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Grüüün stellt Betrieb ein

Rugendorf (energate) - Münch Energie gibt ihre bundesweite Ökostromvertriebsmarke Grüüün auf. Wirksam wird der Rückzug vom Markt zum 31. Oktober 2026. Nach eigenen Angaben erschweren politische und regulatorische Veränderungen die langfristige Planung der Grünstromerzeugung. Grüüün könnte damit nicht gänzlich allein bleiben, warnen Marktbeobachter. Die Geschäftsaufgabe dürfte rund 200.000 Kunden betreffen. Mitte des laufenden Jahres hatte Grüüün verkündet, diese Marke nach zwei Jahren am Markt geknackt zu haben. 

 

Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen damit geworben, die Stromsteuer für Neukunden zu erlassen. Flankierend erklärte die Unternehmensführung, dafür auf Gewinnmaximierung zu verzichten: "Wir wollen kostendeckend arbeiten und müssen keine großen Margen erzielen", sagte dazu Geschäftsführer Thorsten Schliesche im energate-Interview zum Start von Grüüün im Herbst 2024.

 

Sofern sich die betroffenen Kunden bis Ende Oktober nicht für einen neuen Anbieter entscheiden, fallen sie in die gesetzliche Grundversorgung. Grüüün hat nach eigenen Angaben mit Naturwerke, einem Alternativanbieter, Sonderkonditionen vereinbart. Kunden können aber auch zu jedem anderen Versorger wechseln.

 

Branchenweite Kritik an der Energiewende-Politik

 

Als Grund für den Rückzug nennt Grüüün mehrere politische Entscheidungen der letzten Monate. Außerdem würde das geplante Erneuerbare-Energien-Gesetz 2027 die Grünstromerzeugung auf Jahre behindern. Auch das angekündigte Netzpaket 2027 gefährde aus Sicht des Unternehmens den Ausbau erneuerbarer Energien. "Für Grüüün bedeutet dies, dass eingeplante Grünstrommengen so zukünftig niemals erzeugt werden und wir daher unser nationales Angebot für Verbraucher jetzt aufgeben müssen", schreibt Grüüün auf der Unternehmens-Website.

 

Das Unternehmen ist nicht allein mit dieser Einschätzung. Mitte September 2026 warnten 18 Bankinstitute, darunter Commerzbank, Deutsche Kreditbank (DKB), GLS Bank und Vertreter der Sparkassen und Volksbanken, in einem Brief an die Bundeswirtschaftsministerin vor den geplanten Regelungen. Die Institute begründen ihre Kritik mit der hohen Kapitalintensität der Energiewende: Langfristige Projektfinanzierungen benötigten stabile und verlässlich prognostizierbare Cashflows. Genau diese Grundlage sehen die Banken durch die geplanten Maßnahmen gefährdet.

 

Auch der Bundesrat äußerte am 1. Oktober Bedenken und forderte tiefgreifende Nachbesserungen. Die Bundesregierung wies diese Bedenken jedoch am folgenden Tag zurück. Bereits im Mai 2026 hatten sich 16 Energieminister der Bundesländer geschlossen gegen die Pläne der Bundeswirtschaftsministerin gestellt, ohne Erfolg.

 

Weitere Ausfälle möglich?

 

Klaus Kreutzer, Geschäftsführer des Beratungshauses Kreutzer Consult, warnte via "LinkedIn", dass weitere Vertriebe ebenfalls bald aufgeben könnten. Neben den politischen Rahmenbedingungen seien vor allem die Beschaffungsrisiken im Stromvertrieb ein kritischer Faktor, ordnete Kreutzer in seinem Posting ein. Steigende Preise an den Energiebörsen könnten weitere Versorger unter Druck setzen. Besonders gefährdet seien Anbieter, die Strom kurzfristig beschaffen, ihren Kunden aber langfristige Preisgarantien geben, kommentierte er in seiner Reaktion auf die Ankündigung von Grüüün. Insofern wecke der Rückzug Erinnerungen an die Energiepreiskrise von 2021/22. Damals hatten sich Discounter kurzfristig zurückgezogen und ihre Kunden zum Teil in großem Stil den Grundversorgern überlassen. Einzelne Klagen von Grundversorgern gegen dieses Vorgehen blieben zum Teil erfolglos.

 

Dennoch: Ob die Einstellung der Belieferung durch Grüüün rechtmäßig sei, müsse geprüft werden, merkte Kreutzer auf Linkedin an. Er verwies auf mögliche Fragen zur Einhaltung der Ankündigungsfrist gegenüber der Bundesnetzagentur und auf bestehende Preisgarantien. Diese Aspekte seien allerdings von der grundsätzlichen Branchenentwicklung zu unterscheiden. Entscheidend sei, dass Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage frühzeitig erkennen. Denn dann ließen sich noch andere Lieferanten für das Kundenportfolio suchen und die Abwicklung geordnet organisieren, so die Einschätzung des Beraters. Gelinge das nicht, drohe die Insolvenz. /hp

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