Investitionen in den Gebäudebestand ausgebremst werden. "Nach zwei herausfordernden Jahren zeigt der Heizungsmarkt erstmals wieder Anzeichen einer Stabilisierung. Diese Entwicklung darf nicht durch kurzfristige Änderungen der Förderbedingungen gefährdet werden", heißt es vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) auf Anfrage von energate. Die Förderung müsse weiterhin einen ausreichenden Investitionsanreiz bieten, damit Eigentümer in moderne, effiziente und klimafreundliche Heizsysteme investierten.
Im Jahr 2025 war der Heizungsabsatz in Deutschland so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr. Vor allem die Wärmepumpenbranche konnte sich aber zuletzt über etwas Rückenwind im Zuge des Gaspreisanstiegs als Folge des Iran-Krieges freuen. "Gerade in der aktuellen Phase der Marktstabilisierung sollten Anpassungen an der Förderung mit Augenmaß erfolgen", heißt es vom BDH. Investitionssicherheit sei die zentrale Voraussetzung dafür, dass die Modernisierung des Gebäudebestands weiter vorankomme und die klimapolitischen Ziele erreicht würden.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) verlangt auf Anfrage von energate "eine nahtlose und verbraucherfreundliche Umstellung auf die neuen Förderbedingungen". Eine Aussetzung der Antragsmöglichkeit wäre ein falsches Signal an Verbraucherinnen und Verbraucher, Fachhandwerk und alle anderen Marktteilnehmer. Diese bräuchten ausreichend Zeit, um die neuen Förderbedingungen einzuordnen und verlässlich zu kommunizieren. "Gerade im Zusammenspiel mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz darf die Umstellung nicht zu Verunsicherung führen", heißt es vom BWP.
Deutliche Degression der Förderung
Zuvor war aus einer Vorlage für eine Sitzung des Haushaltsausschusses im Bundestag am Mittwoch (8. Juli) hervorgegangen, dass der Bund rund 2,1 Mrd. Euro bis 2030 bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sparen möchte. Die Nachrichtenagentur "DPA" hatte zuerst über die Pläne berichtet. Bisher ist beim Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung eine staatliche Förderung bis zu 70 Prozent möglich.
Die geplanten Änderungen der BEG sehen eine deutliche Degression der Förderung über die kommenden Jahre vor. Künftig soll der Einkommensbonus stärker nach dem zu versteuernden Haushaltseinkommen gestaffelt werden. Haushalte mit einem Einkommen bis 30.000 Euro sollen künftig einen Bonus von 40 Prozent erhalten. Für Einkommen zwischen 30.000 und 40.000 Euro bleibt der Fördersatz bei 30 Prozent. Neu ist ein Einkommensbonus von 10 Prozent für Haushalte mit einem Einkommen bis 50.000 Euro. Zudem soll das maßgebliche Einkommen für im Haushalt lebende minderjährige Kinder einmalig um 10.000 Euro reduziert werden.
Local-Content-Bonus ab 2027
Bei der Heizungsförderung sinkt die förderfähige Investitionssumme zum Start der Neuregelung von 30.000 auf 28.000 Euro und wird anschließend alle sechs Monate um weitere 750 Euro reduziert. Gleichzeitig soll der Klimageschwindigkeitsbonus von derzeit 20 Prozent ab dem Neustart alle sechs Monate um vier Prozentpunkte sinken. Der Effizienzbonus für Wärmepumpen und der Emissionsminderungszuschlag für Biomasseheizungen sollen entfallen. Stattdessen ist ein Bonus von 15 Prozent für europäische Wärmepumpen vorgesehen (Local Content), während die Grundförderung im gleichen Umfang abgesenkt werden soll.
Gefördert werden soll künftig nur noch der Austausch fossiler Heizungen gegen erneuerbare Systeme. Der Ersatz von Fernwärmeanschlüssen oder erneuerbaren Heizungen, die ab 2008 gebaut wurden, soll nicht mehr förderfähig sein. Beim Austausch älterer erneuerbarer Heizungen, die vor 2008 in Betrieb gingen, sollen die anrechenbaren Kosten halbiert werden. Weitere Neuerungen betreffen beispielsweise die Degression der förderfähigen Kosten für Effizienzmaßnahmen bei Mehrfamilienhäusern. Der BWP begrüßt die Einführung des Local-Content-Bonus ab dem Jahr 2027. Damit unterstütze die Bundesregierung die industrielle Wertschöpfung der europäischen Wärmepumpenbranche und knüpfe zugleich an den europäischen Ansatz des Industrial Accelerator Acts (IAA) an.
Zwischen Verunsicherung und Planungssicherheit
Kritik kommt aus der Opposition. Schon im Zusammenhang mit der Vorstellung des Bundeshaushalts für 2027 durch Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte die Grünen-Politikerin Katrin Uhlig vor fatalen Folgen für die Wärmewende gewarnt. Der Finanzminister hatte bekannt gegeben, dass Finanzhilfen abgebaut werden und dies auch Kürzungen beim Klima- und Transformationsfonds (KTF) bedeute, aus dem die Heizungsförderung finanziert wird. Die Koalition hatte hier bereits Einschnitte angedeutet, obwohl sie im Zusammenhang mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz stets von einer "auskömmlichen" Heizungsförderung bis mindestens 2029 gesprochen hatte. Die Grünen befürchten, dass durch Kürzungen Verunsicherung entsteht.
Wärmepumpenanbieter wie Enpal oder Octopus Energy zeigen sich mit der Entscheidung zur Förderung zufrieden. Sie gebe Planungssicherheit, heißt es von Enpal. Um emissionsarmes Heizen dauerhaft wettbewerbsfähig zu machen, müsse an der CO2-Bepreisung festgehalten werden. "Positiv ist der verlässliche Fahrplan bei der Absenkung der förderfähigen Kosten", sagte Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany. Das bringe den Markt dazu, Wärmepumpen künftig günstiger anzubieten. Allerdings werde die Umsetzung durch die vielen neuen Detailregelungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher unnötig komplex und undurchsichtig. /ck/dpa