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FCAs: Unmut über Eon nimmt zu

Tauberbischofsheim (energate) - Im Kreise der Batteriespeicherentwickler wächst der Unmut gegen den Eon-Konzern. Der Geschäftsführer des mittelständischen PV- und Batteriespeicherprojektierers Tauber Energy, Arne Weinig, warf dem Unternehmen im Interview mit energate vor, seine Marktposition als größter deutscher Verteilnetzbetreiber auszunutzen. Das zeige beispielsweise der Umstand, dass Eon ein für Projektbetreiber sehr nachteiliges Vertragswerk als Standard für flexible Netzanschlüsse bundesweit etablieren wolle, beklagte Weinig. Zum anderen versuchten die Eon-Verteilnetztöchter solche Verträge auch bei schon zugesagten Netzanschlüssen durchzusetzen. "Wirklich kritisch sehen wir, dass einige Netzbetreiber - insbesondere Eon-Töchter - für bereits gemachte Netzanschlusszusagen im Nachhinein FCAs, also flexible Anschlussverträge, durchsetzen wollen", führte Weinig aus.

 

Der Tauber-Energy-Geschäftsführer stellte klar, dass er nicht grundsätzlich gegen FCAs sei. Für bereits beschlossene Projekte sei dies aber ein No-Go. Schließlich seien die Investitionsentscheide für diese Projekte auf der Annahme geschlossen worden, es gebe keine Einschränkungen bei der Fahrweise. Weinig betonte: "Damit wird die Investitionssicherheit in Deutschland infrage gestellt." Er kritisierte in diesem Zusammenhang auch, dass die Bundesnetzagentur hier nicht einschreite.

 

Auch die Kommunikation der Netzbetreiber lasse zu wünschen übrig, beklagte der Batteriespeicherprojektierer: "Speziell bei Eon-Töchtern tendiert die Bereitschaft zum Dialog gegen null." Eon habe mit seinen Verteilnetzbetreibern zwei Drittel des Marktes in der Hand. Diese Monopolstellung nutze das Unternehmen, um den Projektierern im Nachhinein FCAs zu verordnen und um die Vertragsgestaltung in seinem Sinne zu beeinflussen.

 

FCA für Bollingstedt als Vorreiter

 

Das bekannteste Beispiel für eine im Nachhinein geänderte Anschlussvereinbarung - und wahrscheinlich auch die erste flexible Netzanschlussvereinbarung zwischen einem Verteilnetz- und einem Speicherbetreiber - dürfte das FCA zum Großspeicher Bollingstedt sein. Dies hatten die zum Eon-Konzern gehörende SH Netz und der Speicherbetreiber Eco Stor im Jahr 2025 geschlossen. Wie es dazu aus SH-Netz-Sicht kam, erläuterte die Geschäftsführerin Netztechnik Lisa Hebenstreit im September auf der FGE-Tagung in Aachen. Demnach hatte ein Mitarbeiter zunächst grünes Licht für den Speicher an der deutsch-dänischen Grenze gegeben. Nach Inbetriebnahme habe sich der Speicher aber als problematisch für das Netz herausgestellt, so Hebenstreit. Daher sei SH Netz im Nachhinein auf Eco Stor zugegangen und habe einen flexiblen Netzanschluss verhandelt.

 

Der FCA soll Netzengpässe verhindern, indem der Betreiber den Speicher nicht nur nach marktlichen Gesichtspunkten steuert, sondern auch den Bedürfnissen des Stromnetzes gerecht wird. Hebenstreit machte in Aachen keinen Hehl daraus, dass Eco Stor sich auch auf den Vertrag eingelassen hatte, weil das Unternehmen noch weitere Speicher im Versorgungsgebiet von SH Netz beziehungsweise anderer Eon-Töchter anschließen wollte. 

 

Gallmetzer: "Das tut schon weh"

 

Eco-Stor-Geschäftsführer Georg Gallmetzer erklärte im energate-Podcast "Irgendwas mit Energie", die flexible Netzanschlussvereinbarung führe beim Speicher Bollingstedt zu Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent. "Das tut schon weh", räumte Gallmetzer ein. Gleichzeitig verteidigte er das Instrument. Ohne eine Verständigung mit den Netzbetreibern blieben die Netzanschlusskapazitäten weitgehend eingeschränkt. Daher seien FCAs auch im Interesse der Speicherbetreiber. Gallmetzer musste sich für sein Eintreten und die Einigung mit Eon viel Kritik aus der Branche gefallen lassen. Mit dem Abschluss des FCAs legitimiere das Unternehmen viel zu restriktive Fahrweisen.

 

Auch Tauber-Energy-Geschäftsführer Weinig zeigte generell Verständnis für flexible Netzanschlussvereinbarungen: "Grundsätzlich finden wir FCAs richtig. Um die Energiewende voranzubringen und die Erneuerbaren zu integrieren, kommen wir um das Thema zukünftig nicht herum", stellte er im Interview klar. Anfreunden könnte sich Tauber Energy etwa mit dem von Green Flexibility entwickelten Vorschlag. Dieser basiert unter anderem auf einem Stundenkontingent. Demnach soll jeder Speicher maximal 800 Volllaststunden im Jahr eingeschränkt werden. "Das schafft für uns Finanzierbarkeit und lässt dem Netzbetreiber trotzdem Flexibilität", erläuterte Leandra Boes, Director Commercial Asset Management bei Green Flexibility, im energate-Interview.

 

FCAs ja, aber nicht nach Eon-Diktat

 

Das Vertragswerk von Eon basiere hingegen auf "pseudo-nachvollziehbaren" Kriterien, monierte Weinig im Interview. Dazu zählt er etwa das Konstrukt von fiktiven Ökostromanlagen. Zudem seien die Regelungen zu Rampen zu streng. Überdies sollten FCAs nach Meinung von Weinig nur so lange Bestand haben, bis das Netz ausgebaut sei. Denn mit dem Netzausbau sollte die Legitimationsgrundlage für die FCAs eigentlich entfallen. Die Eon-FCAs sähen aber keine solche zeitliche Limitierung vor.

 

Auch andere Branchenvertreter haben sich bereits kritisch zu dem Eon-Vorhaben positioniert, ein FCA-Standardvertragswerk über sämtliche Verteilnetztöchter ausrollen zu wollen - so etwa der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) und der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES). Es sei ein "starkes Stück", dass die Verbände nicht gehört würden, so Weinig. Einzelne Unternehmen haben sich - abgesehen von Tauber Energy - bislang kaum aus der Deckung getraut. "Entwickler trauen sich nicht, in die Offensive zu gehen, weil jeder an dem Monopolisten hängt", führte Weinig als Begründung an. /sd

 

Das vollständige Interview mit Arne Weinig, Geschäftsführer von Tauber Energy, finden Sie im Add-on Strom.

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