Gemeindewerke Steißlingen stellen Stromvertrieb ein
Steißlingen (energate) - Die Gemeindewerke Steißlingen ziehen sich aus dem Stromvertrieb zurück. Der Gemeinderat hat beschlossen, das Vertriebsgeschäft zum 31. Dezember 2026 einzustellen, wie die baden-württembergische Ortschaft bekannt gab. Als Gründe nennt die Kommune den zunehmenden regulatorischen Aufwand, steigende Kosten sowie sinkende Absatzmengen, die den wirtschaftlichen Betrieb eines kleinen kommunalen Energievertriebs zunehmend erschweren. "Die Veränderungen im Energiemarkt und die stetig steigenden Anforderungen kamen jedoch in einer Geschwindigkeit, die für einen kleinen kommunalen Energievertrieb kaum noch zu bewältigen war", sagte Bürgermeister Benjamin Mors.
Im Raum standen entweder erhebliche Investitionen in Personal und Digitalisierung oder ein geordneter Rückzug aus dem Vertriebsgeschäft. Angesichts unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven habe sich der Gemeinderat für die zweite Variante entschieden, um finanzielle Risiken für die Gemeindewerke und die Kommune zu begrenzen. Denn nach Angaben der Gemeindewerke ist der Stromabsatz in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Während 2019 noch rund 8 Mio. kWh verkauft wurden, lag die Absatzmenge 2025 bei etwa 6,8 Mio. kWh, was einem Rückgang von rund 15 Prozent entspricht. Gleichzeitig seien die Anforderungen an Personal, IT-Systeme und regulatorische Prozesse kontinuierlich gestiegen.
Konzentration auf Erneuerbare und Wasserversorgung
Künftig wollen sich die Gemeindewerke auf ihre Kernaufgaben in der Wasserversorgung sowie auf ihre Beteiligungen im Bereich der erneuerbaren Energien konzentrieren. "Mit dieser Entscheidung schaffen wir langfristige Planungssicherheit für die Gemeindewerke und richten sie auf die Aufgaben aus, die wir auch künftig wirtschaftlich und verantwortungsvoll erfüllen können", sagte Bürgermeister Mors.
Für Bestandskunden besteht zunächst kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Die Stromversorgung bleibe auch über das Ende des Vertriebs hinaus gewährleistet. Sollte bis Ende 2026 kein neuer Liefervertrag abgeschlossen werden, übernimmt ein von den zuständigen Behörden bestimmter Grundversorger automatisch die Belieferung.
Zur Unterstützung beim Lieferantenwechsel bauen die Gemeindewerke zudem ihre Zusammenarbeit mit der Thüga Energie aus. Zwischen dem 15. Juni und dem 3. Juli 2026 bietet das Unternehmen Beratungen in den Räumen der Gemeindewerke an. Zusätzlich steht das Kundenzentrum in Singen als Anlaufstelle zur Verfügung.
Steißlingen kein Einzelfall
Mit dem Rückzug aus dem Stromvertrieb reiht sich Steißlingen in eine Entwicklung ein, die in den vergangenen Jahren bei kleineren kommunalen Versorgern zunehmend zu beobachten ist. So verabschiedeten sich die Stadtwerke Laufenburg bereits 2022 und die mittelfränkische Gemeinde Röttenbach 2023 von ihrem Stromvertrieb. Auch die Stadtwerke Löffingen und die Energieversorgung Südbaar (ESB) aus Baden-Württemberg beendeten den Vertrieb. Als Gründe nannten alle die wachsenden regulatorischen Anforderungen, Digitalisierungspflichten, höhere IT-Sicherheitsstandards, Volatilität der Strompreise sowie einen intensiven Wettbewerb im Vertrieb. Diese erhöhen den wirtschaftlichen Druck insbesondere auf Unternehmen mit vergleichsweise geringen Absatzmengen. Viele kommunale Versorger setzen daher verstärkt auf Kooperationen oder konzentrieren sich auf ihre traditionellen Infrastrukturaufgaben. /hp