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Gasspeicher: Füllstände werden zur Herausforderung

Essen/Köln (energate) - Die niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher bereiten Marktbeobachtern zunehmend Sorgen. Sowohl das Energiewirtschaftliche Institut (Ewi) als auch das Analysehaus ICIS kommen in aktuellen Einschätzungen zu dem Ergebnis, dass das Erreichen der europäischen Speicherziele bis zum Winter deutlich anspruchsvoller geworden ist. Ursachen sind der verschärfte Wettbewerb um LNG-Lieferungen, hohe Gaspreise und weiterhin schwache Einspeicherungen. Die Versorgung sehen die Analysten zwar im kommenden Winter noch nicht ernsthaft gefährdet, sie warnen aber vor den zunehmenden Kosten der Gasbevorratung. 

 

Die Ergebnisse passen zu Einschätzungen, die zuletzt sowohl die Speicherbetreiber selbst als auch Marktbeobachter geäußert hatten. Die Initiative Energien Speichern (Ines) hält eine Befüllung der deutschen Speicher zwar weiterhin für technisch möglich. Sie verweist aber darauf, dass die vorhandenen Einspeicherkapazitäten auch genutzt werden müssen. Andreas Schwenzer, Partner bei Argon & Co, hatte gegenüber energate zudem gewarnt, dass die aktuellen Preissignale für viele Marktteilnehmer keine ausreichenden Anreize für zusätzliche Einspeicherungen schaffen.

 

Ewi: "Nicht mit genügend LNG eingedeckt"

 

Nach Berechnungen des Ewi waren die europäischen Gasspeicher Ende Juli lediglich zu rund 55 Prozent beziehungsweise rund 600 TWh gefüllt. Das ist der zweitniedrigste Wert für diesen Zeitpunkt seit 2016. Um bis Anfang November einen Füllstand von 80 Prozent (rund 875 TWh) zu erreichen, müssten innerhalb von knapp 100 Tagen noch rund 275 TWh eingespeichert werden. Dafür wäre bei gleichbleibenden Pipelineimporten mehr als eine Verdoppelung der derzeitigen LNG-Anlandungen erforderlich. Als Engpass sieht das Institut nicht die Importkapazitäten, sondern die weltweit verfügbaren LNG-Mengen.

 

Das Ewi verweist zudem auf die schwierigen Marktbedingungen. Der Frontmonat August notierte am 28. Juli bei rund 56 Euro/MWh und damit rund 80 Prozent über dem Niveau vor Beginn des Nahostkriegs. Gleichzeitig ist der Sommer-Winter-Spread negativ - Q3 notierte am 28. Juli rund 4,7 Euro/MWh über Q1 - sodass sich eine Einspeicherung für Händler wirtschaftlich kaum lohnt. Hinzu kommt, dass Asien mit höheren LNG-Preisen zusätzliche Ladungen anzieht.

 

"Europa hat genügend Importterminals aufgebaut, aber sich nicht mit genügend LNG eingedeckt. Ob die Gasspeicher rechtzeitig befüllt werden, entscheidet sich am Weltmarkt - und dort konkurriert Europa direkt mit Asien um das LNG-Angebot", sagte Hendrik Diers, Senior Research Associate am Ewi, der die Analyse erstellt hat. "Solange der Konflikt im Nahen Osten anhält und die Nachfrage nicht sinkt, bleiben die Gaspreise erhöht."

 

ICIS: Preisniveau von 60 Euro/MWh erforderlich

 

Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt ICIS. Das Analysehaus hat erstmals Szenarien berechnet, in denen Europa seine Speicherziele verfehlt, vor allem Deutschland und die Niederlande liegen laut ICIS hier zurück. Bleibt das Einspeichertempo des zweiten Quartals bestehen, würden die Speicher Anfang November lediglich einen Füllstand von rund 75 Prozent beziehungsweise etwa 820 TWh erreichen. Nach einem durchschnittlichen Winter sänken die Vorräte bis auf 273 TWh oder 25 Prozent. Im Falle eines kalten Winters blieben sogar nur noch 240 TWh beziehungsweise 22 Prozent übrig. Im Basisszenario, das eine Befüllung auf 80 Prozent unterstellt, lägen die Restbestände dagegen noch bei 343 TWh oder 32 Prozent.

 

Nach Einschätzung von ICIS ist das Erreichen der 80-Prozent-Marke zwar weiterhin möglich. Dafür müsste der TTF-Preis in den Monaten August bis Oktober allerdings im Durchschnitt bei etwa 60 Euro/MWh liegen, um ausreichend LNG nach Europa zu lenken. Würden die Speicherziele dagegen verfehlt, wären die Gaspreise im laufenden Sommer zwar niedriger. Die Belastung würde sich jedoch in das Jahr 2027 verschieben: Dann müssten nach Berechnungen von ICIS zusätzlich 24 TWh LNG nach einem normalen beziehungsweise 70 TWh nach einem kalten Winter importiert werden, um die Speicher erneut zu füllen.

 

Langfristige Auswirkungen

 

Die Analysen befeuern die Debatte um zusätzliche Vorsorgemaßnahmen. Während das Bundeswirtschaftsministerium auf die Verantwortung der Marktteilnehmer, die vorhandenen LNG-Importterminals und die geplante strategische Gasreserve verweist, halten Marktbeobachter weitere Eingriffe in den Speichermarkt für möglich, falls sich die Befüllung in den kommenden Wochen nicht beschleunigt. Die beiden Studien deuten darauf hin, dass die niedrigen Speicherstände nicht nur ein akutes Problem für den kommenden Winter darstellen, sondern auch Auswirkungen bis ins Speicherjahr 2027 haben könnten. /tc

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