Brüssel genehmigt spanischen Kapazitätsmarkt
Brüssel (energate) - Spanien plant einen Kapazitätsmarkt für die Stromversorgungssicherheit nach belgischem Vorbild. Die Wettbewerbsabteilung der EU-Kommission (GD COMP) genehmigte das Konzept nun als beihilferechtlich konform. Der spanische Übertragungsnetzbetreiber Red Eléctrica (REE) kann damit zehn Jahre lang Kapazitäten ausschreiben und vergüten, und zwar im Umfang von insgesamt 9 Mrd. Euro. Das sind 900 Mio. Euro pro Jahr.
Der neue Kapazitätsmarkt soll sicherstellen, dass immer ausreichend Stromreserven verfügbar sind. Erfolgreiche Auktionsteilnehmer sollen Zahlungen dafür erhalten, dass sie garantieren, bei Bedarf Strom zu erzeugen, Energie zu speichern oder ihren Verbrauch kurzfristig zu reduzieren. Der Mechanismus steht also allen Technologien offen: Gaskraftwerken, Speicherlösungen und Anbietern von Lastmanagement. Damit ist der spanische Kapazitätsmarkt am besten mit dem belgischen vergleichbar, der 2021 von der EU-Kommission genehmigt wurde. Aktuell haben sechs EU-Länder (Belgien, Frankreich, Italien, Irland, Polen und Spanien) einen Kapazitätsmarkt. Deutschland will 2028 einen ähnlichen Mechanismus einführen. Die Details hierfür sollen 2027 bekannt werden, kündigte die Bundesregierung im Zuge der Kraftwerksstrategie immer wieder an. Vorerst muss die EU-Kommission allerdings die Kraftwerksausschreibungen im Rahmen des jüngst vom Bundeskabinett beschlossenen Versorgungssicherheitsgesetzes notifizieren.
Spanien muss Solarspitzen und Windflauten miteinander vereinen
Der Londoner Energie-Thinktank Ember lieferte mit seinem letzten "Global Electricity Review 2026" vom April die energiewirtschaftliche Begründung für die Notwendigkeit eines spanischen Kapazitätsmechanismus. Der sei wegen des extremen Auseinanderklaffens von solaren Mittagsspitzen und temporären Windflauten sinnvoll, heißt es darin. Um die Kluft zwischen solarer Überproduktion am Tag und windarmen Phasen sicher zu überbrücken, benötige das spanische Netz dringend großskalige Speicherlösungen, Lastmanagement und flexible Back-up-Kapazitäten.
Im spanischen Stromnetz spielen Windkraft und Photovoltaik eine dominierende Rolle. Sie bilden das Rückgrat der Stromerzeugung. Laut REE war Windkraft 2025 der wichtigste Stromlieferant des Landes und steuerte rund 22 Prozent zur gesamten Stromerzeugung bei. PV lieferte 18 Prozent und ist die am schnellsten wachsende Technologie in dem sonnenreichen Land.
Das iberische Königreich gehört bei der Kombination aus Wind und Solar mit einem Anteil von 40 bis 42 Prozent zur europäischen Spitzengruppe und liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt, der 2025 bei rund 30 Prozent lag. Unangefochtener Spitzenreiter im EU-Vergleich bleibt aber Dänemark. Das skandinavische Land erzeugt weit über 60 Prozent seines Stroms allein aus Windkraft. Zusammen mit Solar machen diese beiden Quellen rund 90 Prozent aus. /rl