CCS-Joint-Venture bereitet Terminalbau in Bremen vor
Bremen (energate) - Bremen soll mittelfristig zu einem Knotenpunkt von Deutschlands CO2-Infrastruktur werden. Für 2031 ist dort die Inbetriebnahme eines der bundesweit ersten CO2-Exportterminals geplant. Entstehen soll der Kohlenstoff-Hub ab 2027 auf einem drei Hektar großen Grundstück des Brennstoffhändlers Ambrian Energy. Um das Großvorhaben direkt am Hafen der Hansestadt zu realisieren, haben die Bremer sich mit dem Industriegasspezialisten Messer zusammengetan. Das in Gründung befindliche Joint Venture Carbonbridge will das Terminal bauen und betreiben, um der Schwerindustrie von dort aus den Transport und die Lagerung von CO2 auf dem Grund der Nordsee zu ermöglichen.
Das Exportterminal spielt auch in der Dekarbonisierungsstrategie der Hansestadt selbst und der EWE-Tochter SWB eine Rolle. Letztere will perspektivisch den Carbon Footprint von zwei Müllheizkraftwerken in der Stadt mit zusammengenommen rund 240 MW senken. Nicht zuletzt deshalb fördern der Bund und das Land Bremen den Bau zusammengenommen mit 30 Mio. Euro. 9 Mio. Euro davon kommen aus Landesmitteln, geht aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der CDU zum Thema hervor. Carbonbridge selbst nennt neben der Müllverbrennung noch CO2-Emittenten aus der Baustoffindustrie als potenzielle Kunden für den CO2-Umschlagplatz.
Bis zu 3 Mio. Kubikmeter CO2-Umschlag pro Jahr
Voll ausgebaut sollen über Carbonbridge nach Unternehmensangaben jährlich bis zu 3 Mio. Kubikmeter abgeschiedenes CO2 umgeschlagen werden. Geplant ist, die Anlage rund um die Uhr und sieben Tage die Woche zu bewirtschaften, so es die Auslastung hergibt. Landseitig wird der Hub über eine direkte Zugverbindung mit drei parallelen Entladegleisen verfügen. Somit werde es möglich, 18 Kesselwagen gleichzeitig zu entladen. Für einen Zug mit 36 Kesselwagen veranschlagen die Joint-Venture-Partner deshalb vier Stunden. Täglich, so die Kalkulation, können so in Bremen künftig 12.500 Kubikmeter CO2 zu einer Lagerstätte in der Nordsee verbracht werden. Gleichzeitig soll der Hub auch als CO2-Zwischenlager dienen.
Seeseitig kann das Terminal Schiffe mit bis zu 30.000 Tonnen Kapazität aufnehmen (rund 15 Mio. Kubikmeter CO2). Perspektivisch will das Joint Venture die Anlage auch an ein Pipelinenetz anbinden. Pläne für die entsprechende Erschließung Norddeutschlands verfolgt der Fernleitungsnetzbetreiber OGE. Vermarktet werden soll das Carbonbridge-Terminal in Bremen über ein CCS-as-a-Service-Modell, das von Messer stammt. In diesem Dienstleistungspaket sind unter anderem Be- und Entladung, Transport und Zwischenlagerung vorgesehen.
Weitere Terminal-Standorte in Planung
In Norddeutschland sind neben Carbonbridge noch weitere Standorte für CO2-Terminals in Planung. Dies betrifft vor allem die LNG-Terminal-Standorte Wilhelmshaven und Brunsbüttel. Ferner versucht auch der Hamburger Hafen, sich als CO2-Umschlagplatz in Stellung zu bringen. Einer aktuellen Prognos-Studie zufolge wäre der CCS-Hochlauf um ein Vielfaches günstiger, wenn man dafür zunächst in großem Stil auf Zugtransporte setzt, anstatt ein CO2-Kernnetz zu errichten. /pa