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Erste Kraftwerksauktion deutlich überzeichnet

Bonn/Berlin (energate) - Die erste Ausschreibung für Langzeitkapazitäten nach dem Stromversorgungssicherheitsgesetz (StromVKG) ist deutlich überzeichnet. Das teilte die Bundesnetzagentur nach dem Ende der Gebotsfrist (8. September) auf energate-Anfrage mit, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. Die Behörde prüft nun, ob die Bieter alle Teilnahmevoraussetzungen erfüllen und keine Ausschlussgründe vorliegen. Die Zuschläge will sie spätestens am 3. November 2026 bekannt geben.

 

Ein Gebot ist unter anderem dann auszuschließen, wenn die Anlage das Langzeitkriterium nicht erfüllt. Demnach muss sie technisch in der Lage sein, mindestens zehn Stunden ohne Unterbrechung Strom in Höhe von mindestens 80 Prozent ihrer installierten Leistung in das allgemeine Versorgungsnetz einzuspeisen. Dies hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt, da Batteriespeicher diese Anforderung kaum erfüllen können. Auch Bedingungen, Befristungen oder sonstige Nebenabreden können laut Bundesnetzagentur zum Ausschluss führen. Anschließend erstellt die Behörde eine Rangfolge der zulässigen Gebote.

 

Leag mit mehreren Projekten im Rennen

 

Die Leag hat sich mit mehreren Projekten und Standorten an der ersten Ausschreibung beteiligt. Die Vorhaben liegen nach Unternehmensangaben in der Lausitz sowie in Mittel- und Süddeutschland. Nähere Angaben zu den Projekten machte der Kraftwerksbetreiber aus Wettbewerbsgründen zunächst nicht.

 

"Klar ist: Leag will auch nach dem Kohleausstieg ein relevanter Kraftwerksbetreiber bleiben - für den langfristigen Erhalt von Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland", sagte Leag-Chef Adi Roesch. Das Unternehmen suche für die Kraftwerksstandorte Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und Lippendorf nach Anschlusslösungen. Leag hatte mehrere erdgasbasierte Kraftwerksprojekte auf das Verfahren vorbereitet.

 

Im Vorfeld setzte sich das Unternehmen gemeinsam mit weiteren Erzeugern aus dem Norden und Osten Deutschlands gegen eine Benachteiligung ihrer Standorte ein. Für ein Drittel der ausgeschriebenen Gesamtkapazität gilt deshalb nach Angaben des Unternehmens kein sogenannter Südbonus.

 

Unternehmen äußern sich nicht zur Teilnahme

 

Welche weiteren Unternehmen in der ersten Runde Gebote abgegeben haben, bleibt zunächst weitgehend offen. Mehrere von energate angefragte potenzielle Bieter verwiesen auf den laufenden Wettbewerb. EnBW, Iqony, Onyx Power, Energie AG Oberösterreich und MET machten keine Angaben zu einer möglichen Teilnahme. Auch Trianel äußerte sich mit Blick auf die zweite Ausschreibungsrunde nicht zu einer Angebotsabgabe. Engie verwies auf die veröffentlichten Planungen für sein Kraftwerksprojekt in Ensdorf.

 

Uniper hat die geplanten wasserstofffähigen Kraftwerke in Scholven und Staudinger auf die Ausschreibungen vorbereitet. Die beiden Projekte verfügen zusammen über eine geplante Leistung von rund 1.700 MW. Ob und mit welcher Leistung sich Uniper beteiligt hat, teilte der Konzern nicht mit. "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu laufenden Gebotsverfahren, einzelnen Projekten oder unserer konkreten Gebotsstrategie vor Bekanntgabe der Ergebnisse nicht äußern", sagte eine Sprecherin.

 

Auch RWE wollte sich an der ersten Ausschreibungsrunde beteiligen. Der Konzern sei mit attraktiven Projekten gut vorbereitet, hatte Vorstandschef Markus Krebber im August angekündigt. "Und wenn wir erfolgreich sind, werden wir unmittelbar mit dem Bau der Anlagen beginnen können." Die Kraftwerke könnten demnach bereits 2028 oder 2029 in Betrieb gehen. Als Vorteil sieht Krebber die bestehenden Standorte: "Wir besitzen 30 Standorte mit einer guten Strominfrastruktur. Das ist ein echtes Pfund."

 

SWB: Risiken für kleinere Vorhaben zu hoch

 

Nicht an der ersten Ausschreibungsrunde zum Bau neuer Gaskraftwerke teilgenommen hat die Bremer SWB. Die EWE-Tochter zählte zu den Kommunalversorgern, von denen es im Vorfeld geheißen hatte, sie bereiteten eine Teilnahme vor. Allerdings bewertet die SWB die Bedingungen als anspruchsvoll: "Für kleinere Kraftwerksprojekte sind die Rahmenbedingungen in der ersten Ausschreibungsrunde sehr herausfordernd gewesen - die Risiken in Verbindung mit den zu erbringenden Vorleistungen waren einfach zu hoch. Sollte das in den folgenden Ausschreibungsrunden so bleiben, werden kleinere Energieversorger nicht zum Zuge kommen können", teilte ein SWB-Sprecher auf energate-Anfrage mit. Eine spätere Teilnahme hänge von den Rahmenbedingungen und der Wirtschaftlichkeit möglicher Projekte ab.

 

Der schweizerische Alpiq-Konzern galt ebenfalls als potenzieller Teilnehmer. Das Unternehmen beteiligte sich nach eigenen Angaben jedoch an keiner StromVKG‑Kapazitätsauktion. Alpiq plant derzeit auch keine Teilnahme mit seinem deutschen Batteriespeicherportfolio.

 

Zweite Auktionsrunde noch vor Jahresfrist

 

Die Bundesnetzagentur hat in der ersten Runde 4.500 MW neue Kraftwerksleistung ausgeschrieben. Die Anlagen sollen bis zu 15 Jahre für die Versorgungssicherheit bereitstehen. Dabei werden die Kosten der Kraftwerksausschreibungen auf 15,6 bis 35,2 Mrd. Euro geschätzt. Eine zweite Auktionsrunde mit weiteren 4.500 MW findet ebenfalls noch in diesem Jahr statt und endet am 29. Dezember.

 

Die EU-Kommission genehmigte den deutschen Kapazitätsmechanismus Anfang September beihilferechtlich. Damit kann Deutschland unter anderem den Bau neuer wasserstofffähiger Gaskraftwerke fördern. Der Mechanismus soll zugleich allen Technologien offenstehen. Neue Gaskraftwerke müssen wasserstofffähig sein, wenn sich ihre Betreiber um einen Kapazitätsvertrag bewerben. /mh

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