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Fuel-Switch-Kraftwerke siegen bei Ausschreibung

Bonn (energate) - Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der ersten Kraftwerksausschreibung nach dem StromVKG bekannt gegeben. Demnach machen die beiden Betreiber RWE und Leag das ausgeschriebene Volumen von 4.500 MW fast allein unter sich aus. Zehn der elf erteilten Zuschläge entfallen auf die beiden Unternehmen, der elfte Zuschlag geht an die Stadtwerke Karlsruhe. Insgesamt bezuschlagte die Bundesnetzagentur Anlagen mit einem Volumen von 5.160 rMW. Zu der höheren Menge kam es, weil auch immer noch das letzte bezuschlagte Kraftwerk einbezogen wird.

 

Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert lag bei 155.296 Euro pro Megawatt reduzierter Leistung (rMW). "Reduzierte Leistung" bedeutet, dass die Bundesnetzagentur jeweils nur 85 Prozent der Leistung eines Kraftwerkes bezuschlagt. Zum Vergleich: Der zulässige Höchstwert lag bei 244.000 Euro/rMW. Insgesamt waren 41 Gebote mit einem Gesamtvolumen von knapp 12.000 MW bei der Bundesnetzagentur eingegangen, wobei die Behörde sieben dieser Gebote ausschloss.

 

Der niedrige Zuschlagswert ergibt sich vermutlich daraus, dass insbesondere die Leag wahrscheinlich sehr günstig bieten konnte. Sie erhielt sieben der elf Zuschläge und räumte damit wie erwartet das Bieterfeld weitgehend ab. Die Leag plant die sieben Anlagen an drei Standorten, einer davon ist in Bayern (Leipheim). In Jänschwalde (Brandenburg) und Boxberg (Sachsen) wird die Leag keine neuen Kraftwerke bauen, sondern einen Fuel Switch bei bestehenden Anlagen vornehmen. "Die Leag hat sehr genau das StromVKG gelesen, vielleicht auch genauer als andere", kommentierte Michael Ritzau von der Aachener Beratung BET. Ein Fuel Switch ist deutlich günstiger als ein Neubau. Die Kosten liegen dann bei etwa 20 bis 25 Prozent gegenüber einem Neubau. Leag selbst bezifferte die Kosten für alle sieben Anlagen auf 1,5 bis 2 Mrd. Euro. Wie energate aus der Branche erfuhr, war wohl nicht allen Teilnehmenden bewusst, dass auch Fuel-Switch-Projekte an den Auktionen teilnehmen können.

 

Batterien mit dabei, aber ohne Zuschlag

 

An der Ausschreibung hatten neben Gaskraftwerken auch Batteriespeicher teilgenommen. Diese kamen aber nicht zum Zuge. Nach energate-Informationen lag dies daran, dass sie preislich nicht mithalten konnten. Das bestätigt auch der Kraftwerksprojektierer Green Flexibility, der ebenfalls an der Ausschreibung teilgenommen hatte. "Unser Ziel war es, zu zeigen, dass Batteriespeicher aufgrund ihrer hohen technischen Flexibilität selbst unter Bedingungen teilnehmen können, die erkennbar auf Gaskraftwerke zugeschnitten waren", erklärte Uli Benker, Director Marketing & Communications des Unternehmens. Allerdings seien die Anforderungen so weit von den eigentlichen Stärken und dem wirtschaftlich sinnvollen Einsatzprofil der Speichertechnologie entfernt gewesen, dass ein Zuschlag unter wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen kaum noch erreichbar gewesen sei.

 

Das Ergebnis zeige daher aus seiner Sicht, dass eine formale Teilnahmeberechtigung noch lange keinen fairen Technologiewettbewerb schaffe. "Von einem fairen Wettbewerb auf Augenhöhe kann zudem kaum die Rede sein, wenn privat finanzierte, neu zu errichtende Batteriespeicher gegen Kraftwerksprojekte antreten, die teilweise auf bereits staatlich geförderte und weitgehend abgeschriebene Anlagen und Infrastrukturen zurückgreifen können", so Benker. Die Gewinnerprojekte von Leag und RWE sind allesamt für bestehende Standorte vorgesehen, deren Infrastruktur sie nutzen können. Gleichzeitig profitieren sie noch von Entschädigungen für die Stilllegung alter Kohlekraftwerke an diesen Standorten.

 

Leag gewinnt trotz Südbonus

 

Mit seinen Nordanlagen gewann die Leag sogar gegen Anlagen, die vom sogenannten Südbonus profitierten. Nachdem die Bundesnetzagentur ein Drittel der Anlagen bezuschlagt hat, muss sie Anlagen des netztechnischen Südens einen Abzug von 16.000 Euro/MW/a auf den Gebotswert gewähren. Bei der ersten Auktion war dies entsprechend ab 1.500 rMW der Fall, die Leag hat aber für ihre beiden ostdeutschen Standorte alleine rund 2.700 rMW abgeräumt. Hinzu kommt der bayerische Standort Leipheim mit 270 rMW. Damit entfallen auf Leag insgesamt knapp 3.000 rMW.

 

In der kommenden Ausschreibung wird für den Südbonus das Gesamtvolumen von 9.000 Euro zugrunde gelegt. Da davon schon fast ein Drittel (3.000 MW) bezuschlagt wurde, könnte der Südbonus schon ab der zweiten Anlage greifen. Die erste Ausschreibung zeigt aber: Günstige Anlagen im netztechnischen Norden könnten sich dann abermals trotz des Südbonus durchsetzen. Immerhin hat die Leag noch weitere sieben Anlagen an vier Kraftwerksstandorten neu ins Marktstammdatenregister eingetragen. Damit könnte auch das politische Ziel, zwei Drittel der Anlagen im netztechnischen Süden zu lokalisieren, fehlschlagen. Zudem, so gab Ritzau zu bedenken, könne das Modell der Leag auch im Rheinischen Revier kopiert werden. Vorausgesetzt, der Gesetzgeber halte an den bestehenden niedrigen Investitionsschwellen sowie der bisherigen Quote fest. Das hätte aber eine zunehmende Wettbewerbsverzerrung zur Folge.

 

Zu Gaskraftwerken umgerüstete Kohlekraftwerke haben außerdem einen niedrigeren Wirkungsgrad als neue Anlagen. Inwieweit das künftig von Bedeutung sein wird, hängt insbesondere davon ab, wie oft die Kraftwerke tatsächlich eingesetzt werden. Darüber hinaus sind sie aber auch träger und brauchen einige Stunden zum Anfahren. Zudem ist fraglich, ob sich eine doppelte Umrüstung - zunächst auf Erdgas und später auf Wasserstoff - lohnt. Ein Weiterbetrieb dieser Anlagen nach 2045 dürfte damit ungewiss sein. 

 

Kaum Anlagen in Deutschlands Süden

 

Auf die beiden süddeutschen Länder Bayern und Baden-Württemberg entfallen nur zwei Anlagen mit 314 MW oder sechs Prozent. Der Rest der Zuschläge im netztechnischen Süden entfällt allesamt auf NRW - und RWE. Der Konzern war mit vier Projekten an den drei bestehenden Standorten Weisweiler, Gersteinwerk und Voerde erfolgreich. Anhand der Größe der Projekte lässt sich ablesen, dass es sich entweder bei Gersteinwerk oder bei Voerde um das letzte bezuschlagte Gebot handelt. Im Gegensatz zu der Leag setzt RWE "ganz bewusst" auf Neubauten, wie ein Unternehmenssprecher auf energate-Anfrage erklärte. Schon in wenigen Wochen wolle man mit dem Bau der ersten Anlage beginnen. Auch die Stadtwerke Karlsruhe wollen nicht bis 2031 - dem spätesten Datum für die Inbetriebnahme - warten. Der Baubeginn für ihr Gasmotorenkraftwerk mit einer Leistung von 54 MW ist für 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende 2029.

 

Die Verteilung der Zuschläge auf insgesamt fünf Bundesländer nannte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, "erfreulich". Ganz anders bewertete dies Christoph Müller, Vorstand des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Es habe sich gezeigt, dass die Ausgestaltung des Südbonus im StromVKG nicht ausgereicht habe, um eine aus Systemsicht effiziente Nord-Süd-Verteilung gesicherter Leistung zu erzielen. Weiter erklärte Müller: "Werden Anlagen regional ineffizient verteilt, steigen die notwendigen Eingriffe in den Netzbetrieb und damit die Redispatch-Kosten. Das macht die Energiewende unnötig teuer." Auch die baden-württembergische Energieministerin Thekla Walker (Grüne) zeigte sich unzufrieden: "Dieses Ergebnis ist energiepolitisch ein fatales Signal für den Süden und konterkariert die volkswirtschaftlichen Ziele hinter dem Aufbau von Back-up-Kapazitäten im Stromnetz." Statt neuer, moderner Kraftwerke kämen nun mehrere Gebote in Brandenburg und Sachsen mit umgerüsteten alten Kohlekraftwerken zum Zug. Auch Ritzau sieht die regionale Verteilung zum Teil kritisch. Zwar sei es gut, dass es vier Projekte für NRW gebe. Denn hier seien perspektivisch fünf GW an zusätzlicher gesicherter Leistung auf Basis des gesetzlichen Kohleausstiegs notwendig. Nur zwei neue Anlagen für Süddeutschland seien aber zu wenig. Dafür sehe er eigentlich für Ostdeutschland einen geringeren Bedarf, als es die Ausschreibungsergebnisse hergäben.

 

Nächste Runde ab 10. November 

 

Die Verengung auf wenige Bieter war schon im Vorhinein absehbar. Drei erfolgreiche Bieter - von denen einer nur 54 MW bauen wird - sind allerdings schon sehr wenig. Schließlich waren durchaus noch weitere erfahrene Kraftwerksbetreiber im Rennen. So hatten Uniper und Iqony ebenfalls eine Teilnahme angekündigt. Auch EnBW, Westfalen Weser Energie und Statkraft haben sich wahrscheinlich beteiligt. Die Bundesnetzagentur bereitet sich nun auf den zweiten Gebotstermin vor. Dessen Bekanntmachung erfolgt am 10. November. Unwahrscheinlich ist, dass bis dahin noch Änderungen am Ausschreibungsdesign vorgenommen werden. In dieser Runde könnten sich aber auch noch weitere Akteure beteiligen, die zunächst die Ergebnisse der ersten Ausschreibungen abwarten wollten. /sd

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