Größte Windenergieanlage der Welt erreicht Baufortschritt
Schipkau (energate) - Die größte Windkraftanlage der Welt entsteht derzeit im brandenburgischen Schipkau. Im Endausbau soll die Anlage 365 Meter hoch sein, mit einer Nabenhöhe von 300 Metern. Seit dem 16. Juli ist der Rohbau der Stahlkonstruktion fertig. Damit ist der Turm auf nunmehr ca. 167 Meter Höhe angewachsen. Die Anlage werde eine Leistung von 3,8 MW haben, erläuterte Martin Storm, Mitarbeiter beim Erbauer der Anlage, der Ingenieursgesellschaft Gicon aus Dresden, gegenüber energate. Gemessen an der Höhe ist das relativ wenig. Aber: Aufgrund ihrer Höhe könne die Anlage die konstanteren und stärkeren Höhenströme nutzen. Das Unternehmen spricht deshalb von einer "nahezu grundlastfähigen" Stromproduktion.
Gicon rechnet mit einem jährlichen Stromertrag von 30 bis 33 Mio. kWh. Damit sei der Energieertrag im Vergleich zu herkömmlichen Windenergieanlagen bei gleichem Rotordurchmesser mehr als doppelt so hoch. Zudem nehme die Höhenwindkraftanlage den benachbarten, kleineren Windkraftanlagen keinen Wind weg. Gicon wirbt damit, dass mit der Anlagenklasse künftig eine dreifache energetische Nutzung der gleichen Fläche möglich sei: zwei Ebenen von Windkraftanlagen kombiniert mit Solarparks auf dem Boden desselben Geländes.
Gitterturm mit Teleskoptechnik
Bei der Höhenwindanlage kommt ein Gitterturm in Teleskopbauweise zum Einsatz. Das heißt, innerhalb des unteren Turmteils wird zunächst ein schmalerer Turm montiert, der dann ausgefahren wird. Diese Teleskopbauweise ermögliche erst die Höhe, erläuterte der Gicon-Mitarbeiter. Denn für solche hohen Höhen gebe es keine Kräne. Gittertürme kamen bereits bei Windenergieanlagen der ersten Generation zum Einsatz. In Deutschland sind sie mittlerweile aber kaum noch zu finden. Grund ist laut Bundesverband Windenergie die Montage. Diese ist zwar durch den geringeren Materialeinsatz einfacher, dauert aber länger. Daher seien die Personalkosten höher. Gittertürme würden deshalb in Europa nur für sehr hohe Türme eingesetzt.
Nach den nun abgeschlossenen Stahlbauarbeiten an Innen- und Außenmast folgt zunächst die Installation der Turbine sowie die Montage der Rotorblätter. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann die Teleskopierung des Innenturms erfolgen. Dabei wird der Turm auf seine finale Höhe ausgefahren und wächst auf die Gesamthöhe von rund 365 Metern. Die Nabenhöhe liegt bei 300 Metern. Mit Fertigstellung im Herbst dieses Jahres wird der Gicon-Höhenwindturm nach Angaben der Erbauer damit die höchste Windenergieanlage der Welt sein.
Einjährige Windmessung
Wobei es nicht bei der einen Windkraftanlage bleiben soll: Derzeit misst Gicon am Standort Jüchen (NRW) ebenfalls die Höhenwinde in 300 Metern Höhe. Im August würden die einjährigen Messungen abgeschlossen und der Messmast werde an einen weiteren Standort umziehen, kündigte der Mitarbeiter an. Auch in Schipkau, einem ehemaligen Braunkohlestandort, war dem Bau eine einjährige Windmessung vorausgegangen. Die Anlage zur Messung der Höhenwinde wird mit Seilspanntechnik errichtet. /sd