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Energiekosten steigen 2027 auf breiter Front

Bayreuth/Berlin/Dortmund/Stuttgart (energate) - Deutschland muss sich im kommenden Jahr auf steigende Energiekosten gefasst machen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW haben die EEG-Förderkostenprognose und die netzentgeltbasierten Umlagen für das Jahr 2027 veröffentlicht. In beiden Fällen steigen die Kosten - bei den EEG-Förderkosten prognostizieren die Netzbetreiber eine Steigerung um rund 8,5 Prozent auf 17,524 Mrd. Euro, die Netzumlagen wachsen um 22,9 Prozent auf insgesamt 3,621 Cent/kWh. So übersteigt die Offshore-Umla­ge erst­mals die Mar­ke von einem Cent mit 1,143 Cent/​kWh (+21%). Auch beim Auf­schlag für die beson­de­re Netz­nut­zung geht es stark nach oben von 1,559 auf 2,027 Cent/​kWh, während bei der KWKG-Umlage der Anstieg von 0,446 auf 0,451 Cent/​kWh deutlich geringer ausfällt (+1,1 %). Der KWKG-Finanzierungsbedarf 2027 liegt laut den Prognosen der ÜNB bei rund 1,46 Mrd. Euro und damit unter der gesetzlichen Obergrenze von 1,8 Mrd. Euro.

 

Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew) blickt mit Sorge auf die steigenden Kosten. Die Anstiege der drei Netzentgelt-Umlagen seien "wichtige Indikatoren für die Entwicklung der Energiewende", sagte Asew-Geschäftsführerin Daniela Wallikewitz. "Dass es sich um weitgehend netzseitige Umlagen handelt, macht die aktuelle 'große Baustelle der Energiewende' immer deutlicher." Mit einer kumulierten Summe von über 3,6 Cent je Kilowattstunde haben die Umlagen fast den Umfang der Mitte 2022 abgeschafften EEG-Umlage erreicht. Diese schlug 2022 mit 3,723 Cent je Kilowattstunde zu Buche. Seitdem wird die EEG-Förderung aus dem Bundeshaushalt bezahlt.

 

Netzentgelte gehen weiter nach oben

 

Auch die Netzentgelte werden im nächsten Jahr für viele Verbraucher ansteigen: Laut einer Rabot-Energy-Auswertung erhöhen 2027 knapp zwei Drittel der Verteilnetzbetreiber ihre Stromnetzentgelte. Im Median steigen die jährlichen Kosten für einen Haushalt mit 4.000 kWh Verbrauch um rund 9 Euro oder 2,5 Prozent. Dabei sind Stromkosten ohnehin schon hoch. Im dritten Quartal 2026 stiegen die Großhandelsstrompreise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 51,7 Prozent auf 125,51 Euro/MWh, wie die Bundesnetzagentur mitteilte.

 

Hinzu kommen der Krieg im Nahen Osten sowie die anhaltenden Unsicherheiten im Hinblick auf die Füllstände der deutschen Gasspeicher. Die Gaspreise sind daher seit Wochen auf einem extrem hohen Niveau. Anzeichen einer Entspannung gibt es nicht: Ganz im Gegenteil halten Marktteilnehmer einen Anstieg auf 100 Euro/MWh für den Day-Ahead-Kontrakt für möglich. Und auch die Gasnetzentgelte werden 2027 laut dem Datendienstleister Enet steigen. Das Wachstum fällt zwar nicht mehr wie im Vorjahr zweistellig aus, im Schnitt sind es aber dennoch 2,5 Prozent. Vorläufige Schätzungen waren hingegen von nur 1 Prozent ausgegangen.

 

Entspannung nicht in Sicht

 

Dass eine Entspannung in den kommenden Jahren nicht zu erwarten ist, verdeutlicht auch die Mittelfristprognose zur EEG-Förderung, die von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) im Auftrag von Tennet erstellt wurde. Demnach steigen die EEG-Kosten bis 2029 weiter. Die FFE erwartet dann einen Förderbedarf in Höhe von rund 22,3 Mrd. Euro. Erst danach deutet sich ein Abwärtstrend an - wenngleich bis zum Jahr 2031 das Förderniveau mit prognostizierten 20,6 Mrd. Euro weiterhin über dem heutigen Wert liegt. Noch im Vorjahr ging die Mittelfristprognose für das Jahr 2030 von einem Förderbedarf von 16,6 Mrd. Euro aus. Nun sind es 21,7 Mrd. Euro.

 

Hinzu kommen die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Netzpaket. Nach Berechnungen von Agora Energiewende könnten diese Reformpakete den Bundeshaushalt weiter belasten. Der Thinktank erwartet zusätzlich notwendige Zahlungen von rund 3 Mrd. Euro bis zum Jahr 2030. Über zehn Jahre drohten Mehrkosten im zweistelligen Milliardenbereich, wie aus Zahlen hervorgeht, die energate vorliegen.

 

Agora führt die zusätzlichen Kosten vor allem auf steigende Investitionsrisiken für Wind- und Solarprojekte zurück. Der vorgesehene Redispatch-Vorbehalt schwäche den garantierten Netzanschluss und Netzzugang für Erneuerbarenprojekte. Hinzu kämen Risiken durch negative Strompreise, mögliche Kapazitäts- und Einspeisenetzentgelte sowie das "sich verschlechternde allgemeine Investitionsklima". Die Analyse unterstellt deshalb, "dass der bisherige, im weltweiten Vergleich niedrigste Zinssatz für Erneuerbare-Energie-Investitionen von gut 5 auf gut 8 Prozent ansteigt". Das könnte Projekte verhindern, den Wettbewerb in den Ausschreibungen schwächen und die Gebotspreise erhöhen.

 

Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, kritisierte zudem, dass aus den Daten der Mittelfristprognose nicht deutlich werde, wie hoch der angenommene Speicherzubau sei. "Die Wechselwirkungen der verschiedenen aktuell diskutierten Instrumente aus EEG, Netzpaket und AgNes-Prozess sowie ihre kostensteigernden Elemente für das EEG-Konto müssen dringend Berücksichtigung finden", sagte Heinen-Esser.

 

Politik weiterhin gespalten

 

Dabei wollte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Kosten der Energiewende eigentlich senken. Doch seit Monaten können sich Union und SPD inhaltlich nicht bei EEG-Novelle und Netzpaket einigen. Im Fokus der Auseinandersetzungen stehen dabei auch die möglichen finanziellen Auswirkungen der Änderungen. Während vor allem das Bundeswirtschaftsministerium eine bessere Koordination von Netz- und Erneuerbarenausbau im Hinblick auf die Redispatch-Kosten fordert, lehnt die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Nina Scheer den Redispatch-Vorbehalt ab. Sie kritisiert, dass dieser die erneuerbaren Energien ausbremse und marktwirtschaftliche Ansätze wie Speicher und Flexibilitäten verhindere. Ihrer Meinung nach wird durch den Vorbehalt bei Netzengpässen die Wertschöpfung eingeschränkt, was den Ausbau der Erneuerbaren behindert.

 

Außerdem fehlt nach wie vor der Beschluss des Bundeszuschusses zu den Übertragungsnetzkosten in Höhe von 5,525 Mrd. Euro für das Jahr 2027. Im Vorjahr belief sich der Zuschuss noch auf 6,5 Mrd. Euro, auch deshalb steigen die Netzentgelte im Strombereich. Hoffnungen auf Entlastungen bei den Energiekosten durch eine Stromsteuersenkung für alle hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zuvor einen Riegel vorgeschoben. Spielräume für neue Ausgaben seien durch die stagnierenden Steuereinnahmen nicht vorhanden, so Klingbeil. /rh

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