Chinesische Windräder: Ming Yang fordert fairen Marktzugang
Hamburg (energate) - Während auf politischer Ebene der Umgang mit chinesischer Energietechnik kontrovers diskutiert wird, treibt der chinesische Windturbinenbauer Ming Yang seinen Markteintritt in Europa mit Hochdruck voran. "Unser Anspruch ist eine globale Präsenz im Windenergiemarkt. Da führt an Europa als Benchmark-Markt kein Weg dran vorbei", sagte Horatio Evers, Europachef des chinesischen Konzerns, im Interview mit energate. Auch von Rückschlägen will sich der Konzern nicht entmutigen lassen, versicherte er. Zuletzt waren Pläne gescheitert, eine Fertigung in Schottland zu errichten, nachdem die britische Regierung dem Unternehmen die Unterstützung entzogen hatte. "Wir schauen uns andere europäische Länder an, insbesondere Anrainer von Nord- und Ostsee, und führen bereits Gespräche", gab sich Evers unbeeindruckt. Dazu gehöre etwa Spanien, wo es im April ein Treffen mit Ministerpräsident Pedro Sánchez gegeben hatte.
Diskussion um Sabotage- und Spionagerisiken
Ming Yang gehört zu den größten Anlagenbauern im Bereich der Windenergie weltweit. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 25.000 Windkraftturbinen errichtet - vornehmlich im chinesischen Heimatmarkt. Dass der Hersteller mit Macht in den europäischen Windenergiemarkt drängt, wird hierzulande kritisch beäugt. Die Windenergiebranche und Teile der Politik fürchten um die Wertschöpfung und technologische Hoheit, die nach Fernost abwandern könnte. Zudem begleiten seit einigen Jahren Diskussionen um mögliche Sabotage- und Spionagerisiken chinesische Anbieter von Energietechnik. Aus diesem Grund will etwa die Europäische Union mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) chinesischen Solar-Wechselrichtern den Marktzugang erschweren.
Sicherheitsbedenken gegenüber Ming-Yang-Windrädern trat Evers im Gespräch mit energate entschieden entgegen. Die Diskussion um chinesische Windräder werde in Europa "nicht objektiv geführt", beklagte er. Viele der Vorwürfe ließen sich technisch entkräften. "Unsere Konzepte sehen keine Verbindung nach China vor", versicherte er. Richtig sei aber auch, dass es bisher an Kommunikation gefehlt habe. "Chinesische Unternehmen sind darin traditionell zurückhaltend. Das wollen wir ändern und transparenter auftreten." Ming Yang war etwa zuletzt dem Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) beigetreten. "Uns ist wichtig, dass man mit uns spricht und nicht über uns", betonte Evers.
Übrigens: Im Gegensatz zum BWO lehnt der Bundesverband Windenergie (BWE) einen Beitritt von Ming Yang und anderer Hersteller aus Fernost kategorisch ab. "Wir haben eine klare Linie: Mitglieder mit stark nicht europäischem Schwerpunkt nehmen wir nicht auf", sagte Verbandspräsidentin Bärbel Heidebroek im April im Interview mit energate. Der BWE wolle als Verband "glaubwürdig" europäische Interessen vertreten. Ming-Yang-Europachef Evers hielt dagegen: Das Unternehmen habe in Europa nicht nur Gegner, sondern auch "Unterstützer, insbesondere unter Projektentwicklern, die die Vorteile von Ming Yang und unser Know-how für notwendig halten, um wettbewerbsfähig zu bleiben".
Erster Projektierer macht Rückzieher
Ein erster aussichtsreicher Versuch, im deutschen Markt Fuß zu fassen, scheiterte allerdings spektakulär. 2024 hatte sich mit dem Investor Luxcara ein erster Offshore-Projektierer für den Hersteller Ming Yang entschieden. So sollte der Anlagenbauer die Turbinen für den Nordseewindpark "Waterkant" liefern. Im Anschluss an die Bekanntgabe nahm jedoch die Debatte um die Sicherheit der Energieversorgung und die Rolle chinesischer Technik richtig Fahrt auf. Selbst ein Thinktank der Bundeswehr sah sich zu einer Warnung veranlasst. Letztendlich machte Luxcara einen Rückzieher, begründete die Ausbootung von Ming Yang offiziell mit wirtschaftlichen Gründen.
Evers, der erst danach den Posten des Europachefs von Ming Yang angetreten ist, gibt sich trotz allem optimistisch. Er sei überzeugt, "dass sich das Stimmungsbild in Europa wieder drehen wird". Sein Hauptargument: Der technologischen Überlegenheit Chinas werde sich Europa nicht auf Dauer verschließen können. "Unsere Marktbegleiter werden Schwierigkeiten haben, wirklich wettbewerbsfähige Produkte anzubieten", so seine Prognose. Er verwies auf eine Pilotanlage von Ming Yang der Leistungsklasse 18,5 MW, die aktuell im Probebetrieb sei. "Perspektivisch gehen wir auf die 24 MW, ein entsprechender Prototyp geht voraussichtlich im kommenden Jahr ans Netz." Anlagen europäischer Konkurrenten erreichten derzeit maximal 15 MW, gab er zu bedenken.
Evers: Offshore-Markt braucht mehr Wettbewerb
Evers verwies zudem auf die hohe Marktkonzentration in der Produktion von Offshore-Windrädern. "Im Offshore-Bereich haben wir aktuell nur zwei große Anbieter an Windkraftturbinen", so seine Beobachtung. Tatsächlich stellen laut aktuellen Analysen die beiden Platzhirsche Siemens Gamesa und Vestas nahezu sämtliche Offshore‑Turbinen für europäische Projekte. Der Markt brauche mehr Wettbewerb, bekräftigte Evers. Dazu gehöre auch, "chinesische Unternehmen zu fairen Bedingungen am Markt teilnehmen zu lassen". /rb
Die Langversion des Interviews mit Horatio Evers, CEO Europe von Ming Yang, lesen Sie im Add-on Strom.