Entega plant mit Abschied aus Geschäftskunden-Erdgas
Darmstadt (energate) - Der Darmstädter Energieversorger Entega will sich perspektivisch vom konventionellen Gasvertrieb für Großkunden trennen. Grund dafür seien die eigenen Nachhaltigkeitsziele, wie der neue Entega-Vorstandsvorsitzende Thomas Schmidt im Gespräch mit energate erläuterte. In welchem Zeitraum dies genau geschehen wird, steht indes noch nicht fest. Dies müsse die Entega noch mit der Stadt Darmstadt als Hauptanteilseignerin abstimmen. Aktuell verfolgt Darmstadt das Ziel, Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Dieser Ausstieg sei verkraftbar, ordnete Vorstandsvorsitzender Schmidt ein, denn "der Gasvertrieb an Gewerbekunden ist ohnehin relativ margenschwach". Weh tue es allerdings bei Großkunden, die sowohl Erdgas als auch Ökostrom beim Unternehmen bezögen, aber nur einen Versorger haben wollen. Vielleicht gelinge es aber, diese Kunden zum Umstieg auf klimafreundlicheres Gas zu bewegen. Schon heute bietet die Entega im Privatkundenbereich nur noch ein Erdgasprodukt mit CO2-Kompensation an. Dieses sei auch für Gewerbekunden verfügbar. Zudem setzt der Darmstädter Anbieter auf Erdgas mit einer zehnprozentigen Biogasbeimischung und ist damit bereits für die erste Stufe der Biotreppe im Rahmen des Gebäudemodernisierungsgesetzes gerüstet.
Allerdings glaubt Schmidt nicht, dass die Biotreppe - die ohnehin nur für Neuanlagen geplant ist - greifen wird. "Schon jetzt liegt die Zahl der neu verbauten Wärmepumpen über der von Gaskesseln", argumentierte er. Die Nachfrage nach Gasheizungen werde weiter zurückgehen, auch weil die Preise für Wärmepumpen sinken werden, so seine Prognose. Auch im Vergleich zur Fernwärme ziehe Biogas den Kürzeren, wenn man die langfristigen Kosten vergleicht, gab Schmidt zu bedenken. Die Entega werde daher trotz der Änderungen im Gebäudemodernisierungsgesetz am geplanten Fernwärmeausbau festhalten. Bisher deckt die Fernwärme 16 Prozent des Darmstädter Wärmebedarfs. Im Endausbau sollen es 2045 bis zu 40 Prozent sein. Die Wärme soll zu großen Teilen (80 %) das vorhandene Müllheizkraftwerk liefern, einen kleineren Anteil von 20 Prozent sollen Großwärmepumpen beisteuern.
Synergien im Vertrieb
Während die Wärmewende also noch in weiten Teilen vor der Entega liegt, sieht Schmidt den hessischen Versorger im Vertriebsgeschäft bereits gut aufgestellt. Der Kundenstamm sei in den vergangenen Jahren um 100.000 auf 820.000 gewachsen. Dazu trägt auch die Tochter Energy Market Solutions bei, die unter der Marke Simply Green dynamische Stromtarife am Markt vertreibt. Ihr Kundenstamm liege mittlerweile bei 70.000 Kunden. Zudem setzt das Unternehmen auf Bündelprodukte. "Durch unser Glasfasergeschäft haben wir einen direkten Draht zu den Kunden. Diesen nutzen wir, um Bündelprodukte zu verkaufen - eine Flatrate für die Kombination aus Telefonie, Internet und Strom", erklärte Schmidt. 25.000 Kunden nutzten diesen Tarif. Er sei allerdings komplizierter als andere Tarife, weil die Kunden mit beiden Medien zeitgleich wechseln müssen.
Auch im Gewerbekunden-Segment sei die Zusammenarbeit über die verschiedenen Entega-Einheiten ein wichtiges Erfolgskriterium, führte Schmidt aus. So gehöre mit der Entega Gebäudetechnik GmbH eine Tochter mit 300 Mitarbeitern zum Konzern, die auch Gasheizungen und Wärmepumpen installiert. "Dabei verbauen die Kollegen nicht nur die Hardware, sondern bieten auch die entsprechenden Energietarife dazu an." Überdies gebe es auch im Gewerbekunden-Segment Bündelprodukte: die Installation von PV-Aufdachanlage in Kombination mit Speicher, die anschließende Wartung sowie die Direktvermarktung. In diesem Zusammenhang kündigte Schmidt an, auch in die Direktvermarktung mit kleinen Aufdachanlagen einsteigen zu wollen, die künftig im Zusammenhang mit der EEG-Novelle verpflichtend vorgesehen sein soll. "Das werden die Kollegen in Berlin von Energy Market Solutions übernehmen." /sd
Das vollständige Interview mit Entega-Vorstand Thomas Schmidt finden Sie im Add-on Markt und Industrie.