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DWV fordert Anschubfinanzierung für Wasserstoffspeicher

Berlin (energate) - Der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV) fordert verlässliche Finanzierungsbedingungen und schnellere Genehmigungsverfahren für Wasserstoffspeicher. In einem Positionspapier, das energate vorab vorliegt, spricht sich der Verband für eine staatliche Anschubfinanzierung aus, die mit dem Hochlauf des Wasserstoffmarktes schrittweise in einen eigenständigen Speichermarkt übergehen soll. Angesichts langer Planungs- und Bauzeiten müsse die Bundesregierung jetzt die Voraussetzungen für den rechtzeitigen Aufbau der benötigten Kapazitäten schaffen.

 

"Kernnetz und Wasserstoffspeicher müssen gemeinsam gedacht und finanziert werden. Ein tragfähiges Marktdesign ist der Schlüssel, um Investitionen in Infrastruktur anzureizen und ihre spätere Nutzung wirtschaftlich zu ermöglichen", sagte DWV-Vorstandsvorsitzender Andreas Kuhlmann zu energate. Notwendig sei deshalb ein verlässlicher Übergang von einer gezielten staatlichen Anschubfinanzierung zu einem eigenständigen, wettbewerbsfähigen Speichermarkt.

 

Fördermodell mit Ausschreibungen

 

Konkret schlägt der Verband ein dreistufiges Marktdesign vor. In der Aufbauphase sollen erlösbasierte Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD) die Investitionen in neue Speicher und die Umrüstung bestehender Anlagen absichern. Dabei sollen Speicherbetreiber Gebote für einen Referenzerlös abgeben. Eine Erlösuntergrenze soll Kapital- und fixe Betriebskosten absichern, wenn die Speicher nur wenig oder gar nicht genutzt werden. Eine Obergrenze soll zugleich verhindern, dass Betreiber dauerhaft über die Förderung hinausgehende Erlöse behalten. Die Verträge sollen über zehn bis 15 Jahre laufen.

 

Mit zunehmender Nachfrage soll der weitere Ausbau dann marktgetrieben erfolgen. Langfristig soll die effiziente und flexible Nutzung der aufgebauten Infrastruktur im Vordergrund stehen. Zusätzlich schlägt der Verband zeitlich begrenzte steuerliche Anreize für frühe Umrüstungsprojekte vor.

 

Kritisch sieht der DWV die geplante Regulierung des Speicherzugangs. Insbesondere die Streichung einer Übergangs- und Bestandsschutzregelung im Entwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes berge Risiken für bereits geschlossene Verträge. Wenn nachträglich neue Vorgaben für bestehende Vereinbarungen gelten könnten, erschwere dies die Finanzierung von Speicherprojekten. Der Verband fordert deshalb rechtliche Klarheit über den Beginn der Regulierung, den Umgang mit Bestandsverträgen und die Methodik zur Festlegung der Speicherentgelte.

 

Umrüstung und Neubau brauchen Vorlauf

 

Mit Blick auf die zeitlichen Dimensionen mahnt der DWV rasches Handeln an: Für die technische Umrüstung bestehender Speicher veranschlagt der Verband mindestens fünf Jahre, für die vollständige Neuerrichtung einer Speicheranlage mindestens zehn Jahre. Der Neubau von Salzkavernen müsse daher bereits heute beginnen. Die Umrüstung bestehender Anlagen sei zwar schneller und könne bei den spezifischen Investitionskosten für das Speichervolumen bis zu 20 Prozent günstiger ausfallen. Sie sei jedoch durch den weiterhin bestehenden Speicherbedarf für Erdgas begrenzt.

 

Auch die Initiative Energien Speichern (Ines), Verband der Gasspeicherbetreiber, mahnt zur Eile und beklagt, dass die Frage der Wasserstoffspeicher bislang politisch vernachlässigt wird. Mit Blick auf die Stilllegungsanzeigen für einzelne Speicherkavernen, deren wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr gegeben ist, warnte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann im Interview mit energate vor den Folgen des Kapazitätsverlusts für den Wasserstoffhochlauf. Auch der DVGW fordert angesichts der langen Realisierungszeiträume schon lange einen zügigen Aufbau von Wasserstoffspeichern.

 

Neben der Finanzierung sieht der DWV insbesondere bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren Handlungsbedarf. Diese müssten vor allem im Bau-, Berg- und Wasserrecht vereinfacht und beschleunigt werden. Zudem fordert der DWV, Wasserstoffspeicher wieder in den Katalog der im baurechtlichen Außenbereich privilegierten Vorhaben aufzunehmen. "Wenn Wasserstoffspeicher erst in fünfzehn bis zwanzig Jahren ans Netz angeschlossen werden können, gerät der ganze Zeitplan für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ins Rutschen", warnte Kuhlmann. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten deutlich beschleunigt und Rechtssicherheit für Projektierer geschaffen werden. Dazu gehöre auch, die Privilegierung von Wasserstoffspeichern im Außenbereich zu sichern. "Die Infrastruktur von morgen braucht klare politische Entscheidungen statt zusätzlicher Hürden", sagte er.

 

Speicherbedarf steigt mit dem Wasserstoffhochlauf

 

Der DWV verweist auf den wachsenden Bedarf an Speicherkapazitäten. In den 2030er Jahren würden zunächst Kapazitäten im mittleren einstelligen Terawattstundenbereich benötigt. Mittelfristig könne der Bedarf auf 60 bis 115 TWh steigen. Salzkavernen sollten aufgrund ihrer geologischen Eignung und Flexibilität eine zentrale Rolle spielen. Zugleich müssten Gas- und Wasserstoffspeicher gemeinsam geplant werden, um die Gasversorgung während des Übergangs nicht zu gefährden. Ein verbindlicher Speicherfahrplan solle den schrittweisen Umbau abbilden und Planungssicherheit schaffen.

 

Deutschland verfüge über gute geologische Voraussetzungen und bestehende Speicherinfrastrukturen, die teilweise für Wasserstoff genutzt werden könnten. Nach Angaben des DWV ließen sich durch die Umrüstung sämtlicher bestehender Gaskavernenspeicher bereits 32 TWh Wasserstoffspeicherkapazität erschließen. Der Verband fordert außerdem einen diskriminierungsfreien Zugang zu Speichern und Netzinfrastruktur sowie die Berücksichtigung dezentraler Speicherlösungen, um auch Standorte ohne direkten Anschluss an das Wasserstoffkernnetz versorgen zu können. Nach Angaben des Positionspapiers liegen rund 78 Prozent des betrachteten industriellen und gewerblichen Prozesswärmebedarfs von etwa 160 TWh mehr als einen Kilometer vom geplanten Kernnetz entfernt. Dezentrale Speicher und Verteilstrukturen seien deshalb wichtig, um den Wasserstoffhochlauf über die direkt angebundenen Standorte hinaus zu ermöglichen.

 

Gute geologische Voraussetzungen nutzen

 

"Wasserstoffspeicher sind eine Grundvoraussetzung für eine wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft. Sie sichern die Versorgung der Industrie, stabilisieren die Netze und stärken die Resilienz unseres Energiesystems", betonte Kuhlmann. Deutschland habe dafür hervorragende geologische Voraussetzungen. "Diese Chance müssen wir heute nutzen, um die erforderlichen Speicherkapazitäten von morgen rechtzeitig aufzubauen." Der DWV richtet seine Forderungen auch an die von der Bundesregierung zu erarbeitende Wasserstoffspeicherstrategie. Sie müsse den Speicherbedarf absichern, Investitionen ermöglichen und den Aufbau der Infrastruktur mit der Entwicklung des Wasserstoffmarktes verzahnen. /tc

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