Erste KFW-Fündigkeitsversicherung lässt auf sich warten
Berlin (energate) - Der erste Vertrag zur Absicherung der Bohrrisiken bei Erdwärmeprojekten ist nach wie vor nicht unterzeichnet. Ende 2025 gab die staatliche Förderbank KFW hierzu eine Zusammenarbeit mit dem privaten Versicherungsunternehmen Munich Re bekannt. Die Versicherung ist Teil des Geothermiebeschleunigungsgesetzes, das Erdwärmeprojekte finanzierbar machen soll. Der Bund stellt im Bundeshaushalt in den ersten Jahren 50 Mio. Euro zur Verfügung, falls der durch die Versicherungsprämien aufgebaute Topf nicht zur Regulierung von Versicherungsfällen ausreichen sollte.
"Aktuell befinden sich bereits sieben Geothermieprojekte in der konkreten Prüfung, viele weitere haben bereits ihr Interesse bekundet", teilte eine KFW-Sprecherin auf energate-Nachfrage mit. Warum der Prozess derart lange dauert und wer zu den Interessenten zählt, wollte sie mit Verweis auf das Bankengeheimnis nicht ausführen.
Erster Vertrag mit Signalwirkung
Der im Bundeswirtschaftsministerium zuständige Referatsleiter Stefan Besser hatte vor wenigen Wochen bei einer Fachtagung angedeutet, dass die erste Unterschrift bald trocken sein könnte. 17 Projekte hätten die Unterlagen angefordert, einige davon wurden als geeignet eingestuft. "Wir warten mit Spannung auf den ersten Vertrag", lauteten seine Worte. Auch die Geothermiebranche wartet sehnsüchtig auf den ersten Abschluss, wie der Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie, Gregor Dilger, im Gespräch mit energate deutlich machte.
Hohe Bohrkosten schrecken ab
Das Risiko, nichts oder zu wenig förderfähige Erdwärme zu finden, stuft der Versicherer Munich Re mit etwa 27 Prozent ein. Kommunale Projektträger haben Schwierigkeiten, die nötigen Sicherheiten für einen Bankkredit vorzuweisen. Denn die Beträge können sich mitunter im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Für einen Stadtkämmerer ein beachtlicher Betrag - in Zeiten, in denen die Energiesparte des Stadtwerks die oft defizitären Bereiche ÖPNV und Schwimmbäder nicht mehr wie früher quersubventionieren kann. Findet das Stadtwerk nicht genügend warmes Thermalwasser im Boden, sind die Anfangsinvestitionen verloren. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle.
Die Lösung kann künftig das KFW-Programm "Nr. 572 Förderkredit Geothermie" sein, mit dem sich Tiefbohrungen ab 400 Metern finanzieren und Risiken vollständig absichern lassen. Der Kreditbetrag soll bei bis zu 25 Mio. Euro pro Bohrprojekt liegen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Im Binnenverhältnis der beiden Partner trägt Munich Re mindestens 30 und maximal 70 Prozent des Risikos, den Rest übernimmt die KFW. Bestenfalls kann ein Unternehmen die Versicherung für die Bohrung mit der BEW-Förderung kombinieren und damit die Finanzierung fast vollständig absichern. Weil ein privater Versicherer mit an Bord ist, fällt die staatliche Absicherung nicht unter das Beihilferecht.
Pionierarbeit anderweitig absichern
In ganz Deutschland interessieren sich viele private Unternehmen, Kommunen und Stadtwerke für Geothermie. Doch nicht überall ist die Eignung des Untergrunds durch frühere Bohrungen und Untersuchungen bereits gut bekannt. Der Bundesverband Geothermie hofft, dass auch diese Regionen berücksichtigt werden. "Diese Pionierarbeit in bislang wenig erkundeten Gebieten muss durch eine geeignete Absicherung der Finanzierung ermöglicht werden", forderte Verbandschef Dilger. Die Branche setze darauf, "dass auch solche Projekte im öffentlich-privaten Absicherungssystem von KFW und Munich Re zum Zuge kommen". Sollte sich zeigen, dass dieses System dafür nicht ausreicht, müssten Bund und Länder ergänzende Absicherungs- und Förderinstrumente entwickeln.
Als Zusatz zur KFW-Versicherung würden dann also staatlich koordinierte Erkundungs- und Erschließungsmaßnahmen greifen, die Finanzierungsrisiken "auf viele Schultern verteilen". Mit Blick auf die klamme Haushaltslage des Bundes macht die Branche ein Angebot in Richtung Bundesregierung. "Die dafür eingesetzten öffentlichen Mittel könnten über eine spätere Kostenbeteiligung der Betreiber zumindest teilweise zurückfließen", so der Verbandsgeschäftsführer. Zu den Gebieten mit guten Erfolgschancen zählen der Oberrheingraben, das Molassebecken am nördlichen Rand der Alpen, der Großraum München und mit Abstrichen das Norddeutsche Becken. /mt