Enerparc stellt Insolvenzantrag
Hamburg (energate) - Deutschlands größter Betreiber von Freiflächensolaranlagen, Enerparc, geht in die Insolvenz. Das Unternehmen teilte mit, der Vorstand habe beim Amtsgericht Hamburg einen entsprechenden Antrag eingereicht. Demnach ist der vorläufige Insolvenzverwalter, der Restrukturierungsexperte Stefan Denkhaus von der Wirtschaftskanzlei BRL, bereits mit seinem Team vor Ort, um die Mitarbeitenden zu informieren. Zu den Gründen für die Insolvenzeröffnung machte das Unternehmen keine Angaben. Der Insolvenzverwalter erklärte, dass weitere Insolvenzanträge von Schwestergesellschaften möglich seien. Für eine eindeutige Beurteilung sei es aber noch zu früh. "Ich führe bereits erste Gespräche mit dem Vorstand, den Beratern des Unternehmens und den Finanzierern, um das Unternehmen zu stabilisieren", erklärte Denkhaus. Der operative Betrieb des Unternehmens werde fortgeführt.
Tochtergesellschaft Sunnic Lighthouse im Fokus
Enerparc mit Sitz in Hamburg bezeichnet sich selbst als größten unabhängigen Solarpark-Eigentümer Europas. Das 2008 gegründete Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben mehr als 500 Freiflächenanlagen in Europa mit einer installierten Leistung von 3.800 MW. Weitere 1.700 MW befinden sich derzeit in der Realisierung. Neben dem Betrieb gehören auch die Projektentwicklung und die Solarstromvermarktung über die Tochter Sunnic Lighthouse zu den Kerngeschäftsfeldern des Unternehmens. Enerparc befindet sich bis heute im Besitz der Gründer Christoph Koeppen, Stefan Müller und Frank Müllejans. Das Trio bildet auch den Vorstand des Unternehmens, mit Koeppen als CEO an der Spitze.
Anlässlich der Insolvenzeröffnung meldete sich auch der Direktvermarkter Sunnic Lighthouse zu Wort, eine hundertprozentige Tochter von Enerparc. Das Unternehmen betonte, von der Insolvenz nicht direkt betroffen zu sein. "Sunnic Lighthouse ist ein eigenständiges und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mit einem etablierten Geschäftsmodell", erklärte Geschäftsführer Arved von Harpe. Das operative Geschäft laufe stabil und reibungslos weiter. "Wir beliefern unsere Kunden zuverlässig mit Strom und führen unsere Zusammenarbeit mit Anlagenbetreibern und Handelspartnern wie gewohnt fort", versicherte von Harpe. Aktuell hat die Enerparc-Tochter ein Direktvermarktungsportfolio von 4.800 MW unter Vertrag - dabei auch von externen Anlagenbetreibern.
Allein 40 Zuschläge in diesem Jahr
Der Insolvenzantrag hatte sich für Marktbeobachter nicht abgezeichnet. Zum einen hat das Unternehmen bis zuletzt Projekte zur Baureife entwickelt und in die Solarausschreibungen der Bundesnetzagentur gebracht. Allein in den zwei abgeschlossenen Ausschreibungsrunden für Freiflächensolar aus diesem Jahr hat das Unternehmen knapp 40 Zuschläge für neue Solarparks erhalten. Zum anderen hatte Enerparc erst im März den Abschluss eines Projektfinanzierungsrahmenvertrags mit einem Gesamtvolumen von 1 Mrd. Euro verkündet. Dieses Finanzpaket schaffe die Grundlage "für die Umsetzung der wachstumsorientierten mittelfristigen Unternehmensziele", hieß es damals noch.
Zugleich waren zuletzt aber auch Warnrufe vor einer bevorstehenden Solarkrise laut geworden. Tatsächlich hat der intensive Wettbewerb gerade im Segment der Freiflächenanlagen die Zuschlagspreise in den Ausschreibungen auf ein kritisches Niveau gedrückt. In der jüngsten Ausschreibung aus dem Juli betrug der durchschnittliche Zuschlagswert gerade mal 4,79 Cent/kWh. Die Enerparc-Insolvenz könnte insofern ein Indiz für eine bevorstehende Branchenkonsolidierung darstellen. Auch die anstehende EEG-Novelle, die eine Umstellung des EEG-Fördersystems auf ein CfD-Modell vorsieht, hatte zuletzt für Unruhe gesorgt und zu Vorzieheffekten in der Branche geführt.
Warnung vor schwindender "Bankability"
Enerparc hatte mehrfach verbesserte Rahmenbedingungen für die Photovoltaik gefordert, so etwa Vorstand Stefan Müller Ende 2025 im Interview mit energate. Auch bei einem Gespräch auf der Fachmesse "Intersolar" im Juni 2026 mahnte eine Sprecherin von Enerparc an, es brauche politische Weichenstellungen, damit die Bankability weiter gewährleistet werde. Schließlich entwickele Enerparc Projekte mit zwei Jahren Vorlaufzeit. Das heißt, Projekte, die heute entwickelt würden, würden erst 2028 gebaut. Noch helfe aber das große Portfolio bei der Finanzierung, so die Sprecherin im Juni. Die Enerparc AG beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 380 Mitarbeitende, die gesamte Unternehmensgruppe kommt auf gut 600 Beschäftigte. /rb/sd