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Breites Bündnis fordert Kurswechsel bei Grüngasquote

Essen/Berlin/München (energate) - Ein breites Bündnis aus Unternehmen der Energiewirtschaft, der Industrie sowie Umweltverbänden hat sich gegen eine Grüngasquote im Gebäudesektor ausgesprochen. Der Zusammenschluss, dem unter anderem Eon, Enercity, EWE und Octopus Energy angehören, fordert einen Kurswechsel. Insgesamt schwäche die Quote die Stromnetze, hemme die Elektrifizierung und behindere die Industrie, so das Bündnis. Knappe grüne Gase sollten nicht in einen Sektor fließen, in dem eine breite Elektrifizierung die sinnvollere Lösung sei. Ähnlich kritisch bewertet die Initiative die im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) vorgesehene Bio-Treppe.

 

Das gemeinsame Papier mit dem Titel "Knappe grüne Moleküle effizient einsetzen: Ein Plädoyer gegen die Grüngasquote" bemängelt vor allem, dass eine Grüngasquote die Netzentgelte in die Höhe treibe. Zudem schaffe eine solche Quote aus Systemperspektive Probleme für das Stromnetz und die Versorgungssicherheit. Im Zuge der Wärmewende sinkt auf Dauer die Anzahl der Gasanschlüsse und die Fixkosten verteilen sich auf weniger Endkunden. Dadurch steigen die Netzentgelte für die verbleibenden Gaskunden. Eine Grüngasquote könne diesen Effekt zusätzlich noch verschärfen, warnt das Bündnis.

 

Grüngasquote bringt Kosten in Milliardenhöhe mit sich

 

"Eine Grüngasquote würde Biogasanlagen verstärkt in Richtung Methanisierung lenken", schrieb Eon-Chef Leonhard Birnbaum auf der Social-Media-Plattform Linkedin. Wenn mehr Biogasanlagen von der Vor-Ort-Verstromung in die Biomethaneinspeisung wechselten, müssten Netzbetreiber zusätzliche Milliarden in den Ausbau der Einspeiseinfrastruktur investieren. Kosten, die dann die Netzentgelte weiter in die Höhe treiben würden. "Gleichzeitig ist der Anschluss neuer Biomethananlagen an das Gasnetz aber kostenintensiv und ineffizient, Investitionsmittel würden dadurch an anderer Stelle fehlen - etwa beim dringend erforderlichen Ausbau der Stromnetze", so Birnbaum.

 

Dass die Verteilnetzbetreiber zum Teil wenig Interesse daran haben, neue Biomethananlagen ans Netz anzuschließen, zeigt eine erst Ende Mai bekannt gewordene Entscheidung der Bundesnetzagentur. Darin verpflichtete die Behörde die zum Eon-Konzern gehörende Schleswig-Holstein Netz, dem Biogasanlagenbetreiber More Flex ein Angebot für einen Netzanschluss vorzulegen. Dies könne an einem weiter entfernten Einspeisepunkt geschehen, der Netzbetreiber müsse aber die Kosten für den Kunden deckeln. Der Grund: Im vorausgegangenen Missbrauchsverfahren war die Bundesnetzagentur zu dem Schluss gekommen, Schleswig-Holstein Netz habe nicht alle Anschlussvarianten ausreichend geprüft. 

 

Wechsel in die Einspeisung: Systemkosten steigen

 

Aber nicht nur Eon als Verteilnetzbetreiber tut sich schwer mit der Grüngasquote, sondern auch Octopus Energy als Anbieter von Flexibilitäten. Biogasanlagen mit Vor-Ort-Verstromung könnten flexible Leistung bereitstellen und so auch das Stromnetz stabilisieren. Wenn die Grüngasquote die Einspeisung auf Kosten der Verstromung anreize, falle dezentrale Erzeugung in der Mittelspannung weg. Dies verschärfe Engpässe in der Versorgung und behindere die Elektrifizierung der Industrie. "Die Quote schwächt das Stromnetz", sagte Octopus‑Germany‑Chef Bastian Gierull auf Linkedin. Der Biogaspark liefere im Schnitt 3,3 GW steuerbare Leistung, in Spitzen 6,8 GW. "Wechseln die Anlagen aus der Verstromung in die Einspeisung, verlieren wir flexible Erzeugung, die fossile Reserven ersetzen könnte. Systemkosten steigen", sagte Gierull. Auch Stefan Dohler, CEO von EWE, betonte die Bedeutung von Biogas für die flexible Stromerzeugung und die Versorgungssicherheit. "Wenn diese Potenziale zunehmend in die Gasnetze umgelenkt werden, entstehen erhebliche zusätzliche Kosten und Herausforderungen für das Energiesystem insgesamt", so Dohler auf Linkedin. 

 

Zusätzlich gebe es für den Gebäudebereich schlicht bessere Lösungen, etwa Wärmepumpen und Wärmenetze. Gleichzeitig spricht sich das Bündnis dafür aus, Biomasse zu priorisieren. Das inländische Potenzial könne die Nachfrage nicht decken, Importe aus dem Ausland würden teuer sein. "Biomethan ist knapp. Die Chemie- und Grundstoffindustrie braucht es, um fossile Rohstoffe zu ersetzen und im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Der Heizungskeller braucht es nicht", bekräftigte Gierull. Ähnlich äußerte sich auch Birnbaum: "Knappe grüne Gase sollten dort eingesetzt werden, wo sie wirklich unverzichtbar sind - nicht im breiten Gebäudesektor, der sich in vielen Bereichen effizient über Elektrifizierung, Wärmenetze und Effizienzmaßnahmen dekarbonisieren lässt."

 

GModG bleibt umkämpft

 

Anfang Mai 2026 hatte die Bundesregierung den Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) im Kabinett verabschiedet. Darin vorgesehen ist die sogenannte Bio-Treppe. Öl- und Erdgasheizungen dürfen damit weiterhin neu eingebaut werden. Sie müssen aber stufenweise mit höheren Anteilen von Wasserstoff, Biogas oder Bioöl betrieben werden. Die geplanten Änderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) berät der Bundestag am 11. Juni 2026 in einer ersten Lesung. Im parlamentarischen Verfahren könnte es durchaus noch zu Änderungen am Gesetz kommen. Erst kürzlich kritisierten Ausschüsse des Bundesrats das Gesetz in seiner derzeitigen Form. Der Umweltausschuss plädierte dafür, die 65-Prozent-Regel wieder in das GModG zu schreiben. Eben jene umstrittene Regelung, die im Zentrum des Gebäudeenergiegesetzes ("Heizungsgesetz") stand. Die CDU hatte in ihrem Wahlprogramm versprochen, dieses abzuschaffen. /sr

 

Das vollständige Positionspapier von Eon, EWE, Bellona, BUND, Deutscher Naturschutzring (DNR)Deutsche Umwelthilfe (DUH), Enercity, Germanwatch, Nabu, Octopus Energy, Thermondo, WWF und ZVEI finden Sie hier

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