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Geretsried muss Fernwärmepläne neu bewerten

Geretsried (energate) - Der geplante Aufbau einer Fernwärmeversorgung auf Basis von Erdwärme im bayerischen Geretsried steht auf der Kippe. Der lokale Wärmeversorger, die Isar Loisach Naturwärme GmbH, sieht sich gezwungen, die zu erwartende Wärmeleistung sowie die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens neu zu bewerten. Zuvor hatte der Geothermieentwickler Eavor den Bau eines zweiten sogenannten Loops auf unbestimmte Zeit verschoben und die Bohranlagen vorerst abgezogen. Eine verlässliche Zusage von Eavor zur Realisierung des zweiten Loops liege derzeit nicht vor, teilte die Wärmegesellschaft mit. Das Unternehmen habe am 13. Oktober angekündigt, die Bohranlagen vorerst abzuziehen. Damit verschiebe sich die Errichtung des zweiten Loops auf unbestimmte Zeit. Laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks begründet Eavor diesen Schritt mit den hohen Kosten für Bohranlagen und die damit verbundenen Dienstleistungen.

 

Technische Probleme beim ersten Loop

 

Mit dem Projekt in Geretsried will Eavor nachweisen, dass sich Erdwärme auch an Standorten ohne natürlich vorkommendes Thermalwasser wirtschaftlich erschließen lässt. Bei der sogenannten Eavor-Loop-Technologie zirkuliert Wasser in einem geschlossenen unterirdischen Rohrsystem und nimmt Wärme aus dem Gestein auf. Diese wird mithilfe eines ORC-Kraftwerks (Organic Rankine Cycle) in Strom umgewandelt. Die Anlage verfügt über eine elektrische Leistung von rund 8,2 MW.

 

Im Dezember 2025 speiste die Anlage erstmals Strom in das öffentliche Netz ein. Grundlage dafür ist ein erster Loop mit zwei vertikalen und sechs horizontalen Bohrungen. Bereits bei dessen Errichtung war es jedoch zu technischen Problemen gekommen. Nach Angaben von Eavor waren die beiden vertikalen Stammbohrungen nicht ausreichend zementiert. Infolgedessen gelangten Flüssigkeiten und Bohrklein in bereits fertiggestellte horizontale Abschnitte. Die Arbeiten mussten daher nacheinander statt parallel erfolgen, was den Zeit- und Kostenaufwand erheblich erhöhte.

 

Alternativen werden geprüft

 

Für den Einstieg in die Fernwärmeversorgung ist der zweite Loop nach Angaben der Isar Loisach Naturwärme GmbH von zentraler Bedeutung. Solange Baufortschritt, Finanzierung und Zeitplan aber unklar seien, lasse sich weder ein belastbarer Starttermin für die Wärmelieferung nennen noch eine Aussage über den großflächigen Ausbau des Wärmenetzes treffen.

 

Die Isar Loisach Naturwärme hatte 2024 mit Eavor einen Wärmeliefervertrag über 81.200 MWh pro Jahr abgeschlossen. Dieser basiere auf den damals vorgesehenen Leistungsdaten, dem Zeitplan und dem geplanten Projektumfang, heißt es aus Geretsried. Da sich diese Rahmenbedingungen aufseiten Eavors inzwischen mehrfach verändert hätten, müsse die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens nun erneut überprüft werden. Die Gesellschafterversammlung werde sich kurzfristig mit dem Thema befassen.

 

Gemeinsam mit der Stadt Geretsried prüft das Unternehmen derzeit die weiteren Optionen. Dazu zählen sowohl eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Eavor als auch alternative oder ergänzende Lösungen zur Wärmeerzeugung. Ziel bleibe eine sichere, wirtschaftliche und klimafreundliche Wärmeversorgung für die Stadt. Die Isar Loisach Naturwärme GmbH ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft der Stadtwerke Geretsried und der Energie Südbayern. /tc

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