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Gasspeicherziel wird teils gerissen - ohne Folgen

Berlin (energate) - 13 Gasspeicheranlagen werden ihre gesetzlich vorgegebenen Füllstandsziele zum Stichtag 1. November verfehlen. Allerdings erwarten weder das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), die Bundesnetzagentur, der Gasmarktgebietsverantwortliche THE noch der Händlerverband Efet dadurch Versorgungsprobleme im nahenden Winter. "Nach aktueller Einschätzung ist davon auszugehen, dass Deutschland gut durch den Winter kommt", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums zu energate. Auch die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung "weiterhin als gering" ein, bekräftigte eine Behördensprecherin. Angesichts der historisch niedrigen Speicherfüllstände will THE die Marktlage in den kommenden Wochen "engmaschig beobachten".

 

Grund für die gesetzlichen Vorgaben war die Sicherung der Energieversorgung nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022. Die russischen Erdgaslieferungen blieben aus, Erdgaspreise gingen durch die Decke, die Bundesnetzagentur bereitete sich als Bundeslastverteiler auf den Ernstfall der Drosselungen vor. Sowohl die EU als auch Deutschland setzten per Gesetz Füllstandsziele für die kommenden Jahre, um sicher durch den Winter zu kommen. Für die meisten Speicheranlagen in Deutschland gilt gemäß der Gasspeicherfüllstandsverordnung eine Zielvorgabe von 80 Prozent zum Stichtag 1. November. Für sechs Speicher, darunter der größte deutsche in Rehden, gilt eine abgesenkte Marke von 45 Prozent, weshalb der bundesweite Schnitt rechnerisch unter 80 Prozent liegen darf - mit rund 70 Prozent.

 

Nach energate-Auswertung werden 13 Anlagen ihre Ziele verfehlen, darunter Rehden, der statt zu 45 nur zu 18,92 Prozent gefüllt ist, Betreiber ist hier die staatliche Sefe. Zudem sind die beiden bayerischen Speicher Breitbrunn (9,82 %) und Wolfersberg (0,39 %) sehr leer, die ihre Betreiber Uniper und Bayernugs wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit bereits zur Stilllegung angemeldet hatten. Drei Anlagen im ostfriesischen Etzel (MET Speicher, Uniper und OMV) liegen ebenfalls unter Plan, ebenso die Standorte Jemgum und Nüttermoor (EWE).

 

20 Anlagen über 80 Prozent

 

Auf der anderen Seite haben viele andere ihre Ziele erreicht, wie die Bundesnetzagentur betont. "Bei der Betrachtung einzelner Speicher zeigt sich ein differenzierteres Bild - einige Speicher liegen auch deutlich über 80 Prozent", sagte die Behördensprecherin zu energate. Welche Gasspeicher die Händler buchen und nutzen, sei insbesondere vom Marktwert der Anlagen abhängig. Im bundesweiten Durchschnitt werden derzeit nur 61,7 Prozent erreicht (152,5 TWh) und damit etwa neun Prozent weniger als das Gesetz verlangt.

 

Theoretisch könnte das Bundeswirtschaftsministerium also den Marktgebietsverantwortlichen beauftragen, die zu leeren Speicher aufzufüllen. In Zeiten der Gaskrise 2022/2023 kaufte THE ungeachtet der damals sehr hohen Preise jenseits der 100 oder 200 Euro/MWh ein, die Kosten wurden über die Gasspeicherumlage gewälzt. Damals zum Unmut der Verbrauchenden und der Nachbarstaaten, die ebenfalls zur Kasse gebeten wurden. Auch heute liegen die Notierungen wegen des Iran-Krieges seit Kurzem wieder erstmals kurzzeitig über der 100-Euro-Marke.

 

Diversifiziertes Portfolio und LNG-Terminals ändern die Lage

 

Einen Auftrag wird THE schon aus finanziellen Gründen nicht bekommen. Auch schätzt Berlin die Lage ganz anders ein mit Blick auf die LNG-Terminals und diversifizierten Gasbezugsverträge. "Deutschland ist heute breiter aufgestellt als noch zu Beginn der Energiekrise. Gas kommt insbesondere über Pipelines aus Norwegen, über LNG-Terminals sowie über unsere europäischen Nachbarn", so die BMWE-Sprecherin. Während der Heizperiode ließen sich jederzeit zusätzliche Gasmengen aus dem Weltmarkt beziehen. Eine weitere Erweiterung erfolge durch die Inbetriebnahme des LNG-Terminals in Stade im November.

 

Zudem verwies die Sprecherin auf die zusätzlichen erfolgreichen Auktionen zur Regelenergie und die Anweisung an die bundeseigene Sefe, zusätzliches Gas einzuspeichern. THE hatte LTO-Zuschläge für knapp 245 Mio. Euro vergeben. "Diese Maßnahmen greifen teilweise erst nach dem 1. November und sind daher in den aktuellen Speicherfüllständen nicht oder noch nicht vollständig abgebildet. Sie zahlen jedoch positiv auf die Versorgungssicherheit ein, insbesondere für den Spätwinter, wenn die Speicherfüllstände sinken", führte die BMWE-Sprecherin aus.

 

Efet: Markt wird seiner Rolle gerecht

 

Auch der Händlerverband Efet kann diesem Argument etwas abgewinnen. "Die Auktionen waren größtenteils überzeichnet und führen dazu, dass das ausgeschriebene Volumen im Speicher gehalten wird", sagte die Verbandsgeschäftsführerin Anne Köhler zu energate. Trotz der Rekordpreise von derzeit knapp 100 Euro im Handel blickt sie zuversichtlich in die kommenden Wochen. "Was den Winteroutlook angeht, sind wir sicher, dass der Markt seiner Rolle gerecht wird und seine Verträge sowie Portfolien entsprechend absichert", so Köhler.

 

Ines: System ändern 

 

Eine vollkommene Entwarnung wollte der Marktgebietsverantwortliche indes nicht geben, auch wenn er die Versorgungssicherheit derzeit als nicht gefährdet einstuft. "Aus Sicht der THE kann LNG die Rolle der Speicher nicht vollständig ersetzen. Eine extreme Kältewelle am Ende des Winters stellt darüber hinaus ganz grundsätzlich ein Risiko dar", so eine Sprecherin. 

 

Im März 2027 werden die Speichervorgaben (§ 35i Satz 1 EnWG) auslaufen. Dann stellt sich die Frage, ob ein Systemwechsel im Gasspeichermarkt erforderlich ist. "Die verfehlten Füllstandsvorgaben zeigen, dass die Speicherbefüllung für kommende Winter verbindlicher abgesichert werden muss. Es ist deshalb richtig und wichtig, dass sich das Bundeswirtschaftsministerium für die Einführung einer Lieferantenverpflichtung offen zeigt", so Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Speicherverbandes Ines. In anderen Ländern müssen Lieferanten einen Teil ihrer Buchungen tatsächlich einspeichern. Ob Berlin dem Beispiel folgen wird, ist noch offen. Fest steht aber schon, dass ab dem Frühjahr 2027 eine nationale Gasreserve für Ernstfälle aufgebaut werden soll - nach längeren Debatten finanziert über eine Umlage. /mt

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