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Contracting: Wie viel Chance steckt in der Konsolidierung?

Köln (energate) - Der Markt für Anlagen-Contracting ist in Bewegung: Wärmewende und industrielle Dekarbonisierung haben die Rahmenbedingungen stark verändert und erfordern andere Lösungen. Zuletzt haben sich einige Anbieter zurückgezogen und ihre Portfolios verkauft. In diesem Marktumfeld wittert der Kölner Versorger Rheinenergie Morgenluft. "Gerade Konsolidierungsphasen können Chancen bieten, antizyklisch zu investieren", sagte Stephan Segbers, Vertriebsvorstand der Rheinenergie, im Interview mit energate. Zuletzt hatte der Versorger das 550 MW starke Contracting-Portfolio des Wettbewerbers EnBW übernommen und sich damit in die Riege der größten Player im Contracting-Markt mit einem Anlagenportfolio von 1.100 MW katapultiert. 

 

Wettbewerbslandschaft vor tiefgreifendem Wandel

 

Im Gespräch mit energate ging Segbers in die Offensive: Contracting sei eines der "strategischen Wachstumsfelder" der Rheinenergie, das das Infrastrukturgeschäft "wirtschaftlich ergänzen" soll. Weitere Akquisitionen seien nicht ausgeschlossen. Die jüngste Konsolidierungswelle sieht Segbers dabei als Bestätigung der eigenen Markteinschätzung: "Hohe Kapitalanforderungen und steigende Ansprüche an technisches und energiewirtschaftliches Know-how verändern die Wettbewerbslandschaft grundlegend." Genau diese Kompetenzen - Kapitalkraft und Know-how - bringe die Rheinenergie mit, zeigte sich der Vertriebsvorstand überzeugt - und verwies etwa auf die Übernahme des KWK-Spezialisten Ago, die der Versorger 2020 getätigt hatte. 

 

Nach Zahlen des Branchenverbandes Vedec ist der Markt für Wärmecontracting zuletzt stabil gewachsen. Für das Jahr 2025 - aktuellere Zahlen liegen nicht vor - stieg der Branchenumsatz um 7,1 Prozent auf rund 5,6 Mrd. Euro. Doch zugleich durchläuft der Markt derzeit eine anspruchsvolle Umbruchsphase: Die Wärmewende erfordert ein anderes Lösungsportfolio abseits der klassischen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Zudem hatten die Unsicherheiten zur Regulatorik im Wärmemarkt, beispielsweise die Hängepartie zur Verlängerung des KWKG oder die Diskussionen um das Gebäudeenergie- beziehungsweise Gebäudemodernisierungsgesetz, vielen Vertragsabschlüssen im Weg gestanden. 

 

Etablierte Player ziehen sich zurück

 

Als eine Folge war es zuletzt zu einer ganzen Reihe von Portfoliobereinigungen und strategischen Übernahmen gekommen. Etablierte Versorger wie die EnBW zogen sich zurück. Auch die EWE verkaufte ihre Tochter WCG an einen zahlungswilligen Investor. Andere Player versuchen, die Lücken zu schließen, teilweise unterstützt mit Investorengeldern. Zuletzt haben etwa mit Elevion und Fastr zwei Anbieter ihre Ambitionen mit Portfoliozukäufen unterstrichen. Und dann ist da ja auch noch der Dienstleister Getec, der im Bereich der Wärmedienstleistungen als Marktführer gilt, sich zuletzt aus dem Transaktionsgeschehen aber herausgehalten hat. 

 

Die Rheinenergie setzt insbesondere auf Impulse, die aus der kommunalen Wärmewende kommen sollen. Vorstand Segbers führte beispielhaft die Entwicklungen in Baden-Württemberg an, wo die Wärmewende im Bundesvergleich einen Schritt voraus ist, weil das Land die kommunale Wärmeplanung auf Landesebene schon früher eingeführt hatte. "Erste Stadtwerke schreiben bereits Leistungen für neue Wärmeerzeugungsanlagen aus, weil ihnen für die Umsetzung teilweise die finanziellen Mittel oder die notwendige technische Expertise fehlen", erläuterte der Rheinenergie-Vorstand. "Als selbst kommunal geprägtes Unternehmen kennen wir die Herausforderungen unserer potenziellen Partner sehr genau", zeigte er sich optimistisch. 

 

Konjunkturelle Zurückhaltung spürbar

 

Ein weiteres Marktsegment neben der Kommunal- und Wohnungswirtschaft, in dem Contracting in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt hat, ist die Industrie. Hier gab sich Segbers angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage etwas defensiver: "Natürlich spüren auch wir die konjunkturelle Zurückhaltung. Vertriebsprozesse sind anspruchsvoller geworden und Investitionsentscheidungen dauern länger", sagte er. Doch gerade in diesem Umfeld könne Contracting ein Lösungsansatz sein, denn schließlich nehme die Rheinenergie den Kunden die Investitionen in die Energieversorgung ab. 

 

Für erdgasbasierte Contracting-Lösungen sieht der Rheinenergie-Vorstand trotz aller Dekarbonisierungsbemühungen auch weiterhin einen Markt, wie er betonte. "Erdgas wird im deutschen Energiesystem noch über einen längeren Zeitraum eine Rolle spielen, weil wirtschaftlich und technisch tragfähige Alternativen nicht überall sofort verfügbar sind", gab Segbers zu bedenken. Das gelte insbesondere für die preissensible Industrie. "Kein Industrieunternehmen wird die Transformation dauerhaft zulasten seiner Wettbewerbsfähigkeit vorantreiben", zeigte er sich überzeugt. /rb 

 

Das gesamte Interview mit Rheinenergie-Vorstand Stephan Segbers lesen Sie im Add-on Markt & Industrie.

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