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EU-Pläne für Smart-Meter-Quote sorgen für Kritik

Hamm (energate) - Ein Leak zu einem EU-Verordnungsentwurf sorgt für Unruhe in der deutschen Energiewirtschaft: Bis Ende 2030 sollen demnach 50 Prozent, bis Ende 2033 mindestens 65 Prozent aller Endkunden mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet sein - EU-weit verbindlich. In der Branche überwiegt die Skepsis. "Neue EU-Vorgaben bergen das Risiko, dass der gerade anlaufende Rollout in Deutschland erneut regulatorisch angepasst werden muss", sagte eine Eon-Sprecherin auf energate-Anfrage. Dies würde Unsicherheiten schaffen und Investitionen bremsen, statt den Rollout zu beschleunigen, so die Sprecherin weiter.

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, sieht das Vorhaben kritisch. "Es ist zu befürchten, dass neue europäische Zielvorgaben den Rollout nicht beschleunigen, sondern eher verzögern würden", erklärte sie gegenüber energate. Auch ein VKU-Sprecher zeigte sich irritiert. Der Hochlauf von Aufdach-PV und steuerbaren Verbrauchseinrichtungen führe bereits im heutigen Rechtsrahmen zu steigenden Einbaufällen. Ein Effekt, der sich aus seiner Sicht in den kommenden Jahren noch verstärken werde. "Insofern ist es unverständlich, weshalb es nun eine höhere, von der EU mandatierte Rolloutquote geben soll", kritisierte er.

Volkswirtschaftlich nicht sinnvoll

 

Michal Sobótka, Geschäftsführer von Gwadriga, hob in seiner Stellungnahme hervor, dass letztlich die Kundinnen und Kunden über einen Smart-Meter-Einbau entscheiden. Welche Quote sinnvoll sei, hänge aus seiner Sicht davon ab, in welchem Umfang steuerbare Anlagen vorliegen, für deren Steuerbarkeit intelligente Messsysteme genutzt werden können. "Letztendlich entscheiden Kunden vor Ort - eben durch Anschaffung von steuerbaren Anlagen - wo und wie viele iMSys sowie Steuerboxen installiert werden müssen, um die Transparenz und Steuerbarkeit in der Niederspannung zu erreichen", so Sobótka. Eine pauschale Vorgabe sei daher weder technisch notwendig noch volkswirtschaftlich tragfähig.

 

Auch die Bundesnetzagentur (BNetzA) verwies auf die ökonomischen Nachteile starrer Quoten. Der Behörde lägen keine Studien oder Berechnungen vor, die einen Vollrollout - den der EU-Vorstoß in der Konsequenz bedeuten würde - im Vergleich zu den bestehenden Vorgaben als volkswirtschaftlich effizienter belegen, so eine BNetzA-Sprecherin zu energate. BDEW-Chefin Andreae verwies außerdem darauf, dass der deutsche Rollout mehrfach europarechtlich geprüft worden sei. "Auf der Grundlage einer europarechtlich vorgesehenen Kosten-Nutzen-Analyse wurde gesetzlich festgelegt, den Fokus beim Smart-Meter-Rollout zunächst auf die energiewenderelevanten Einbaufälle zu legen." Dieser Ansatz wiederum sei in den Jahren 2023 und 2024 bestätigt worden, so Andreae.

 

Wettbewerbliche begrüßen hingegen Vorstoß

 

Ganz anders sieht das Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany. Er bezeichnete den Entwurf gegenüber energate als "überfälligen Realitätscheck". Deutschland habe den Smart-Meter-Rollout "jahrelang zu kompliziert, zu teuer und zu langsam organisiert", verbindliche Mindestquoten seien daher "ein Weckruf". Er sprach sich für einen Full-Rollout in Deutschland aus und warnte davor, die EU-Vorgaben als Belastung zu sehen. Er bezeichnete sie stattdessen als "Chance, den Knoten endlich zu lösen".

 

Unterstützung erhält Gierull vom Energiedienstleister Techem. Die Eschborner haben im September 2025 den wettbewerblichen Messstellendienstleister Inexogy übernommen. Eine Techem-Sprecherin begrüßte gegenüber energate den EU-Vorstoß. Eine Verordnung habe den Vorteil, dass keine differenzierenden Umsetzungen durch die Mitgliedsstaaten möglich seien. "Zur Vollendung eines digitalen Energiebinnenmarkts sind einheitliche Vorgaben deshalb sinnvoll", sagte sie.

 

Deutschland nicht mit europäischen Nachbarländern vergleichbar

 

An diesem Punkt setzt jedoch ein Kritikpunkt ein, der praktisch von allen Skeptikern geäußert wurde: Deutschland gehe beim Smart-Meter-Rollout einen "besonders anspruchsvollen Weg", sagte stellvertretend Kerstin Andreae. Die Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit sowie Funktionsumfang seien in Deutschland deutlich höher als in den europäischen Nachbarländern. Dies sei auch der Fall, da in Deutschland über die Geräte auch gesteuert werden soll, so Andreae weiter. "In Deutschland gibt es einen starken Fokus auf einzelne Anwendungsfälle sowie den Steuerungsrollout - und eben nicht auf einen sogenannten Full-Rollout, wie dies beispielsweise in anderen europäischen Ländern der Fall ist", sagte ebenfalls ein Sprecher von Netze BW.

 

Ist das Ziel überhaupt erreichbar?

 

Dieser Besonderheit müsse Rechnung getragen werden, betonte auch der VKU-Sprecher. Ohnehin ist fraglich, ob die Quoten erreichbar wären. Bekanntlich hinkt Deutschland beim Smart-Meter-Rollout im europäischen Vergleich weit hinterher. Zwar wurde die 20-Prozent-Quote des Pflichtrollouts bis Ende 2025 erreicht. Die Gesamtquote lag allerdings laut der letzten BNetzA-Auswertung aus dem vierten Quartal 2025 immer noch bei nur 5,5 Prozent. Gwadriga-Geschäftsführer zeigte sich daher skeptisch, ob bis Ende 2033 eine Rolloutquote von 65 Prozent erreichbar wäre. Sobótka bezeichnete dies als einen "Kraftakt", der sehr teuer und volkswirtschaftlich nicht sinnvoll sei.

 

Andreae bezweifelte sogar, ob eine Umsetzung der Rolloutquote überhaupt möglich wäre. "Eine Smart-Meter-Abdeckung von 65 Prozent aller Endkunden in Deutschland bis 2033 ist parallel zur Umsetzung der Steuerung voraussichtlich nicht zu schaffen, jedenfalls nicht mit dem Standard der BSI-zertifizierten intelligenten Messsysteme", so ihre Einschätzung. BDEW, VKU, Eon als auch Netze BW warben stattdessen dafür, den eingeschlagenen Weg der Pflichteinbaufälle konsequent umzusetzen.

 

Gierull und Techem halten dagegen

 

Auch in dieser Frage haben Octopus Energy und Techem einen anderen Blick auf die Situation. Bastian Gierull warb gegenüber energate zum wiederholten Male für einen zweiten Rollout-Pfad für optionale Einbaufälle mit einem Smart Meter light. Diese seien günstig, schnell installierbar, mit viertelstündiger Messung und ohne Steuerungstechnik. Der Smart-Meter-light-Ansatz wurde jedoch im Zuge des Energiewendemonitorings mehr als kritisch beäugt. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilte dem Ansatz daher eine Absage.

 

Die Techem-Sprecherin wiederum hob die Bedeutung des Wettbewerbs für den Smart-Meter-Rollout hervor. Es bedürfe einer europaweiten Liberalisierung des Messwesens, damit Verbrauchende von geringeren Preisen bei den Geräten profitieren könnten. Außerdem müsse das Monitoring der BNetzA erweitert werden, indem es nicht nur die verbauten Geräte der grundzuständigen Messstellenbetreiber erfasse. "Nur so entsteht ein vollständiges Bild über den Markt und den tatsächlichen Rollout‑Fortschritt." /rh

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