EWE und Tesa schließen Wasserstoff-Liefervertrag
Hamburg (energate) - EWE und der Klebebandhersteller Tesa haben einen Liefervertrag über jährlich 500 Tonnen grünen Wasserstoff unterzeichnet. Der Oldenburger Regionalversorger beliefert das Industrieunternehmen ab 2028 mit Wasserstoff aus seiner geplanten 320-MW-Anlage in Emden. Der Liefervertrag deckt den gesamten H2-Bedarf von Tesas Werk in Hamburg ab, dem Standort mit dem höchsten Energieverbrauch und den höchsten Emissionen im Tesa-Produktionsverbund. "Wir können bei dem Projekt von einer langfristigen Zusammenarbeit sprechen", erklärte ein Tesa-Sprecher auf energate-Nachfrage hinsichtlich der Vertragslaufzeit.
Der Wasserstoff ist für die Dampferzeugung vorgesehen. Zwei H2-ready-Dual-Fuel-Dampfkessel schaffen dafür die technischen Voraussetzungen. Der erste Dampfkessel ist bereits installiert und angeschlossen. Noch erzeugt das Unternehmen einen wesentlichen Anteil der benötigten Prozesswärme mit fossilen Brennstoffen. "Wir wollen unsere Produktion bis 2030 schrittweise klimaneutral ausrichten und schaffen im Werk Hamburg die technischen Voraussetzungen dafür", sagte Kourosh Bahrami, CEO der Tesa SE. Der grüne Wasserstoff ergänze die Elektrifizierung, Wärmespeicherung und intelligente Energiesteuerung dort, wo Prozesswärme nicht vollständig elektrifiziert werden kann. Der für das Hamburger Werk vorgesehene grüne, RFNBO-zertifizierte Wasserstoff soll im 320-MW-Elektrolyseur von EWE in Emden erzeugt werden. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant. Von dort soll der Wasserstoff über das entstehende Wasserstoff-Kernnetz nach Hamburg gelangen. Dafür wird das Tesa-Werk an das Wasserstoff-Industrienetz "HH-WIN" angeschlossen. Anfang des Jahres erhielt das Industrieunternehmen dafür eine Förderung in Höhe von 950.000 Euro.
Bislang wenige grüne H2-Verträge mit hohem Volumen
Bisher gibt es nur sehr wenige grüne Wasserstoffverträge mit hohem Volumen. Als erste hatten RWE und Total im März 2025 eine öffentlichkeitswirksame Unterschrift erzielt. Demnach soll RWE von 2030 an bis 2044 jährlich rund 30.000 Tonnen grünen Wasserstoff an die Total-Raffinerie in Leuna (Sachsen-Anhalt) liefern. Im Sommer 2026 folgte EWE: Der Versorger beliefert den Stahlhersteller Salzgitter für zunächst sieben Jahre mit 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr. Wie auch das Tesa-Werk in Hamburg ist die Lieferung ab 2030 über das Wasserstoff-Kernnetz vorgesehen. "Mit Tesa entscheidet sich nach Salzgitter ein weiterer namhafter Industriekunde für grünen Wasserstoff von EWE. Das zeigt: Angebot und Nachfrage können zusammenfinden, auch wenn der Markt noch ganz am Anfang steht", sagte EWE-CEO Stefan Dohler. Doch damit aus einzelnen Vorreiterprojekten ein wettbewerbsfähiger Markt wird, brauche es verlässliche politische und regulatorische Rahmenbedingungen.
Mit Tesa gibt es nun also einen zweiten Kunden für das 320-Elektrolyseprojekt. Die Lieferung ist mit 500 Tonnen pro Jahr zwar deutlich kleiner, aber dennoch weit größer als die Verträge kommunaler Verkehrsunternehmen zur Versorgung ihrer Busflotten. Zuletzt setzten die Stadtwerke Bielefeld, die Stadtwerke Düsseldorf und die Wuppertaler Stadtwerke auf den Aufbau von Elektrolysekapazität für den öffentlichen Nahverkehr.
Wasserstoffhochlauf stockt - greift EU bei RFNBO-Kriterien ein?
Neben dem hohen Wasserstoffpreis gibt es noch andere Faktoren, die den Abschluss von H2-Verträgen erschweren. Die komplexe Zertifizierung, Fragen der Risikoteilung und fehlende Standards sorgen für viel Arbeit. Um den deutschen Wasserstoffhochlauf in Gang zu setzten, brauche es eine dauerhafte Nachfrage. Dafür müssten sich die deutschen Wasserstoffproduktionskosten aber halbieren, sagte Hanna Schumacher, Unterabteilungsleiterin für Wasserstoff und Gasinfrastruktur im Bundeswirtschaftsministerium, auf dem "DVGW-Kongress 2026". Ein Hebel dafür könnte eine Aufweichung der strengen RFNBO-Kriterien der EU seien. Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einem größeren Eingriff in die H2-Regulierung, dies ging aus einem internen Arbeitspapier hervor. /sr